Thomas Förster

So schnell geben wir nicht auf

Monschau. Politik und Elternvertreter wollen Schließung von St. Ursula abwenden - Bistum schien an Alternativangebot der Stadt Monschau kein Interesse zu haben.

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Ein Bild aus glorreichen Zeiten: Schülerinnen von St. Ursula füllten einst farbenprächtig die Rurbrücke in Monschau. Ein tolles Erinnerungsfoto für ihren Abschluss und bald vielleicht schon ein Bild ohne Wiederholungsfaktor.

Ein Bild aus glorreichen Zeiten: Schülerinnen von St. Ursula füllten einst farbenprächtig die Rurbrücke in Monschau. Ein tolles Erinnerungsfoto für ihren Abschluss und bald vielleicht schon ein Bild ohne Wiederholungsfaktor.

Foto: Archiv WochenSpiegel

Die emotionale Diskussion um die Pläne zur Schulschließung der St. Ursula Realschule gehen weiter. CDU und SPD in Monschau wollen gemeinsam mit den Eltern und Schülerinnen um den Erhalt der Schule kämpfen. Derweil sorgt der Allgemeine Vertreter der Stadt Monschau, Franz Karl Boden, für Ernüchterung.

Monschau (BS/Fö). Die CDU Monschau ist erschüttert über die Mitteilung des Bistums Aachen, die Bischöfliche Mädchenrealschule St. Ursula in Monschau auslaufen zu lassen und 2026 zu schließen, wie Fraktionsvorsitzender Hilmar Weber erklärt. Die Monschauer Sozialdemokraten zeigten sich fassungslos und befürchten einen massiven Schaden für den Schulstandort Monschau.

Die CDU Fraktion hatte die Tagesordnung der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses um diesen Punkt zu erweitern lassen. Bürgermeisterin Dr. Carmen Krämer wurde gebeten, in der Sitzung darzulegen, welche Gespräche in der Vergangenheit mit dem Bistum geführt wurden und wann die Verwaltung über die anstehende Schließung unterrichtet wurde. »Erste Gespräche hat es bereits 2018 mit der damaligen Bürgermeisterin gebeten« , weiß Franz Karl Boden, Allgemeiner Vertreter der Stadt Monschau. Schon damals seien dem Bistum die Gebäude der ehemaligen Haupt- oder Realschule angeboten worden, um ein breites, zukunftsgerichtetes Bildungsprojekt umsetzen zu können. Micha Kreitz hat 2021 dann als Vorsitzender des Bildungsausschusses die Gespräche wieder aufgenommen. »Sinkende Schülerzahlen, hohe Investitionskosten und zunehmende Probleme, Lehrer zu rekurieren, führte das Bistum als Gründe auf, warum man am Standort Monschau nicht festhalten könne«, weiß Boden. Kooperationsangebote mit dem Schulverband Nordeifel und der Sekundarschule hätten ebenfalls nicht zum gewünschten Erfolg geführt, so Boden. Am 4. Juli habe das Generalvikariat mitgeteilt, dass es eine Schließung von St. Ursula präferiere und die Beteiligten um Verschwiegenheit wegen ausstehender Gespräch gebeten. Dann habe es bis zur öffentlichen Mitteilung am 2. November keinen Kontakt mehr gegeben. 

 »Die CDU Ratsfraktion wird alles in Bewegung setzen, damit die Realschule des Bistums in Monschau erhalten bleibt und zukunftsfähig gemacht wird« erklärt der Fraktionsvorsitzende Hilmar Weber. »Wir werden Vorschläge und Aktionen aus den Reihen der Elternschaft und des Lehrkörpers zu 100 Prozent unterstützen, damit die Schule auf Dauer in Monschau Bestand hat.«

Es dürfe jetzt keine Denkverbote geben, insbesondere sei es erforderlich, Jungen den Besuch der Schule zu erlauben. Der Bedarf für eine Realschule für Mädchen und Jungen sei auf Dauer gegeben: »Viele Eltern schicken ihre Kinder zur Realschule nach Schleiden, obwohl die tägliche An- und Abreise sehr strapaziös ist.« Auf jeden Fall müsse gewährleistet sein, dass alle Schülerinnen der jetzigen fünften und sechsten Jahrgangsstufe ihren Realschulabschluss in Monschau erwerben können und nicht zu einem Schulwechsel gezwungen werden. Weber: »Wir sind der Meinung, dass weder die gemeinsame Sekundarschule in Simmerath noch das gemeinsame Gymnasium in Monschau durch die weitere Existenz einer Realschule mit Mädchen und Jungen in ihrer Existenz gefährdet werden«.

Das Bistum Aachen habe in seiner Pressemitteilung ausgeführt, dass keine wirtschaftlichen / finanziellen Gründe für die beabsichtigte Schließung entscheidend waren, deshalb bestehe bei der Monschauer CDU, aber auch der SPD, die Hoffnung, dass es allen gemeinsam gelingen könne, dass das Bistum seine Entscheidung überdenke.

Der Schulverbandsvorsitzende Bernd Goffart wird im Gespräch mit der Bezirksregierung Köln die Folgen des St. Ursula-Aus für die anderen Bildungseinrichtungen und die Schullandschaft in der Nordeifel diskutieren. Er appelliert an alle Eltern und Schüler sich die Sekundarschule Nordeifel einmal genau anzusehen. »Ein tolles pädagogisches Konzept - immerhin erreichen zwei Drittel der Schüler den Realschulabschluss und mehr als die Hälfte von ihnen die Qualifikation zur gymnasialen Oberstufe«, weiß Goffart. Mit Turn- und Schwimmhalle, einem Kunstrasenplatz samt Leichtathletikbereich, einer modernen Mensa und einem Nutzgarten verfüge die Schulen über eine Top-Ausstattung rund um das Schulgebäude in Simmerath. »Wir tragen Verantwortung für alle Schüler und wollen das Bildungsangebot sichern - vom Gymnasium bis zur Förderschule.«

Pascale Sommer ist Elternpflegschaftsvorsitzende an der St. Ursula Realschule und wurde völlig überrascht von den Plänen zur Schulschließung. »Wir hatten in der Zwischenzeit schon ein Gespräch mit der Bürgermeisterin Dr. Carmen Krämer, das für uns leider ernüchternd war«, sagt Sommer. Doch so schnell gebe man nicht auf. Bei einer großen Elternversammlung stellten sich Vertreter des Bistums den Fragen der Eltern. Nach diesem Austausch wird die Elternvertretung die nächsten konkreten Pläne und Vorgehensweisen bekannt geben. Auch darüber werden wir berichten...

Auch das erweiterte Pastoralteam der GdG Monschau bezog zur anstehenden Schließung von St. Ursula Stellung und sieht in einer koedukativen Schule eine Lösung:

Die Nachrichten zur Schulschließung der Bischöflichen Mädchenrealschule St. Ursula in Mon-schau macht uns als Pastoralteam in der GdG-Monschau sehr betroffen. Als Kreis, der nun schon seit einigen Jahren versucht, miteinander kirchliches Leben im Raum Monschau verantwortlich mitzugestalten, betrübt uns diese Maßnahme sehr. Wir sehen die Schule als einen Ort an dem unzählige Familien Impulse zur Gestaltung einer lebendigen Beziehung zu Gott erhalten, aber auch Erfahrungen kirchlichen Lebens sammeln konnten. Die Schule hat deshalb eine große Relevanz für die pastorale Lebendigkeit der Kir-che im Raum Monschau. Auch wenn das Interesse an der Schule in den letzten Jahren scheinbar rückläufig war, sehen wir dennoch, dass die Kirche vor Ort durch das Angebot der Schule einen bedeutenden Bei-trag in der Schulbildungslandschaft von Monschau leistet. Gerade eine Schule, die aus einer christlichen Verwurzelung heraus wichtige Lerndimensionen, wie ein christliches Gottes-, Welt- und Menschenbild anbietet, ist in unserer aktuellen Gesellschaft mehr denn je im wahrsten Sinne des Wortes notwendig. Inwieweit die Entwicklung zu einer koedukativen Schule eine sinnvolle und praktikable Lösung wäre, können wir natürlich nicht einschätzen, aber es wäre sicherlich im Hinblick auf verschiedenste pastorale Relevanzen von Kirche in Monschau ein lohnender Gedankenansatz. Wir nehmen die enorme Resonanz in der Bevölkerung zur Schulschließung wahr und teilen die große Frustration, die entstanden ist. Deutlich möchten wir zum Ausdruck bringen, dass wir aus unserer Perspektive die Schließung der Schule aus all den genannten Gründen zutiefst bedauern! Unsere Solidarität gilt nun allen Menschen, die von der Schließung betroffen sind. Das sind aus unserer Sicht die unzähligen Mädchen mit ihren Familien, die nun der Zerrissenheit ausge-setzt sind, Entscheidungen bzgl. der Gestaltung der weiteren Schul-Lebens-Zeit zu treffen. Aber auch die Lehrkräfte und das nichtpädagogische Personal und deren Familien, die her-ausgefordert sind, ihre Lebens- und Zukunftsperspektiven neu zu entwickeln. Wir sind derzeit schon mit vielen betroffenen Menschen im Gespräch und wollen das gerne auch weiterhin anbieten.


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