Nico Lautwein

Ein starker Standort für neuropsychologische Forschung und Anwendung

Trier. Das an der Universität Trier neu gegründete Institut ICAN bündelt vielfältige regionale Expertisen und Ressourcen.

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Foto: EEG

Mit dem "Institute for Cogntive and Affective Neuroscience" (ICAN) wurde am 29. November an der Universität Trier ein neues Institut zur Erforschung kognitiver und neurophysiologischer Grundlagen des menschlichen Verhaltens eröffnet. Durch die Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Trier, der Hochschule Trier, der Universität Luxemburg sowie von Medizinerinnen und Medizinern aus den beiden Trierer Krankenhäusern bündelt das ICAN Ressourcen im Bereich kognitive Neurowissenschaften. Darüber hinaus fördert das Institut Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und ist in das Studienangebot der Universität Trier eingebunden. "Das ICAN ist ein exzellentes Beispiel für gelungene Kooperation, auch über Landesgrenzen hinweg", meint die Präsidentin der Universität Trier Prof. Dr. Eva Martha Eckkrammer.

Am ICAN beteiligte Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Einrichtungen forschen beispielsweise zu Stressreaktionen, zum Triple-X-Syndrom, zu menschlicher Handlungskontrolle, zum Tourette-Syndrom, zu Long-COVID und chronischer Müdigkeit, zu Mechanismen des Gedächtnisses über die Lebensspanne oder zu Gedächtnisstörungen nach einem Schlaganfall.

"Neurowissenschaftliche Methoden gewinnen immer mehr an Bedeutung. In Trier und Umgebung gibt es eine Reihe von Arbeitsgruppen, die mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Expertisen neuropsychologisch forschen oder mit neuronalen Messmethoden Fragestellungen bearbeiten. Von einer verstärkten Vernetzung im ICAN sollen alle Beteiligten und die Qualität von Forschung und Anwendung profitieren. Wir wollen, dass die Region Trier ein starker Standort für neuropsychologische Forschung, Ausbildung und Anwendung wird", so Prof. Dr. Gregor Domes und Prof. Dr. Christian Frings, die beiden Gründungsdirektoren des ICAN, an dem mehrere Abteilungen der Psychologie der Universität Trier beteiligt sind.

Von dem Zusammenschluss vielfältiger Expertisen im ICAN erhoffen sich die Beteiligten auch bessere Voraussetzungen für das Einwerben von Fördermitteln zur Durchführung von wissenschaftlichen Projekten. Forschungsergebnisse und neue Erkenntnisse sollen in der neurologischen Diagnostik und Versorgung zur Anwendung kommen, beispielsweise in den Trierer Kliniken, dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder und dem Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen.

Erkenntnisse aus der Forschung und komplexe Zusammenhänge sollen aber auch der Öffentlichkeit, beispielsweise bei Veranstaltungen, vermittelt werden. So hatten die Forschenden bereits beim City Campus, der Trierer Wissenschaftsnacht, Einblicke in ihre Projekte gegeben. Der Verbund ICAN trägt zudem zu einem optimierten Zugang und zur gemeinsamen Nutzung hochtechnisierter Geräte wie EEG, MRT und tDCS (Transkranielle Gleichstromstimulation) bei, die zur Lokalisation und Messung neuronaler Aktivitäten bis in tiefliegende Hirnregionen oder zur aktiven Stimulation des Gehirns eingesetzt werden.

Ein weiteres wichtiges Anliegen ist den Gründungsdirektoren und dem ICAN-Geschäftsführer Dr. Christoph Geißler die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, die an der Universität Trier bereits im Bachelorstudium mit dem Angebot neuropsychologischer Grundlagenseminare ansetzt. In diesem Semester ist mit "Cognitive, Affective and Behavioral Neuroscience" ein neuer Track im Masterstudiengang des Fachs Psychologie angelaufen, der neben der theoretischen auch eine praktische Ausbildung beinhaltet. Für den weiteren akademischen Berufsweg wird das ICAN naturwissenschaftliche und medizinische Promotionen ermöglichen und fördern sowie Fort- und Weiterbildungen zu neuropsychologischen Themen anbieten.

 

 


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