Michael Nielen

Ein Tresen für alle Fälle

Mechernich. Seit Mittwoch, 4. Februar 2026, gehört das Rätselraten, ob man in die Notaufnahme oder zum Bereitschaftsdienst muss, der Vergangenheit an. Das Kreiskrankenhaus Mechernich und die Kassenärztliche Vereinigung bündeln ihre Kräfte und eröffnen die neue Portalpraxis.
Martin Milde (v.li.), Dr. Marcus Münch, Bernd Junker und Frank Gummelt stellten die neue Portalpraxis im Kreiskrankenhaus Mechernich vor.

Martin Milde (v.li.), Dr. Marcus Münch, Bernd Junker und Frank Gummelt stellten die neue Portalpraxis im Kreiskrankenhaus Mechernich vor.

Bild: Michael Nielen

Ein gemeinsamer Tresen und modernste Technik sollen Patienten schneller helfen und den Druck vom System nehmen.

Knapp 40.000 Patienten suchten allein im vergangenen Jahr die Zentrale Notaufnahme (ZNA) in Mechernich auf, dazu kamen rund 10.000 in der Anlaufstelle des kassenärztlichen Notdienstes. Angesichts von Klinikschließungen in der Region und dem zunehmenden Hausarztmangel ist der Druck enorm. Auch ein Grund dafür, ein neues Kapitel der Gesundheitsversorgung aufzuschlagen.

Bisher lautete die Frage für die Patienten oft: Suche ich die KV-Notdienstpraxis im Erdgeschoss oder doch besser die klinische Notaufnahme im ersten Stock? Künftig ist die Frage einfach zu beantworten - es geht in den ersten Stock. »Wir lassen jetzt zusammenwachsen, was zusammengehört«, erklärt der Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses, Martin Milde, das neue Konzept.

Herzstück ist dabei das Eintresenmodell. Egal, ob ein Patient mit einer Schnittwunde, Herzbeschwerden oder einem grippalen Infekt kommt: Der erste Weg führt an eine zentrale Anmeldung im ersten Obergeschoss. Dort sitzen speziell geschulte Pflegekräfte der ZNA, die jeden Ankömmling zunächst medizinisch einschätzen. Notfallpatienten müssen nicht mehr überlegen, an wen sie sich wenden, sondern am gemeinsamen Tresen gibt es eine erste Einschätzung und dann wird man direkt geleitet. »Damit stärken wir sowohl die Qualität als auch die Sicherheit und Verlässlichkeit für unsere Patienten und können medizinische Ressourcen gezielter einsetzen. So nehmen wir auch Druck von unseren Mitarbeitern«, so Dr. Marcus Münch, Chefarzt der Notaufnahme.

Um die Patientenströme sicher zu lenken, setzt die Portalpraxis auf das international validierte Ersteinschätzungssystem SmED (Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland). »Wir behandeln nach Erkrankungsschwere und nicht danach, wer zuerst kommt«, so Dr. Münch. Das System filtert, wer vital gefährdet ist oder Ressourcen benötigt, die nur ein Krankenhaus vorhält. Diese Patienten werden sofort in die Notaufnahme geleitet.

Alle anderen Fälle, die ambulant behandelt werden können, werden in den Sektor der KV-Notdienstpraxis gesteuert. Ergänzend kommt das in der Notaufnahme etablierte System ESI (Emergency Severity Index) zum Einsatz.

Laut Frank Gummelt, KV-Vorsitzender Kreis Euskirchen, ist vielen Bürgern immer noch nicht bewusst, dass unter der Rufnummer 116 117 rund um die Uhr ein ärztlicher Bereitschaftsdienst erreichbar ist – auch nachts um ein Uhr. Er empfiehlt zudem, ebenso wie sein Kollege Dr. Marcus Münch, das Tool »SmED Plus«, das für Patienten online abrufbar ist. Man könne die Ersteinschätzung bereits zu Hause auf dem Sofa machen. »Das System sagt einem dann ganz genau: Rettungsdienst, Notaufnahme oder Hausarzt am nächsten Morgen.« Wer so vorbereitet mit einer codierten Nummer am Tresen erscheint, wird direkt in den richtigen Sektor geleitet.

Das neue System soll dazu beitragen, Abläufe zu vereinfachen und damit auch Wartezeiten zu verkürzen. Frank Gummelt berichtet von der typischen Eifeler Mentalität: Ein Patient mit einer schweren Kettensägenverletzung am Arm marschiert zuerst in die Notdienstpraxis spazieren, anstatt gleich in der klinischen Notfallaufnahme behandelt zu werden. Künftig sorgt der Portal-Check für eine sofortige Priorisierung.

Laut Bernd Junker von der KV-Tochtergesellschaft GMG arbeiten von den aktuell 83 Notdienstpraxen im Bereich Nordrhein bereits über 50 als Portalpraxen. Durch die strukturierte Ersteinschätzung und die Erfahrung der Pflegekräfte soll jetzt auch in Mechernich jeder genau die Hilfe bekommen, die er braucht – effizient, sicher und am richtigen Ort.

Die Öffnungszeiten des kassenärztlichen Notdienstes in der neuen Portalpraxis sind mittwochs von 14 bis 22 Uhr sowie samstags, sonntags und feiertags von 7.30 bis 22 Uhr.


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