Julia Borsch

Special Olympics: So wird Sport für alle möglich!

Region. Special Olympics Rheinland-Pfalz setzt sich dafür ein, dass Menschen mit geistiger Behinderung durch Sport mehr Teilhabe, Selbstvertrauen und Gemeinschaft erleben können. Wir sprachen mit Geschäftsführerin Melanie Brumm.
Melanie Brumm (rechts) ist Geschäftsführerin von Special Olympics Rheinland-Pfalz. Im Gespräch erläutert sie, wie Inklusion in Bewegung gelingt.

Melanie Brumm (rechts) ist Geschäftsführerin von Special Olympics Rheinland-Pfalz. Im Gespräch erläutert sie, wie Inklusion in Bewegung gelingt.

Bild: Special Olympics Rheinland-Pfalz

Frau Brumm, bitte erklären Sie uns kompakt und in einfachen Worten: Was ist, was macht und was will Special Olympics Rheinland-Pfalz?

Melanie Brumm: Special Olympics Rheinland-Pfalz e.V. ist die Sportorganisation für Menschen mit geistiger Behinderung in Rheinland-Pfalz. Special Olympics möchte, dass Menschen mit geistiger Behinderung sportlich aktiv werden. Bei uns kann jeder mitmachen, egal wie schnell oder stark die Person ist. Dazu hat Special Olympics ein eigenes Sport-Konzept entwickelt. Das Konzept sorgt für faire Wettbewerbe. Bei den Wettbewerben treten dann Sportler*innen gegeneinander an, die in etwa gleich gut oder schnell sind. So haben alle die gleichen Chancen.

Warum ist es wichtig, Teilhabe durch Sport zu fördern und wie macht der Landesverband das?

Melanie Brumm: Sport verbindet. Sport hält fit und gesund. Sport fördert das Selbstvertrauen.Genau deshalb hilft Sport auch, Menschen mit geistiger Behinderung eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in Rheinland-Pfalz zu ermöglichen. Sport ermöglicht auch das Miteinander von Menschen mit und ohne geistige Behinderung. Auch dafür hat Special Olympics ein eigenes inklusives Konzept. So können Hemmschwellen und Berührungs-Ängste abgebaut werden. Bei Unified Sports® trainieren Menschen mit und ohne Behinderung zusammen und treten gemeinsam bei Wettbewerben an.

2022 bei den Landesspielen in Koblenz sagte SORLP-Präsident Burkhard Schappert über Inklusion im Sport: »Es ist ein Marathon und wir stehen noch recht am Anfang«. Jahr für Jahr sei man dann immer »ein Schrittchen weiter« gekommen. Wo stehen wir heute?

Melanie Brumm: Wenn wir beim Marathon-Vergleich bleiben möchten, dann sind wir mitten auf der Strecke. Das Interesse an Inklusion generell und vor allem an inklusivem Sport hat spürbar zugenommen. Special Olympics als Bewegung ist über die Jahre immer bekannter und auch größer geworden. In Deutschland gibt es mittlerweile in allen 16 Bundesländern einen eigenen Landesverband. So haben also Menschen mit geistiger Behinderung die Möglichkeit mit Special Olympics ihre Lieblings-Sportart zu entdecken, Sport zu treiben und an Wettbewerben teilzunehmen. Die Special Olympics Weltspiele 2023 in Berlin, bei denen auch TACHELES vor Ort war und berichtet hat, hat viel für die öffentliche Wahrnehmung von Menschen mit geistiger Behinderung im Sport und der Gesellschaft getan.

Was sind aktuell die größten Hürden in Ihrer Arbeit?

Melanie Brumm: Eine Herausforderung ist Special Olympics auch vor Ort, in den Regionen, Kommunen noch bekannter zu machen und zu zeigen, wie inklusiver Sport gelingen kann. Das Interesse ist generell vorhanden, meistens fehlt es an ein bisschen Unterstützung und Beratung, um zu zeigen, wie erste Schritte Richtung Inklusion umgesetzt werden und gelingen können. Durch verschiedene Projekte und Angebote haben wir einen großen Werkzeugkoffer, mit dem wir interessierten Personen, Vereinen und Institutionen gerne unterstützend zur Seite stehen.

Diesen Juni finden die Bundesspiele von Special Olympics im benachbarten Saarland statt. Welche Rolle spielt der rheinland-pfälzische Landesverband dort und wie bereiten Sie sich darauf vor?

Melanie Brumm: Für die Nationalen Spiele Saarland 2026 sind 4.300 Sportler*innen mit und ohne geistige Behinderung aus ganz Deutschland nominiert. In 40 Delegationen treten 270 rheinland-pfälzische Sportler*innen (241 Athletinnen & 29 Unified Partner*innen) und mehr als 100 Trainer-/Betreuer*innen den Weg ins benachbarte Saarland an. Special Olympics Rheinland-Pfalz ist bei 14 Sportarten am Start: Badminton, Boccia, Bowling, Fußball, Gerätturnen, Golf, Judo, Kanu, Leichtathletik, Radsport, Rudern, Schwimmen, Tennis und Tischtennis. Die Sportler*innen konnten sich über sog. Anerkennungswettbewerbe, die Special Olympics Rheinland-Pfalz in den letzten Jahren ausgerichtet hat, qualifizieren. Die Sportler*innen trainieren seit vielen Monaten und Wochen sehr fleißig, um im Juni mutig ihr Bestes zu geben. Viele der im Saarland startenden Sportler*innen waren z.B. auch bei unseren Special Olympics Landesspielen 2025 in Mainz dabei. Wir von Special Olympics werden auch vor Ort sein und die teilnehmenden Delegationen besuchen, anfeuern und über die Nationalen Spiele berichten.

Das Interview führten der WochenSpiegel und das inklusive Medienteam "Tacheles" der Lebenshilfe Trier.