

Mit Tod und Sterben werden die Mitarbeitenden von Intensivstationen regelmäßig konfrontiert – und damit auch mit trauernden und bisweilen verzweifelten Angehörigen, die Abschied von einem wichtigen Menschen nehmen müssen. Dem Team der kardiologisch-herzchirurgischen Intensivstation des Herzzentrums im Brüderkrankenhaus Trier liegt die Unterstützung der Angehörigen besonders am Herzen. Das spiegelt sich auch in einem neuen Angebot wider.
Als Katrin Quint im Herbst 2020 auf der Station 1E des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Trier ihre neue Stelle antrat, startete sie in einem Ausnahmezustand, wie ihn Gesellschaft und Gesundheitssystem hierzulande seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hatten: „Ausgerechnet während Corona habe ich angefangen, hier zu arbeiten“, berichtet sie. In einer Phase also, in der die Intensivstationen aller Kliniken bis aufs letzte Bett belegt waren und viele schwer an Covid erkrankte Menschen die Krankenhäuser nicht mehr lebend verlassen sollten. Katrin Quint hat diese Zeit noch lebhaft in Erinnerung, doch auch sechs Jahre danach werden sie und ihre Kollegen fast täglich mit Sterben und Tod konfrontiert.
Dass Menschen trotz allen medizinischen Fortschritts und pflegerischer Professionalität im Krankenhaus versterben, ist Alltag und darf dennoch nicht Routine werden, sind Katrin Quint und ihre Kollegin Sandra Schneider überzeugt. Schließlich handelt es sich um hochsensible Momente und prägende Eindrücke am Ende eines Lebens. Die meisten Patienten auf der Intensivstation des Herzzentrums im Brüderkrankenhaus Trier sind intubiert, werden also künstlich beatmet und sind deshalb nicht bei vollem Bewusstsein. Sie können sich nicht mehr verbal mitteilen, weshalb es für die Angehörigen meist unmöglich ist, noch letzte Worte mit dem Sterbenden zu tauschen und sich im Gespräch zu verabschieden.
„Für Familie oder Freunde sind das immer Extremsituationen“, weiß Sandra Schneider. Besonders schlimm sei es für die Angehörigen von Patienten, die „quasi von der Straße kommen“, wie die beiden es ausdrücken; etwa nach einer Reanimation infolge eines plötzlichen Herzstillstands außerhalb eines Krankenhauses. „Wir werden hier jeden Tag mit Schicksalen konfrontiert, die uns vor Augen führen, dass das Leben von einer Sekunde auf die nächste eine dramatische Wendung nehmen kann und nichts mehr so ist wie zuvor“, berichtet Sandra Schneider.
Schon seit jeher kommt der Begleitung von Angehörigen sterbender Patienten im Brüderkrankenhaus Trier eine besondere Bedeutung zu. „Als christliches Haus sind wir überzeugt, dass jeder Mensch ein Ebenbild Gottes ist und eine besondere Würde hat bis zu seinem Tod“, sagt Pater Stephan Schmuck. Er ist Mitglied im Team der Krankenhausseelsorge und da, wenn Angehörige seine Begleitung wünschen – unabhängig davon, ob der Patient oder die Angehörigen selbst gläubig sind.
Einfach nur da sein, kann schon vielen helfen. Katrin Quint betont, dass immer jemand bei dem Sterbenden sei, auch wenn es keine Angehörigen mehr gebe oder diese nicht oder noch nicht im Krankenhaus sein könnten. „Bei uns stirbt niemand alleine, das zu garantieren ist uns außerordentlich wichtig.“ Sie selbst hat schon häufiger Patienten in den letzten Stunden ihres Lebens beigestanden.
Und doch fehlte aus Sicht von Katrin Quint, Sandra Schneider und den weiteren Mitgliedern des Teams der Intensivstation noch an etwas: „Wir erleben immer wieder mit, dass Angehörige hilflos und verloren am Krankenbett stehen und nicht wissen, wie sie mit der für sie extrem herausfordernden Situation umgehen sollen, und uns kam dann der Gedanke, dass man ihnen eine Möglichkeit bieten muss, aktiv diesen Prozess zu erleben und zu gestalten“, erläutert Sandra Schneider. Gemeinsam recherchierte das Team, selbst in Kanada informierte man sich zum Thema.
Schließlich besorgten Katrin Quint und Sandra Schneider Erinnerungssteine, welche die Angehörigen dem sterbenden Menschen in die Hände legen können und dann für immer mit diesem in Verbindung bringen oder an ihn erinnern. Auch die Möglichkeit, unter Einsatz von Farben Finger- oder Handabdrücke mit dem Sterbenden zu machen oder sich ins Erinnerungsbuch einzutragen, können und sollen helfen.
„Wir möchten den Angehörigen helfen, kleine Erinnerungen zu gestalten, die ihnen Kraft geben“, bringt es Katrin Quint auf den Punkt. Auch ihnen selbst gebe es Kraft, Angehörige in den schwierigen Momenten des Abschiednehmens helfen zu können, sagen die beiden, die von weiteren ähnlichen Angeboten für Angehörige im Brüderkrankenhaus berichten und betonen: „Voraussetzung ist ein gutes Team, das sich gegenseitig unterstützt.“
Pater Schmuck ergänzt: „Das, wie auch beispielsweise unsere Bemühungen, dass die Patienten im Sterben möglichst keine Schmerzen mehr erleiden müssen, ist für uns auch gelebte Barmherzigkeit.“



