

Im Januar 2022 waren die Bürger aufgerufen, für einen neuen Landrat zu votieren. Volker Boch (unabhängig) konnte die meisten Stimmen auf sich vereinen und wurde am 3. März 2022 zum Landrat ernannt.
Herr Boch, es ist fast Halbzeit in Ihrer Amtsperiode. Vermissen Sie Ihren alten Job bei der Zeitung?
Mir macht die Aufgabe als Landrat unseres Kreises sehr viel Freude. Ich empfinde eine große Dankbarkeit, dieses Amt ausüben zu dürfen - und nach wie vor auch eine hohe Demut. Meinen früheren Beruf habe ich sehr gerne gemacht, ich habe dabei viel Interessantes erlebt, vieles sehen und berichten können. Die Erfahrungen dieser Zeit begleiten mich positiv weiter.
Wie schnell haben Sie sich in die neue Rolle eingefunden?
Es war damals ein fließender Übergang von der ausklingenden Corona-Zeit in eine Phase mit verschiedenen krisenhaften Ereignissen. Ich habe eine Woche nach dem Beginn des Krieges gegen die Ukraine meine Arbeit in der Kreisverwaltung begonnen. Es gab also keine wirkliche Schonzeit oder eine ruhige Phase der Einarbeitung. Ich bin froh, dass ich dabei gute Begleitungen und Unterstützungen erfahren durfte und meinen Weg finden konnte.
Was würden Sie gerne vergessen aus den ersten vier Amtsjahren?
Den ein oder anderen Konflikt, der sich bisweilen ergeben kann und auch ergeben hat. Und dass die Pflichtaufgaben des Kreises weiter steigen und extrem verteuern, ohne dass sich die Finanzausstattung durch Bund und Land richtig verbessert. So sind wir gezwungen, aufgrund der vielen teuren Pflichtaufgaben ins Minus zu gehen und zunehmend Kredite aufzunehmen.
Also wird der Haushalt zukünftig auch ein Kraftakt bleiben? Wie sieht es für 2026 aus?
Der Haushalt für 2026 ist alles andere als schön, denn die Finanzierung der Pflichtaufgaben ist für uns mit der aktuellen Finanzausstattung der Landkreise einfach nicht zu stemmen. Ich hoffe, dass dies bei Land und Bund nicht nur gesehen, sondern auch geändert wird.
Es wurden in den letzten vier Jahren einige zukunftsweisende Projekte im Kreis angestoßen, wie die Gründung der Energiegesellschaft Rhein-Hunsrück (ERH). Welche Rolle spielt diese für die Bürger und die Kreisentwicklung?
Mit der Gründung ERH haben wir gemeinsam mit allen Verbandsgemeinden, der Stadt Boppard und der Rhein-Hunsrück Entsorgung einen wichtigen Schritt getan. Es geht darum, dass wir als Region über die lokalen Pachteinnahmen für Windkraftanlagen hinaus noch mehr Energie und Wirtschaftlichkeit in der Region halten können. Wir wollen nicht nur Energiekommune des Jahrzehnts gewesen sein, sondern eine Region der Pionierprojekte bleiben, von der die Bürger profitieren.
Was ist sonst wichtig für eine positive Weiterentwicklung des Landreises im Hinblick auf die nächsten vier Jahre?
Ein wichtiges Thema ist die Mittelrheinbrücke. Mein Kollege Jörg Denninghoff und ich sind froh, dass wir in Gesprächen mit der Wirtschaftsministerin RLP erreicht haben, dass das Land 90 Prozent Förderung für den Bau zugesagt hat. Das ist ein großer und wichtiger Schritt. Wir brauchen zudem die höchstmögliche Förderung für die Unterhaltung und eine zügige Fortsetzung der Planung.
Zudem muss es Klarheit zur Frage geben, wie die Deutsche Bahn und das Land Rheinland-Pfalz mit der Hunsrückquerbahn umgehen wollen. Es sind viele Millionen in die Trasse investiert worden, obwohl die Bahn offensichtlich gar kein Interesse hat, dass hier regelmäßig Züge fahren. Das versteht niemand, und hier muss es Klärung geben – am besten mit einem Verkehr auf der Strecke, der gut genutzt wird.
Darüber hinaus gibt es noch viel zu tun. Mit einem Blick auf die Kreisverwaltung sowie beispielsweise auf die Sportstätten und Schulen des Kreises wünsche ich mir, dass es uns gelingt, möglichst viel von dem bestehenden Entwicklungs- und Sanierungsbedarf anzugehen und über gezielte Investitionen umzusetzen. Ich freue mich in diesem Zusammenhang sehr, dass wir den Ergänzungsbau der Theodor-Heuss-Schule in Kastellaun bald konkret umsetzen werden.
Ein weiteres Großprojekt ist die Bundesgartenschau 2029 im Welterbetal. Wie sieht es hier aus?
Ich glaube, wir haben mit Blick auf die BUGA29 in den vergangenen Jahren durch viel Arbeit und einen sehr guten Austausch mit dem Land Rheinland-Pfalz die Rahmenbedingungen deutlich verbessert. Wir sind auf dem Weg zur BUGA29, gerade die Kommunen sollen mit eigenen guten Ideen vor Ort profitieren.
Im März ist Landtagswahl. Was wünschen Sie sich als Landrat von der künftigen Regierung?
Eigentlich ist es ganz einfach: Dass die für Rheinland-Pfalz existenziell wichtigen ländlichen Räume stärker wahrgenommen werden und dass gilt: Wer bestellt, bezahlt. Dafür müssen Gesetze angepasst und faire Vereinbarungen getroffen werden, damit unsere Haushaltsplanungen endlich wieder auf ein vertretbares Maß zurückgeführt werden. Und dass Rheinland-Pfalz als starkes Bundesland weiterentwickelt wird, mit starken, gut ausgestatteten Landkreisen an der Spitze und dem Rhein-Hunsrück-Kreis mittendrin.
Welche Zwischenbilanz ziehen Sie nach vier Jahren als Landrat – für sich und für den Kreis?
Es ist immer schwer, selbst zu sagen, ob man etwas gut oder schlecht macht. Ich freue mich, dass ich diese inzwischen fast vier Jahre für den Kreis und die Menschen arbeiten durfte. Wir sind eine tolle Region, in der ich weiter meinen Beitrag leisten möchte, um den Rhein-Hunsrück-Kreis weiter zu entwickeln. Wir haben eine hervorragende Zusammenarbeit zwischen Kreis, Verbandsgemeinden und der Stadt Boppard. Wir hatten in den vergangenen Jahren viele knifflige Themen zu lösen, und das ist aus meiner Sicht mit allen Beteiligten trotz aller Herausforderungen gemeinsam sehr gut gelungen. Das möchte ich gerne fortsetzen.



