Auf der Suche nach „Ben Hur“ im Gartenfeld
Heute präsentierten Archäologen der Landesarchäologie Rheinland-Pfalz Zwischenergebnisse ihrer Ausgrabungen in der Agritiusstraße 2-4 im Trierer Osten. Dort baut die Sparkasse Trier eine neue Stadtteil-Filiale mit sechs Wohneinheiten. Seit März wurden die Bestandsgebäude abgerissen, seit Juni laufen die archäologischen Untersuchungen des 670 Quadratmeter großen Geländes.
Auf der Suche nach der Pferderennbahn
Das Grabungsfeld liegt im Vorgelände des Areals, in dem die antike Trierer Pferderennbahn, der Circus Maximus, vermutet wird. „Wir wissen, es gab einen Circus. Wir haben mehrere literarische Nachweise aus dem vierten Jahrhundert nach Christus. Wir wissen auch ungefähr, dass er in der Nähe des kaiserlichen Palastareals, also zwischen Basilika, Dom und Kaiserthermen, angesiedelt war“, so Dr. Joachim Hupe, Leiter der Außenstelle Trier der Landesarchäologie Rheinland-Pfalz.
Das sei ein Charakteristikum spätantiker Residenzstädte: Die Pferderennbahn als Ort kaiserlicher Repräsentation sei unmittelbar dem Palastareal angegliedert gewesen, etwa in Konstantinopel oder Thessaloniki. Daher sei dies vermutlich auch in Trier so gewesen.
„Das Problem ist nur: Wir haben ihn noch nicht. Wir haben nur eine Reihe von Indizien, dass die Grundlokalisierung stimmt“, so Hupe. Vermutet wird, dass der heutige bogenförmige Verlauf der Agritiusstraße die frühere Rundung der Pferderennbahn an der nördlichen Außenseite nachzeichnet.
Kein Steinbau wie im Film
„Wir müssen uns davon verabschieden, dass der Zirkus eine gebaute Anlage war und als Steinbau stark in Erscheinung getreten ist“, erklärte Hupe. Ähnlich wie im Filmklassiker „Ben Hur“ sei die Bahn eher eine bekieste Sandfläche gewesen, die Ränge mit Erde modelliert – ganz anders als bei Trierer Bauten wie dem Amphitheater.
Funde aus römischer Zeit
Den Circus Maximus haben die Archäologen zwar nicht ausgegraben, dennoch kamen aufschlussreiche Funde zur Stadtgeschichte zutage. Nachgewiesen wurde eine römische Bebauung aus dem 3. und 4. Jahrhundert, größtenteils nur noch als Fundament erhalten, dazu ein Keller, eine Türschwelle und Öfen. Hinzu kommen zahlreiche Streufunde aus dem Bereich der römischen Alltagskultur.
Grabungsleiterin Daria Reschke präsentierte unter anderem Münzen, Spielsteine, Haarnadeln sowie Keramik- und Terrakottafragmente. Darunter auch ein Würfel aus Bein sowie ein filigran gearbeitetes Bronzerädchen, vermutlich ein Anhänger. Glasschlacken deuten zudem auf eine Glasproduktion im Umfeld hin.
Kein prunkvolles Viertel
„Wir befinden uns hier nicht in städtischer 1A-Lage“, bilanzierte Hupe. Die Funde deuten eher auf einen Bereich mit Kleingewerbe hin, viele Steine wurden wiederverwertet, die Ausstattung war alles andere als prunkvoll. Aus Schuttansammlungen bargen die Archäologen zudem gestempelte Ziegel einer bereits bekannten Ziegelei sowie verschiedene Architektur-Fragmente.
Wie geht es weiter?
Alle Funde seien für die Datierung von Bedeutung, sie wandern nun ins Landesmuseum, wo sie gereinigt und aufgearbeitet werden. Unter den römischen Schichten warten noch Schichten aus der Bronzezeit auf die Archäologen, ihre Untersuchung steht in den kommenden Wochen an. Ende August sollen die Ausgrabungen nach drei Monaten abgeschlossen sein, danach wird das Gelände für die neue Bebauung freigegeben, die im Oktober beginnen soll.
Die wichtigste Erkenntnis der aktuellen Grabung: „Die Bebauung reicht näher an die Spielstätten heran, als wir bisher wussten“, so Hupe. Das bedeute auch, dass die Pferderennbahn noch irgendwo zu finden sein müsse, freute sich Grabungsleiterin Daria Reschke. Hupe ergänzte: „Das große Stadtmodell im Landesmuseum muss wohl überarbeitet werden!“
Das Neubauvorhaben der Sparkasse Trier
Geplant ist ein Gebäudekomplex mit einer Gesamtinvestition von rund 5,9 Millionen Euro, bestehend aus einer neuen Sparkassen-Filiale und sechs Wohneinheiten.
Wohnungsangebot (nach aktuellem Planungsstand):
- 3 Zwei-Zimmer-Wohnungen
- 2 Drei-Zimmer-Wohnungen
- 1 Vier-Zimmer-Wohnung
- Wohnungsgrößen von ca. 55 bis 120 Quadratmeter
- zur Vermietung
Die neue Filiale
Die geplante Filiale umfasst nach aktuellem Stand 2,5 Arbeitsplätze, einen Service- und Wartebereich, einen separaten Beratungsraum, eine ausgelagerte Cashbox mit SB-Terminal sowie ein Sicherheitskonzept nach bewährtem Standard. Die Sparkasse Trier betreibt derzeit vorübergehend eine Filialeinrichtung schräg gegenüber, nachdem der Mietvertrag der ehemaligen Filiale vermieterseitig gekündigt wurde.
Nachhaltigkeit
Das Projekt setzt auf eine nachhaltige Bauweise. Geplant sind der KfW-40-QNG-Standard, eine Photovoltaik-Anlage mit rund 15 kWp, Ladesäulen sowie eine Luft-Wasser-Wärmepumpe.
Stellplätze
Nach aktuellem Planungsstand sind auf dem Grundstück acht Stellplätze vorgesehen, davon sechs für Mieter.
Geplanter zeitlicher Ablauf
- Ende August bis September 2026: Abschluss der Grabungsphase, Vorbereitung zum Bau
- Oktober 2026: geplanter Baubeginn
- Bauzeit: voraussichtlich 28 Monate
- Einzug/Fertigstellung: voraussichtlich Anfang 2029














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