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Eine literarische Mainacht

»Hier in der Eifel ist die Nacht vor dem 1. Mai eine besondere Nacht. Eine Nacht voller fragwürdiger Traditionen, Festlichkeiten und flach getrampelter Tulpen«, so beginnt ein Essay, das Lisa Sahin aus dem »kleinen Eifeldorf Mülheim« geschrieben hat.
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Mit der Tradition der Eifeler Mainacht befasst sich ein Essay, das Lisa Sahin aus Mülheim geschrieben hat und das an der UC Berkeley Extension große Beachtung fand. Foto: Nina Reichartz

Mit der Tradition der Eifeler Mainacht befasst sich ein Essay, das Lisa Sahin aus Mülheim geschrieben hat und das an der UC Berkeley Extension große Beachtung fand. Foto: Nina Reichartz

Das ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Denn die 20-jährige Lisa Sahin schildert ihre Eindrücke, die sie bei zahlreiche Mainächten gewonnen hat, aus der Sicht einer jungen Frau. Und das hat besonders im Jahr 2020 eine besondere Bedeutung, weil dieses Jahr Schaltjahr ist. »Mainacht ist eine sehr alte Tradition und folgt vielfältigen Regeln, die von Dorf zu Dorf variieren«, geht die Geschichte von Lisa Sahin weiter, »die wesentliche Handlung ist jedoch, dass die jungen Männer im Dorf in der letzten Aprilnacht eine dekorierte Birke vor das Haus jedes unverheirateten Mädchens über sechzehn Jahren stellen.«

Schlammige Bachbetten und Baumhäuser

Dieser geschilderter Regelfall wird in einem Schaltjahr erweitert, denn dann beglücken auch die junge Frauen ihren Angebeteten mit einem Baum oder Maiherzen. Zurück zu Lisa Sahin, die eigener Auskunft nach ihre Kindheit »in schlammigen Bachbetten und auf selbstgebauten Baumhäusern verbrachte, was mich tief mit meiner Heimat verbunden hat.« Irgendwann habe sie damit angefangen, die Liebe zu ihrem Zuhause und der Natur in Geschichten und Gedichte umzusetzen, von denen einige bereits veröffentlicht wurden. Dazu zählt auch das Essay »Mainacht«, das es im amerikanischen Berkley zum Abdruck in der dortigen Zeitung brachte.

Essay beeindruckte an der UC Berkeley Extension

Wie es dazu kam? Nun, Lisa Sahin ist zurzeit als Au Pair in Berkeley, Kalifornien, unterwegs, wo sie Kurse für kreatives Schreiben an der UC Berkeley Extension besucht. . An der Universität kam das Essay über die Eifeler Tradition der Mainacht so gut an, das es schließlich auch in der Zeitung abgedruckt wurde. Und in diesem Jahr könnte es Sinn machen, Lisa Sahin zu folgen, die da schreibt: »Also lasst mich euch von der Mainacht in meinem Dorf erzählen und von all den Nebenwirkungen, die damit verbunden sind.«

Eifeler Maifeiern sind alle abgesagt

Denn erleben werden die junge Männer und Damen in der Eifel in diesem Jahr eine Mainacht, die ohne die im Essay geschilderten Bräuche auskommen muss. »Die Corona-Schutzverordnung mit ihrem Kontaktverbot lässt uns keinen Spielraum«, sagt Landrat Günter Rosenke. »Auch traditionelle Feste wie der beliebte Tanz in den Mai müssen leider abgesagt werden.« Folge: Auch das Aufstellen von Dorf-Maibäumen, bei dem in der Regel der Junggesellenverein in voller Mannschaftsstärke und mit PS-starker Traktor-Unterstützung anrückt, sei in diesem Jahr ebenfalls nicht erlaubt. »Immerhin«, so Wolfgang Andres, Pressesprecher des Kreises Euskirchen, »der Verkauf von Birken ist laut der aktuellen Corona-Verordnung des Landes möglich.« Erlaubt sei auch das Aufstellen eines privaten Maibaumes bzw. das Anbringen von Maiherzen – allerdings nur, wenn die Vorgaben des Kontaktverbotes beachtet werden. Das heißt konkret: »Maximal zwei Personen dürfen in der Mainacht gemeinsam unterwegs sein, und sie müssen den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten«, betont der Landrat. Für die Mainacht kündigte Rosenke entsprechende Kontrollen durch die Polizei an.

Kreative Junggesellen

Die Junggesellen hält das allerdings nicht davon ab, kreativ zu sein. Das Maigeloog Kall bittet etwa darum, den üblichen Freikauf-Preis auf einen eingerichteten Spenden-Pool zu überweisen, welcher der »Hilfsgruppe Eifel« zugutekommen wird (mehr unter www.facebook.com/MaigeloogKall). In Sistig bittet das Maigeloog die Familien darum, mit den Kindern einen bunten Maibaum zu basteln und vor die Tür zu stellen.

Das ganze Essay zum Nachlesen

Übrigens: Das ganze Essay von Lisa Sahin kann man nachlesen - und zwar hier