Claudia Neumann

Die Steine zum Reden bringen

Trier. Ein über 700 Seiten starkes Forschungswerk dokumentiert die Baugeschichte des Trierer Doms – und liefert überraschende neue Erkenntnisse über eines der außergewöhnlichsten Gotteshäuser weltweit.

Seit über 1.600 Jahren steht der Trierer Dom St. Peter – und ist damit die älteste Bischofskirche Deutschlands. Nach neun Jahren Forschung ist nun ein Werk entstanden, das seinesgleichen sucht: über 700 Seiten, vorgestellt kürzlich im Dom selbst.

Drohnen, Laser und Archivstaub

Hauptautor Dr. Dominik Jelschewski, Ingenieur und Bauforscher, hat den Dom in den vergangenen Jahren systematisch von Grund auf neu vermessen und dokumentiert. Sein Werkzeug: Drohnen, Laserscanning und Fotogrammetrie, bei der mithilfe von Fotoaufnahmen präzise dreidimensionale Modelle entstehen.

Kombiniert hat er diese modernen Methoden mit klassischer Archivrecherche und der traditionellen Bauforschung – dem genauen Befragen der Steine selbst. Professor Manfred Schuller von der Technischen Universität München, der die Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft mitbeantragt hatte, beschrieb das Vorgehen als »methodischen Modellversuch«: Keine weitere Kathedralkirche weltweit dürfte eine solche Fülle erhaltener Zeugnisse verschiedenster Bauepochen aufweisen.

Die Forschungsarbeit förderte konkrete neue Erkenntnisse zutage. So sei die Einwölbung des Doms mit ihrer Spannweite von 17 Metern eines der »größten und gewagtesten Umbauprojekte des gesamten 13. Jahrhunderts« – in der bisherigen Forschung jedoch kaum gewürdigt worden. Einer der vermeintlich mittelalterlichen Türme stammt demnach erst aus der Zeit um 1720 und ist damit rund 400 Jahre jünger als bisher angenommen.

Domrenovierung erstmals dokumentiert

Erstmals dokumentiert wird zudem die umfangreiche Domrenovierung der Jahre 1962 bis 1974. Weitere Beiträge beleuchten den antiken Quadratbau des Doms, der entgegen früherer Annahmen erst nach dem Jahr 390 fertiggestellt wurde, sowie einen 2,20 Meter hohen gemalten Fries aus dem Jahr 1037 – vermutlich das größte bekannte romanische Mäanderband. Grundlage für mehrere Neudatierungen waren 125 dendrochronologisch untersuchte Holzproben.

Der Band richtet sich trotz seines wissenschaftlichen Anspruchs auch an interessierte Laien – 89 dreidimensionale Visualisierungen machen die Bauphasen des Unesco-Weltkulturerbes anschaulich nachvollziehbar.

Dominik Jelschewski:
Der Dom zu Trier -
Baugeschichte und Bauforschung
Aschendorff
Verlag
ISBN 978-3-402-24604-7
99 Euro