Claudia Neumann

Missbrauch im Bistum Trier: 782 Betroffene seit 1946 erfasst

Trier/Region. Ein neuer Zwischenbericht der Universität Trier beleuchtet die Jahre 1946 bis 1966. Die Forschenden identifizierten 335 Betroffene und 123 Beschuldigte und dokumentieren einen vielfach milden Umgang der Bistumsleitung mit beschuldigten Geistlichen.

Trierer Dom

Trierer Dom

Bild: Archiv / Claudia Neumann

Seit 2022 untersucht ein Forschungsteam der Universität Trier den sexuellen Missbrauch im Bistum Trier. Im vierten Zwischenbericht stehen die Amtszeiten der Bischöfe Franz Rudolf Bornewasser und Matthias Wehr zwischen 1946 und 1966 im Mittelpunkt. Für diesen Zeitraum identifizierten die Wissenschaftler 335 Betroffene, überwiegend Kinder und Jugendliche, sowie 123 Beschuldigte. Für den gesamten Untersuchungszeitraum von 1946 bis 2021 steigt die Zahl damit auf 782 Betroffene und 252 Beschuldigte.

Akten zeigen milden Umgang mit Beschuldigten

Grundlage des Berichts sind 1574 Akten sowie Gespräche mit Betroffenen und Zeitzeugen. Die Forschenden beschreiben einen vielfach milden Umgang der Bistumsverantwortlichen mit beschuldigten Priestern und Ordensleuten. Bekannt gewordene Fälle seien geheim gehalten worden. Konsequenzen blieben häufig aus oder beschränkten sich auf Versetzungen, teilweise ins Ausland.

Unter Bornewasser wurden 92 Betroffene und 28 Beschuldigte erfasst, unter seinem Nachfolger Wehr 243 Betroffene und 95 Beschuldigte. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Bornewasser bereits seit 1922 Bischof von Trier war und die Untersuchung für ihn nur einen Teil seiner Amtszeit abdeckt.

Auffällige Unterschiede bei den Betroffenen

Ein ungewöhnlicher Befund betrifft das Geschlecht der Betroffenen: Unter Bornewasser waren nach den Ergebnissen der Studie 50 Prozent Mädchen betroffen. Unter Wehr waren es wie in der Folgezeit zu zwei Dritteln Jungen.

Die Forschenden stellten außerdem fest, dass jeder fünfte zwischen 1946 und 1949 im Bistum Trier geweihte Priester zum Beschuldigten beziehungsweise Täter sexuellen Missbrauchs wurde.

Abschlussbericht für November angekündigt

Der Abschlussbericht für den gesamten Untersuchungszeitraum von 1946 bis 2021 soll voraussichtlich Ende November 2026 veröffentlicht werden.

Weitere Informationen und bisherige Veröffentlichungen gibt es auf der Projektwebsite der Universität Trier.