Claudia Neumann

Pflegeschüler betreuen Patienten in Eigenregie

Trier. Erste ganzjährige Ausbildungsstation der Region im Brüderkrankenhaus gestartet

Gruppenbild auf der neuen ganzjährigen Ausbildungsstation des Brüderkrankenhauses Trier.

Gruppenbild auf der neuen ganzjährigen Ausbildungsstation des Brüderkrankenhauses Trier.

Bild: BBT-Gruppe, Region Trier

Ab jetzt haben Auszubildende am Brüderkrankenhaus eine ganz besondere Möglichkeit, denn die Klinik hat als erste in der Region eine ganzjährige Ausbildungsstation eingerichtet. Hier können die Schülerinnen und Schüler aus der generalistischen Pflegeausbildung sowie der Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflegehilfe das im Unterricht erworbene Wissen direkt anwenden – natürlich unter den wachsamen Augen der erfahrenen Praxisanleitenden.

„Ein wichtiger Meilenstein“

„Das ist ein wichtiger Meilenstein für uns“, so Pflegedirektor Jörg Mogendorf beim Fototermin zur Eröffnung. „Mit der kontinuierlichen, ganzjährigen Ausbildungsstation bieten wir unseren Auszubildenden im Pflegeberuf eine ausgezeichnete praktische Ausbildung.“ Zuvor hatte die 5D als Ausbildungsstation zwar schon seit Dezember 2023 bestanden, war aber lediglich zu zwei Zeiträumen jedes Jahr als solche genutzt worden - nämlich jeweils vierzehn Tage in der Zeit vor dem Pflegeexamen zur direkten Prüfungsvorbereitung. Doch nun ist die Station ganzjährig in Benutzung. „Dies ist möglich durch eine sehr gute Zusammenarbeit unserer hauptamtlichen Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter, unserer Schule für Pflegefachberufe und den Kolleginnen und Kollegen auf der Station, denen ich für ihr großes Engagement in diesem Projekt herzlich danke“, fährt Mogendorf fort. In anderen Kliniken gebe es zwar ähnliche Angebote, jedoch sei die Station im Brüderkrankenhaus hinsichtlich ihrer Größe und personellen Rahmenbedingungen in der Region einmalig. Aktuell umfasse die Station sieben Zimmer mit insgesamt 15 Betten, jedoch wolle man schon bald auf neun Zimmer vergrößern, verrät Pia Fizaine, Teamleiterin der Zentralen Praxisanleitung, die dieses Projekt initiiert und konzipiert hat.

Geschützter Raum für Auszubildende

Die angehenden Fachkräfte arbeiten hier im Früh- und Tagdienst mindestens eine Woche lang, bevor die nächste Gruppe kommt. „Es geht darum, einen Schutzraum für die Auszubildenden zu bieten“, fährt Pia Fizaine fort. Zum Auftakt kamen fünf Schülerinnen und Schüler auf der Station zum Einsatz, begleitet von ebenso vielen Praxisanleitenden. So entstand bei 15 Patienten nahezu eine Eins-zu-Eins-Betreuung. Die Praxisanleitenden übernehmen auch alle Tätigkeiten, die examiniertem Personal vorbehalten sind, wie beispielsweise die Ausgabe von Medikamenten. Die Patientinnen und Patienten stammen überwiegend aus der Neurochirurgie sowie der Orthopädie und der Kieferchirurgie.

Positive Erfahrungen der Auszubildenden

Auch die zwei Auszubildenden Mohammad Alnader und Zyrene Macasling sind von dem Angebot überzeugt. Beide befinden sich am Ende ihres ersten Ausbildungsjahrs in der generalistischen Pflege und zählen zur Gruppe der ersten Auszubildenden, die im Rahmen ihres einwöchigen Dienstes zum ersten Mal auf der Station 5D Erfahrungen sammeln dürfen. Besonders „die Möglichkeit, sicher zu arbeiten“ schätzen sie. „Das ist hier einfach ein geschützter Raum, in dem wir und die Patienten gut betreut sind“, erzählt Mohammad Alnader. „Da die Praxisanleitenden immer dabei sind, können keine Fehler passieren.“ Zyrene Macasling fügt hinzu: „Die Patienten bekommen durch die hohe Personaldichte viel Aufmerksamkeit, deshalb sind sie sehr zufrieden.“ Beschwert oder sich gar geweigert, von Auszubildenden versorgt zu werden, so sagt sie, habe sich hier noch niemand. Vielmehr herrsche auf der Ausbildungsstation ein angenehmes, entzerrtes Klima.

Perspektive und Mitarbeitergewinnung

Pia Fizaine erzählt, dass zukünftig neben Auszubildenden aus allen drei Lehrjahren auch Personen aus dem außereuropäischen Ausland die Möglichkeit dazu haben sollen, einen sechsmonatigen Freiwilligendienst auf Station 5D zu absolvieren, bevor sie die dreijährige Pflegeausbildung antreten. Dies soll zur Mitarbeitergewinnung beitragen, was langfristig auch gegen den Fachkräftemangel in der Pflege wirken soll. Auch Auszubildende externer Kooperationspartner, beispielsweise aus der Langzeitpflege, sollen auf Station 5D lernen. „Hier bekommen die Schüler einen Einblick, der ihnen sonst einfach komplett fehlen würde, sowie die Möglichkeit der Mitgestaltung von Arbeitsprozessen“, resümiert die Praxisanleiterin.