

In Trier wird beim Graben fast immer etwas gefunden – in der ältesten Stadt Deutschlands stößt man im Untergrund fast unweigerlich auf antike Schichten. So auch in der Baugrube für das neue zentrale Verwaltungsgebäude des Klinikums Mutterhaus in der Feldstraße: Hier sind Reste eines (bereits bekannten) römischen Tempels zum Vorschein gekommen.
Erhalten sind Teile der Fundamente mit einer Ausdehnung von bis zu 50 Metern. Der Grundriss weist aufgrund seiner Größe und Form auf einen repräsentativen Bau mit umlaufender Säulenhalle hin. Die gesamte antike Anlage soll einstmals eine Größe von rund 115 mal 90 Metern erreicht haben.
Antikes Recycling
Bereits 1977 war bei Bauarbeiten für ein Technikgebäude hier ein bis dahin unbekannter römischer Tempel entdeckt worden. »Er wurde nach römischem Vorbild auf einem Podium errichtet«, erklärt Dr. Joachim Hupe, Außenstellenleiter der Landesarchäologie Trier.
»Die Fundamente sind nackt, es gibt keinerlei Bauschmuck«, beschreibt er den Befund, der nun noch einmal wissenschaftlich dokumentiert wurde. »Es sieht so aus, als sei der Bauschmuck abgebaut worden – man hat zum Beispiel die Säulen in Neubauten wiederverwendet.«
Füllmaterial aus dem Trierer Westen
Die Fundamente selbst seien frei gemauert und die Zwischenräume anschließend aufgefüllt worden: »mit rotem Sand von der Westseite der Mosel«. Bei den Ausgrabungen kamen zudem Keramikfunde aus dem zweiten Jahrhundert sowie ein Gesimsbruchstück zutage, bei dem es sich um den Rest eines Grabmals handeln könnte. Wissenschaftlich beschrieben wurde der Tempel 1982 von Heinz Cüppers unter dem Titel »Der Tempel des Asklepios an der Moselbrücke zu Trier«.
Bereits im Jahr 1734 war im selben Bereich eine Weihe-Inschrift für Asclepius, den römischen Gott der Heilkunde und der Ärzte, gefunden worden. Man vermutete deshalb, dass der Tempel diesem Gott geweiht gewesen sein könnte. Auch ein Kapitolstempel wurde vermutet. Die Anlage liegt im südwestlichen Teil der antiken Stadt Augusta Treverorum, in der Nähe des früheren Hafens und der Römerbrücke.
Weitere Funde in der Nachbarschaft
In der Nähe der Tempel-anlage wurden schon bedeutende Funde gemacht: der Silberschatz von Trier, 1628 im Garten des Jesuiten-Noviziats entdeckt und kurz darauf eingeschmolzen. Die spätantike »Apostelkanne«, die 1992 unweit der mutmaßlichen Fundstelle des Schatzes zutage kam und heute im Rheinischen Landesmuseum zu sehen ist. Ein spätantikes Doppelgrab an der Feldstraße mit den Skeletten zweier enthaupteter Männer sowie der 1993 ebenfalls an der Feldstraße entdeckte spektakuläre Trierer Goldschatz mit 2650 Münzen und einem Gesamtgewicht von 18,5 Kilogramm.
Neubau ohne Keller
Nun verschwinden die Tempelreste erneut unter der Oberfläche: Die Baugrube wird mit Schotter verfüllt, der verdichtet und mit einer Bodenplatte bedeckt wird – der Gründung für den Neubau des Verwaltungstraktes. Auf einen Keller wurde aus guten Gründen verzichtet.




