SP

Müssen wir die Autotüren jetzt von innen verriegeln?

Überfallene Autofahrer in Konz und Trier, Frauen, die beläsigt und begrabscht werden – in den vergangenen Tagen ist es zu einer Serie von Straftaten in der Region gekommen. Die Täter sollen auffällig oft einen Migrationshintergrund haben – so jedenfalls die Aussagen von Zeugen. Der WochenSpiegel hat bei der Polizei nachgefragt.
Muss man in der Region Angst vor Übergriffen haben? Foto: Fotolia

Muss man in der Region Angst vor Übergriffen haben? Foto: Fotolia

Zwei Männer begrabschen am 8. Januar zwei Schülerinnen im Zug auf der Saarstrecke. Die Täter stammen aus Syrien und Tunesien. Zwei Männer stechen am 13. Januar einen 27-Jährigen nieder, der mit seinem Auto an einer roten Ampel in Konz steht. Ein Unbekannter überfällt am 15. Januar einen 20-Jährigen auf dem Kornmarkt. Das Opfer beschreibt ihn als dunkelhaarig und mit dunklerer Haut. Zwei Männer rauben am 19. Januar einen Autofahrer aus, der in der Luxemburgerstraße an einer roten Ampel wartet. Die Täter werden als Osteuropäer beschrieben. Am gleichen Tag belästigt ein Mann eine 15-Jährige in der Kölnerstraße. Auch er war laut Zeugenaussage vermutlich ausländischer Herkunft. Am 21. Januar nötigen zwei Männer eine 19-Jährige in der Maarstraße. Laut Beschreibung der jungen Frau waren die Männer dunkelhäutig. "Für uns gibt es zurzeit keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen den Taten. Es gab unterschiedliche Vorgehensweisen und Zielrichtungen der Täter", teilt das Polizeipräsidium Trier auf WochenSpiegel-Anfrage mit. "Dadurch könnte das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung nach den Vorfällen in Köln weiter beeinträchtigt sein. Dazu besteht in Trier jedoch kein Grund." Eine verstärkte Tendenz zu den oben geschilderten Straftaten erkennt die Polizei derzeit nicht. "Wir werden die Entwicklung natürlich gezielt beobachten und ihr entgegenwirken", heißt es aber.

Mehr Täter mit Migrationshintergrund?

Nach den Vorfällen der Silvesternacht in Köln scheint die Öffentlichkeit besonders sensibilisiert für Straftaten aller Art – besonders wenn sie (angeblich) von einem Ausländer oder Flüchtling begangen worden sein sollen. "Zur Identität der beschriebenen und gesuchten Tatverdächtigen können wir konkret gar keine Aussage machen, da sie ja nicht identifiziert sind. Beschreibungen, die abgegeben werden, sind rein subjektive Fahndungshinweise, die uns Opfer oder Zeugen liefern", heißt es dazu von Seiten der Trierer Polizei. "Die Nationalität oder Herkunft der Tatverdächtigen ist erst nach deren Identifizierung klar. Sie lässt sich nicht vom äußeren Erscheinungsbild ableiten. Neben Deutschen, auf die eine solche Beschreibung zutreffen kann, leben in Trier viele Menschen mit ausländischen Wurzeln oder besuchen die Stadt." Auf die Frage, ob die Zahl der Täter mit Migrationshintergrund gestiegen ist, antwortet die Polizei. "Ob ermittelte Täter einen Migrationshintergrund haben, können wir so nicht beantworten. Dieses Kriterium ist keines, das in der Kriminalstatistik so ausgewiesen wird." In der Statistik werden Deutsche mit Migrationshintergrund als Deutsche bezeichnet und Ausländer ihrer jeweiligen Nationalität zugeordnet.

Mehr Menschen – mehr Straftaten

Laut Polizei ist jedoch festzustellen, dass mit der steigenden Zahl der Flüchtlinge auch die Zahl der an und von Flüchtlingen begangenen Straftaten steigt. "Wo mehr Menschen leben, da werden -  unabhängig vom Aufenthaltsstatus -  auch mehr Straftaten begangen." Die Polizei beton in diesem Zusammenhang aber, dass für Rheinland-Pfalz und insbesondere für Trier zu berücksichtigen ist, dass die Anzahl der Straftaten in diesem Kontext nicht linear mit der Gesamtzahl der registrierten Asylsuchenden steigt.

Im Ernstfall die Polizei verständigen

Tipps, wie man sich im Ernstfall richtig verhalten sollte, gibt die Polizei in ihrer Präventionskampagne "Wer nichts tut, macht mit". Bürgerwehren sieht die Polizei nach wie vor kritisch (wir berichteten). Im Zusammenhang mit den sogenannten "Jedermannsrechten" (Notwehr-, Notstands- und Festnahmerechte für Jedermann) warnt die Polizei vor unüberlegten, gefährlichen und schlimmstenfalls auch strafrechtlich relevanten Handlungen. "Wir empfehlen Hilfe zu alarmieren und dabei insbesondere die Polizei zu informieren." Helfer und Zeugen sollten sich und andere nicht in Gefahr bringen.

Autotüren von innen verriegeln?

Nach den Überfällen auf Autofahrer in Trier und Konz stellt sich für viele die Frage, ob man die Tür von innen verriegeln soll. "Verriegelte Türen könnten im Falle eines Unfalls die Rettung erschweren, wenn sich die Karosserie so sehr verzieht, dass sich die Tür alleine von innen nicht mehr öffnen lässt und Helfer von außen ebenfalls Schwierigkeiten haben. Grundsätzlich gilt aber, dass innerorts gefahrene Geschwindigkeiten – im Gegensatz zu beispielsweise Autobahngeschwindigkeiten - selten zu derart massiven Verformungen der Karosserie führen, dass man die Tür nicht mehr selbst von innen  öffnen kann. Verunsicherte Autofahrer könnten ihre Türen bei innerstädtischen Fahrten verriegeln, während sie außerhalb des Ortes die Verriegelung lösen. Diese Entscheidung muss jedoch jeder Autofahrer für sich selbst treffen." Laut Polizei gibt es übrigens keinen Zusammenhang zwischen den Taten in Konz und Trier. "Aufgrund der Vorgehensweise der Täter gehen wir von vollkommen  unterschiedlichen Motiven aus. Daher erkennen wir weder eine neue 'Masche' noch ein neues Kriminalitätsphänomen. Verkehrsteilnehmer müssen diesbezüglich nicht beunruhigt sein."