

Der Auftritt findet im Rahmen des ersten eigenen Programms des Musikforums Rheinland-Pfalz auf dem Reeperbahn Festival statt. Sperling ist eine von vier Bands, die beim Rheinland-Pfalz-Showcase auftreten. Die vier Acts stehen für unterschiedliche musikalische Perspektiven und die Vielfalt der aktuellen Popmusikszene in Rheinland-Pfalz.
Sperling, das sind Johannes »Jojo« Gauch (29 Jahre, aufgewachsen in Kastellaun, Sänger und Bassist), Joshua Heitzer (30, Emmelshausen, Schlagzeug), Malte Pink (31, Boppard, Gitarre) und Luca Gilles (32, Kastellaun, Cello). Gerade das Cello scheint in dieser Kombination etwas ungewöhnlich, verleiht der Musik der Band aber ihre besondere Soundsignatur. Genremäßig bringen die vier eine Mischung aus Rap und Post-Hardcore zu Gehör.
Die vier Bandmitglieder kennen sich seit ihrer Schulzeit. »Die Band ist aus unserer Freundesgruppe entstanden«, sagt Jojo im Gespräch mit dem WochenSpiegel. »Irgendwann kam die Idee: Hey, wir spielen doch alle ein Instrument. Wollen wir nicht zusammen spielen? Das war 2014. Wir haben zunächst viel experimentiert und dadurch sukzessive unseren Sound entwickelt. Dabei haben wir von Beginn an Musik und Texte selbst geschrieben.«
Bis zum ersten Album 2021 war es ein langer Weg, auf dem sie viel Erfahrungen sammelten und im Rahmen von Bandförderungen (wie dem Musikforum Rheinland-Pfalz) auf geballtes Wissen aus der Musikbranche zurückgreifen konnten. Besonders hebt Jojo das PopCamp hervor. Das Förderprogramm bietet jährlich fünf Newcomern Coachings mit Dozenten aus der Musikwelt.
Große Unterstützung, nicht nur finanziell, erhält die Band auch durch das Kompetenzzentrum popRLP. Dieses greift jungen Künstlern beim Einstieg und bei der Weiterentwicklung ihrer Musikkarriere unter die Arme. Dazu gehören unter anderem Beratung, Workshops, Vernetzungsmöglichkeiten sowie Unterstützung bei Vermarktung und Auftrittsmöglichkeiten. Über popRLP kam letztendlich die Möglichkeit zustande, beim Reeperbahn Festival zu spielen. »Mein Tipp für junge Bands: Lasst euch beraten und wägt ab, was für euren musikalischen Weg sinnvoll ist«, rät der 29-jährige.
Die Songs sind von wortgewandten Texten geprägt, die das Leben in der Postmoderne beschreiben: Überforderung, Müdigkeit, Funktionszwang, aber auch die Suche nach Hoffnung und Gemeinschaft. »Es ist nicht immer leichte Kost, da sich unsere Songs oft mit ‚schweren‘ Themen befassen«, sagt Jojo. Das spiegelt sich auch in den Albumtiteln wider: »Zweifel« (2021) und »Menschen wie mir verzeiht man die Welt oder hasst sie« (2024). Der Bandname passt ebenfalls dazu: »Der Sperling fliegt nicht in den Süden, sondern überwintert hier – er hält die Kälte aus. Das fanden wir als Metapher sehr passend.« Die Alben sind als CD, Vinyl sowie digital erhältlich.
Alle vier sind ihrer Heimat immer noch verbunden, leben aber mittlerweile in Berlin, Mannheim und Koblenz. Die räumliche Distanz ist eine Herausforderung, die die Band weiterhin meistert. »Wir sind im ständigen Austausch untereinander und treffen uns wöchentlich digital in Zoom-Konferenzen«, sagt Jojo. »Für Proben nutzen wir weiter unseren altbewährten Probenraum in Mannheim. Dafür blocken wir uns regelmäßig ein Wochenende oder auch mal vier Tage, besonders in den Wochen vor Konzerten.«
Auf ein besonderes Konzert freut sich die Band aktuell: Sperling tritt im November mit einem Orchester in der Tauber Philharmonie in Weikersheim auf. Das Projekt wurde im Rahmen von »Perspektive Pop 2.0« des Landes Baden-Württemberg gefördert. Das Konzert ist bereits ausverkauft. Wer Sperling in der Region live sehen will, hat bei ihrem alljährlichen Konzert »Frost & Frust« auf der Ehrenbreitstein in Koblenz am 13. März 2027 die Chance. Hier läuft der VVK bereits (im Shop der Band sind auch Hard-Tickets erhältlich).
Nicht nur die räumliche Distanz erfordert Enthusiasmus. Musik machen die Sperlinge in ihrer Freizeit – vom Songschreiben bis zu Albumaufnahmen. Der Traum ist, irgendwann damit ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. »Es wäre sehr cool, wenn es klappt, unsere Leidenschaft zum Beruf zu machen«, sagt Jojo. Der Grundstein ist gelegt. Innerhalb weniger Jahre hat sich Sperling von einer regionalen Newcomer-Band zu einem spannenden Namen der deutschsprachigen Alternativszene entwickelt, mit Konzerten in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dazu zählt die Band mehr als 9,8 Millionen Streams und monatlich über 33 000 Hörer auf Spotify.




