Andreas Bender

77 Jahre Intarsien mit Hand und Herz hergestellt

Mermuth. Seit 77 Jahren sind Intarsien seine Leidenschaft. Diese hat Heinz Echtermann an seine Tochter Corinna Schmeißer »vererbt«. Gemeinsam blicken sie nun auf 117 Jahre Intarsien-Erfahrung.

Wie der Vater, so die Tochter: Corinna Schmeißer und Heinz Echtermann teilen seit 40 Jahren die Intarsien-Leidenschaft.

Wie der Vater, so die Tochter: Corinna Schmeißer und Heinz Echtermann teilen seit 40 Jahren die Intarsien-Leidenschaft.

Bild: Andreas Bender

Mit nur 14 Jahren entdeckte Heinz Echtermann seine Leidenschaft für Intarsien – im Rahmen seiner Schreiner-Ausbildung, die er 1949 in seiner Heimat Neuwied begann. Intarsien machten ihm so viel Freude, dass er sich ab 1972 beruflich voll darauf konzentrierte. Er machte sich durch Ausstellungen in ganz Deutschland einen Namen. Von 1984 bis 1986 hatte er auch ein Geschäft im Koblenzer Löhr-Center. Ende der 1990er Jahre richtete er in Mermuth das Museum ein – mit dazugehöriger Werkstatt selbstverständlich.

 

Das Lebenswerk von Heinz Echtermann und die Arbeiten von Tochter Corinna Schmeißer kann man hier bestaunen. Im Museum hinter der Werkstatt kann man die mannigfaltige Intarsien-Kunst bestaunen und auch erstehen. Die Räumlichkeiten liegen versteckt hinter dem Wohnhaus im Tannenweg. Zeit sollten die Besucher auf jeden Fall mitbringen. Das Fachwissen, das Vater und Tochter vermitteln, ist umfangreich.

 

»Ich freue mich besonders, dass meine Tochter mein Interesse für die Herstellung von Intarsien teilt und die Arbeit weiterführt«, sagt der 90-jährige. Seit mittlerweile 40 Jahren beschäftigt sie sich mit Intarsien und hat bereits vor Jahren offiziell das Museum mit Intarsien-Schule übernommen. Denn in Mermuth kann man die Handwerkskunst in Kursen auch selbst erlernen. Das Wissen um die Intarsien-Erstellung verschwindet langsam – es ist eine aussterbende Kunst.

 

»Ich habe mit zwölf Jahren angefangen. Mein Vater hat mir alles beigebracht und die gemeinsame Arbeit hat unser Leben bis heute bereichert«, sagt Schmeißer. »Ich hätte auch in der Schule zusätzlich an einer Werken-AG teilgenommen; ich wurde als Mädchen aber nicht zugelassen.« Zum Glück gab es Vater Heinz. Heute verdient sich die 51-jährige mit Intarsien ihren Lebensunterhalt. Nicht nur auf der Ausstellung kann man Intarsien-Produkte erwerben. Kunden können auch eigene Motive mitbringen, die Schmeißer dann umsetzt.

 

Intarsien sind eine kunstvolle Dekorationstechnik, bei der verschiedene Hölzer so in eine Oberfläche eingelegt werden, dass eine ebene Fläche mit farbigen Strukturen oder Figuren entsteht – abgeleitet vom italienischen intarsiare, also einlegen. Für diese Arbeit werden meist Holzfurniere verwendet, die zwischen 0,7 und zwei Millimeter, teils auch bis zu vier Millimeter dick sind. In präziser Handarbeit werden die einzelnen Teile aus Furnieren – oft in filigraner Millimeterarbeit – ausgeschnitten. Anschließend werden diese in das Motiv eingelegt, verleimt, auf eine Holzoberfläche gepresst, lackiert und versiegelt.

 

»Alle hergestellten Produkte sind Unikate aus echter Handarbeit«, betont Echtermann. »Selbst bei derselben Vorlage ist das Resultat jedes Mal etwas anders. Dabei verwenden wir nur natürliche Hölzer. Für besondere Farben erhalten wir von den Lieferanten Designer-Furniere aus eingefärbten Holzstämmen.« Die Intarsien verzieren dann kunstvoll Möbelstücke wie Tische. Aber auch Bilder, Schmuck, Uhren, Tabletts sowie Schach- und Mensch-ärger-dich-nicht-Spiele entstehen in Mermuth.

 

Die Arbeit erfordert nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch ein hohes Maß an Disziplin und Geduld. »Das Schneiden ist mitunter eine echte Friemel-Arbeit, wie auch das anschließende Einlegen«, sagt Corinna Schmeißer. Gleichzeitig bietet das Kunsthandwerk viel Raum für Kreativität: »Aber man kann seiner Vorstellung freien Lauf lassen. Ohne Spaß an der Sache geht das natürlich nicht.«

 

Nach Ostern darf Heinz Echtermann seinen 91 Geburtstag feiern. »Ich bin an einem Punkt, an dem ich selbst keine Intarsien mehr herstellen kann. Das Alter macht sich dann doch mittlerweile bemerkbar«, sagt er mit Zwinkern. Trotzdem ist er immer noch täglich in der Werkstatt und tauscht sich mit seiner Tochter über Motive und Designs aus – und gibt Tipps aus seinem reichen Erfahrungsschatz. Besonders fasziniert die beiden, die natürlichen Strukturen, die man in Hölzern findet und in Motive intergiert werden können. Das Material beeinflusst also auch das Handwerk.

 

Dass Heinz Echtermann Intarsien begegnet ist, hat er übrigens seiner Mutter zu verdanken. »Als Kind wollte ich eigentlich immer Kellner werden«, erinnert er sich mit einem Lachen. Sein Bruder hat in Boppard als Kellner gearbeitet. »Was er davon erzählt hat, wenn er nach Hause kam, fand ich immer interessant«, sagt der 90-jährige, »aber direkt nebenan gab es eine Schreinerei. Da hat mich meine Mutter mitgenommen und gefragt: Kann der bei euch lernen?«

 

Es war also eine pragmatische Lösung, die zu seiner Schreiner-Ausbildung führte. Und mit 14 Jahren konnte Heinz Echtermann nicht erahnen, wie dieser Schritt sein Leben und das seiner Familie auch 77 Jahre später noch prägen sollte.

 

Info / Kontakt

  • Intarsien-Museum: Tannenweg 15, 56283 Mermuth.
  • Täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet - auch an Sonn- und Feiertagen. Bei größeren Gruppen wird um Anmeldung gebeten.
  • Eintritt: 3 Euro pro Person.
  • Telefon: 0 67 45 / 17 03
  • www.intarsien.de