Andreas Bender

Dialog trotz Polarisierung: Workshop im Café International Büchenbeuren

Büchenbeuren. Wie kann Dialog gelingen, wenn Meinungen weit auseinandergehen? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Workshops im Café International.

Der Workshop im Café International stärkte Begegnung und Zuhören.

Der Workshop im Café International stärkte Begegnung und Zuhören.

Bild: Café International

Unter der Leitung von Wouter Bernhardt von der Berliner Initiative Offene Gesellschaft e. V. trafen sich 34 Teilnehmende aus dem Hunsrück und von der Mosel, um über gesellschaftlichen Zusammenhalt und neue Dialogformate ins Gespräch zu kommen.
„Je weiter Meinungen auseinandergehen, desto schwieriger wird Dialog, das merken wir jeden Tag– und desto wichtiger sind Orte, die Begegnung überhaupt ermöglichen“, so eine zentrale Erkenntnis. Das Café International versteht sich genau als ein solcher Ort: Hier wird Raum geschaffen, um sich persönlich kennenzulernen, Unterschiede auszuhalten und Brücken zwischen Lebenswelten zu bauen.

 

Im Workshop wurde der Zusammenhang zwischen Polarisierung und Zuhörfähigkeit auf eindrückliche Weise erfahrbar. Bei der Dialogmethode „Aktiv Zuhören“ ging es darum, für drei Minuten ausschließlich über das eigene Erleben zu sprechen, während das Gegenüber nur zuhört. „Das war eine echte Herausforderung, eröffnete aber zugleich neue Perspektiven und ein tieferes Verständnis für mein Gegenüber“, berichtete Sandra Hölzner (Bündnis 90/Die Grünen).

 

Auch Doris Michel (Omas gegen Rechts) machte bei einem anderen Dialog-Experiment eine prägende Erfahrung: „Ich wollte mich keiner Seite zuordnen – das war aber für dieses „Spiel“ nicht erlaubt. Wir durften nun Schwarz oder Weiß wählen, wir sollten aber mehr Graustufen sichtbar machen“ Auch den anderen Teilnehmenden wurde bewusst, dass wir uns nicht in so eine Polarisierung drängen lassen dürfen, sondern einfordern müssen, dass wir auch die Zwischentöne zulassen und damit eine Vielfalt der Perspektiven sichtbar machen.

 

Einen besonderen Moment schuf Ahlam Ahmed vom Team des Café International, als sie sich in einer Standpunkt-Übung zu einer umweltpolitischen Frage zunächst als Einzige auf eine Seite stellte. Nach der Veranstaltung wurde sie auf ihren Mut dazu angesprochen: „Hier in Deutschland darf ich auch mal anderer Meinung sein – das hat doch nichts mit Mut zu tun. In meiner Heimat Gaza wurden wir verfolgt, wenn wir unsere Haltung offen zeigten. Dort brauchten wir Mut, um überhaupt zu sprechen. Hier kann ich frei sagen, was ich denke – und das ist ein großes Geschenk.“

 

Für die Koordinatorin des Café International, Okka Senst, war der Workshop zugleich Startpunkt weiterer Vorhaben: „Wir möchten das Format Sprechen und Zuhören künftig bei uns anbieten. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, ins echte Gespräch zu kommen und eigene Haltungen zu reflektieren.“

 

Referent Wouter Bernhardt war begeistert, wieviele Menschen so aktiv und mit großem Interessse am Workshop teilgenommen hatten. Er betonte abschließend, wie wichtig Durchhaltevermögen im Dialog sei: „Wenn niemand es mehr macht – wer macht es dann? Neunmal scheitern, einmal gelingt es.“ Darum steht beispielsweise auch der Tag der Offenen Gesellschaft 2026 (20.Juni) unter dem Motto„Treffpunkt offline – Mitmachen statt scrollen“ Er möchte Menschen dazu einladen, reale Begegnungen zu suchen und gemeinsam über gesellschaftliche Fragen ins Gespräch zu kommen – jenseits digitaler Echokammern. Wie in den letzten Jahren will das Café International auch in diesem Jahr diesen Tag den Tag der offenen Gesellschaft feiern. Interessierte, die das mitgestalten möchten, sind herzlich eingeladen.

 

https://www.cafe-international-buechenbeuren.de/


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