Claudia Neumann

Keine Windräder im Trierer Stadtwald: Bürger sammeln 5000 Unterschriften

Trier. Bürgerinitiativen fordern Bürgerentscheid – und kündigen juristisches Vorgehen an
"Keine Windräder im Trierer Stadtwald": das fordern die Bürgerinitiativen Naturschutz Euren/Herresthal, Bürgerverein Pfalzel und Naherholungsgebiet Auf der Bausch

"Keine Windräder im Trierer Stadtwald": das fordern die Bürgerinitiativen Naturschutz Euren/Herresthal, Bürgerverein Pfalzel und Naherholungsgebiet Auf der Bausch

Bild: Claudia Neumann

Drei Trierer Bürgerinitiativen haben das nötige Quorum für ein Bürgerbegehren gegen Windkraftanlagen im Trierer Stadtwald erreicht. Bei einer Pressekonferenz am Montag berichteten die Initiativen Naturschutz Euren/Herresthal, Bürgerverein Pfalzel und Naherholungsgebiet Auf der Bausch, dass inzwischen rund 5000 Unterschriften gesammelt wurden – mehr als die erforderlichen 4160, die fünf Prozent der wahlberechtigten Trierer Bürger entsprechen. Rund 3000 Unterschriften hat das Amt für Wahlen bereits geprüft. Die Zahl der Unterstützer wachse täglich, betonten die Initiativen. An der Pressekonferenz nahmen auch die Ortsvorsteher Hans-Alwin Schmitz (Euren) und Margret Pfeiffer-Erdel (Pfalzel) teil.

Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt: Am Mittwoch, 10. Juni, befasst sich der Stadtrat mit zwei Vorlagen zum Thema Windkraft – darunter eine Ermächtigung für Baudezernent Dr. Thilo Becker, einen Wegenutzungs- und Leitungsvertrag mit dem Windkraftbetreiber Qualitas Energy Trier GmbH abzuschließen.

„Kein Windrad im Stadtwald" – aber kein Nein zur Windkraft

Die Bürgerinitiativen betonen ausdrücklich, keine grundsätzlichen Windkraftgegner zu sein. Der Ausbau erneuerbarer Energien werde unterstützt – jedoch nicht an diesen Standorten mitten im Stadtwald. Das Bürgerbegehren richtet sich gegen die Nutzung städtischer Grundstücke und Wege für die geplanten Anlagen an den Standorten Stahlem und Wetterborn oberhalb von Euren sowie in Ehrang. Ohne die Nutzung städtischer Wirtschaftswege ist ein Transport der Bauteile zu den Standorten nicht möglich.

Die Ansichten wurden bei der Pressekonferenz teils emotional vorgetragen. Im Dezember 2025 hatte der Stadtrat die sechs Potenzialgebiete für Windkraft im Trierer Stadtgebiet beschlossen – darunter Wetterborn, Stahlem und Herresthal Südwest im Hospitienwald sowie Schellberg, Steigenberg und Balmet. Laut Stadt könnten dort mittelfristig über ein Dutzend Windräder errichtet werden.

Kritik an der Eile des Dezernenten

Die Initiativen stellen die Dringlichkeit des geplanten Vertragsabschlusses infrage. „Warum diese Eile?", fragten die Vertreter bei der Pressekonferenz. Da laut Genehmigungsbescheid der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord Maßnahmen ohnehin nicht vor dem 1. Oktober beginnen dürfen, bestehe kein sachlicher Zeitdruck.

„Es kann nur um Pacht-Einnahmen gehen", vermuteten Mitglieder der Bürgerinitiativen bei der Pressekonferenz. Sie verwiesen auf die Vereinigten Hospitien als Waldeigentümer in Euren und Herresthal. Die Vereinigten Hospitien sind eine Stiftung, deren Verwaltungsrat vom Oberbürgermeister der Stadt Trier als geborenem Vorsitzenden geleitet wird. Kaufmännischer Direktor der Stiftung ist Tobias Reiland, der zuvor persönlicher Referent von Oberbürgermeister Leibe war.

Baudezernent Dr. Becker hatte in einer Pressemitteilung der Stadt zugesagt, den Vertrag nicht zu unterzeichnen, bevor das Rechtsamt die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens geprüft hat. Die Bürgerinitiativen halten dem entgegen, dass nicht das Rechtsamt, sondern ausschließlich der Stadtrat über die Zulässigkeit entscheiden darf – so sehe es Paragraph 17 der Gemeindeordnung Rheinland-Pfalz vor. Sie fordern daher, dass der Stadtrat der Vorlage zur Wegenutzung am Mittwoch nicht zustimmt.

Kulturerbe und Naturschutz als Argumente

Neben Naturschutzgründen führen die Initiativen auch den Schutz des Trierer Moselpanoramas ins Feld. Die geplanten Anlagen sollen bis zu 270 Meter hoch werden – mehr als sechsmal so hoch wie die Mariensäule. Die Generaldirektion Kulturelles Erbe hatte im Genehmigungsverfahren darauf hingewiesen, dass die Windräder durch ihre Höhe und die Rotorbewegung visuell auffällig in die Kulturlandschaft einwirken und den Blick vom historischen Stadtbild ablenken könnten. Auch der Verlust von mehr als 70.000 Quadratmetern Wald wird von den Initiativen kritisiert.

Juristische Schritte angekündigt

Sollte das Bürgerbegehren vom Stadtrat abgelehnt werden, kündigten die Bürgerinitiativen an, alle rechtlichen Mittel bis zum Schluss auszuschöpfen. Der Verein Naturschutz Euren/Herresthal prüft zudem bereits Widerspruch gegen die erteilte Baugenehmigung für den Standort Stahlem bei der SGD Nord – eine Klage beim Oberverwaltungsgericht Koblenz wird ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

Ein Bürgerentscheid, so die Initiativen, sei „gelebte Demokratie" – gerade in einer Zeit, in der das Vertrauen der Bürger in die Politik zurückgewonnen werden müsse.