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Jetzt spricht der Burgenkäufer

Treis. Alexander Dragilev hat die Wildburg und die Burg Treis gekauft. Ob der israelische Staatsbürger, ukrainischer Herkunft, sie auch behalten darf liegt an der Gemeinde Treis-Karden, die noch ein Vorkaufsrecht ziehen könnte. Auf ihm nachgesagte Verbindungen zur Hare Krishna-Sekte geht er nicht ein.

Herr Dragilev, warum wollen Sie die Wildburg und die Burg Treis kaufen?

Alexander Dragilev: Vor allem es geht um eine Burg, die Wildburg. Die Burg Treis ist keine Burg, sondern ein unbewohnter Turm ohne Elektrizität und Heizung Ich habe nach einem alten, historischen Gebäude gesucht, denn ich bin ein Mensch, der solche Stätten liebt. Moderne Gebäude gefallen mir nicht. Mir gefällt aber auch die Landschaft. Ich mag den Fluss, die Schiffe auf der Mosel und den Wald.

Wie wollen Sie die Wildburg nutzen?

Alexander Dragilev: Die "Treis" ist und bleibt ein schöner Aussichtspunkt und sie soll so bleiben wie sie ist. In der Wildburg will ich wohnen - meine Tochter mit ihren zwei Kindern und auch meine Freunde werden mich besuchen - leben und arbeiten. Ich bin jüdischer Schriftsteller und Übersetzer und habe indische Kultur, Literatur und Philosophie studiert. Das heißt, hier will ich Bücher aus dem indischen Sanskrit ins Englische und ins Russische übersetzen. Das ist meine Arbeit. In dieser historischen Atmosphäre kann ich gut arbeiten. Darüber hinaus gibt es drei weitere Gebäude auf dem Grundstück. Eines hat ein älteres Ehepaar gemietet und das soll auch weiterhin dort wohnen. Zudem könnten auch die anderen Gebäude – unter anderem ein leerstehendes Café – vermietet werden. Der zum Grundstück gehörende Wald soll auch so bleiben wie er ist. Lediglich die Zufahrt zur Burg und zum Turm muss frei bleiben. Ich bin zwar ein Mensch, der gerne zurückgezogen lebt, aber ich möchte die Burgen trotzdem der Öffentlichkeit zugänglich machen. Ich denke, sie gehören letztlich auch der Allgemeinheit.

Werden Sie noch in die Gebäude investieren?

Alexander Dragilev: Dort, wo es notwendig ist sicher. So habe ich vor den Keller in der Wildburg zu einem Wohnbereich auszubauen. Zudem muss der Abwasserkanal saniert werden und in die Kapelle möchte ich eine Heizung einbauen lassen, damit das Mobiliar und die Wandgemälde nicht angegriffen werden. Zudem muss die Balkonanlage der Wildburg saniert werden.

Was werden Sie tun, wenn die Gemeinde ihr Vorkaufsrecht für die Immobile zieht?

Alexander Dragilev: Ich gehe davon aus, dass ich den Zuschlag bekomme und ich werde mein Bestes tun, dass es so kommt. Die Wildburg und der Turm standen seit 2017 zum Verkauf und die Gemeinde hat kein Interesse gezeigt, erst als ich die Burg gekauft habe. Noch einmal, ich beschäftige mich nur mit uralten, indischen Traditionen. Der Besitzer und der Makler waren jedenfalls von meiner Anfrage überzeugt. Ich glaube auch, dass mein Konzept mit dem Öffnen der Burg für die Öffentlichkeit überzeugend ist.

Die Fragen stellte Stefan Pauly.

Foto: privat

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Kommentar von utzgrutz
schliess mich Frau Hennig an....
aber ein bisschen Satire sei erlaubt

nur zu begrüssen: das ist ein Schritt vom hier herrschenden Feudalismus des 14. Jhdts - wohlgemerkt VOR den Bauernkriegen - ins (esoterische) 19.Jhdt ;-)))

ist alles in allem ein gutes Zeichen - an der Mosel selber soll es ja auch Leute geben, die des Englischen (und moschet-bjit) des Russischen mächtig sind....
vor allem, wo es nur noch Tagestouristen gibt ;-)))
Kommentar von Eliane Hennig, Mörsdorf
****Willkommen Herr Dragilev mit Familie in unserer schönen Gegend.****
Ich hoffe doch sehr, daß die Politiker vor Ort einsehen, daß sie nicht das Geld der Gemeinde unsinnig und unnötig verbraten für den Ankauf einer alten Burg, die, wie man weiß, immer wieder neue Unterhaltskosten produziert, die man den Menschen vor Ort nicht zumuten sollte, erst recht nicht, wenn sich ein Liebhaber solcher Objekte gefunden hat. Die Gemeindemitglieder haben ein Recht darauf, daß das eingehende Steuergeld in ihrem Sinne verwendet und nicht irgendwelchen teuren vermuteten Hirngespinsten nachgegangen wird. Das würde auch die Prüfbehörden nicht erfreuen.
Oder sind es vielleicht die Interessen einer kleinen Gruppe, die aus fehlgeleiteten religiösen Motiven heraus eine andersdenkende Familie wegmobben wollen noch bevor sie angekommen ist??
Das von Herrn Dragilev vorgelegte und hier erläuterte Konzept scheint mir rundum schlüssig.
Jeder sollte froh sein, daß es noch Menschen gibt, die sich für die alten Burgen interessieren und bereit sind, diese in Ordnung zu halten. Das kann doch heutzutage keine Gemeinde mehr leisten.
Ein herzliches Dankeschön an Herrn Pauly für dieses Interview, öffentlich und nicht hinter verschlossenen Türen, wie man das bei der Lokalpolitik vorhat.