Claudia Neumann

Trierer Feuerwehr am Limit: Hitzewelle verdreifacht die Einsatzzahlen

Trier. Extreme Temperaturen forderten Berufsfeuerwehr – Altstadtfest verlief dagegen ruhig

Die anhaltende Hitzewelle hat die Trierer Berufsfeuerwehr am vergangenen Wochenende vor eine außergewöhnliche Belastung gestellt. Während die Einsatzzahlen im Stadtgebiet zeitweise fast das Dreifache des Normalwerts erreichten, verlief das Altstadtfest vergleichsweise ruhig, teilt die Stadt Trier mit.

Fast dreimal so viele Rettungseinsätze

An normalen Tagen fahren die Rettungstransportwagen (RTW) der Trierer Berufsfeuerwehr rund 30 Einsätze, das Notarzt-Einsatzfahrzeug (NEF) rückt drei bis viermal aus. In der Spitze der Hitzewelle waren es am Freitag 84 und am Samstag 82 Einsätze – mehr als doppelt so viele wie üblich. Am Donnerstag waren es immerhin 63.

Die Berufsfeuerwehr reagierte frühzeitig: Nachdem sich der Temperaturanstieg Anfang vergangener Woche abzeichnete, wurde ein fünftes RTW in Betrieb genommen. Am Samstag waren sogar sechs RTW rund um die Uhr im Einsatz, dazu ein zweites NEF.

Feuerwehrchef Andreas Kirchartz zieht eine ernste Bilanz: „Diese Hitzewelle ist eine nie dagewesene Belastung für den Rettungsdienst. Fast alle Einsätze sind typische Hitze-Einsätze. Menschen kollabieren in total überhitzten Wohnungen, müssen zunächst vor Ort versorgt und oft in die beiden Trierer Kliniken gebracht werden."

Sein Appell an die Bevölkerung bleibt aktuell: „Bitte nehmen Sie die hohen Temperaturen ernst. Das ist kein normaler Sommer, das ist eine extreme Hitzewelle. Meiden Sie die Mittagshitze, vermeiden Sie körperliche Anstrengung, trinken Sie viel und kühlen Sie sich zwischendurch ab."

Auch Löschzüge deutlich häufiger gefordert

Auch die Wachabteilungen auf der Hauptwache und der Wache 2 in Trier-Ehrang waren stark belastet. Statt vier bis acht Ausrückens an normalen Tagen rückten die Wachabteilungen allein am Samstag 19-mal aus. Größere Brandeinsätze blieben glücklicherweise aus, doch häufig lösten Brandmeldeanlagen aus, die von der Berufsfeuerwehr überprüft werden mussten. „Es scheint, als sei die Technik vielerorts noch nicht auf die hohen Temperaturen ausgelegt", so Kirchartz.

Zudem war die Feuerwehr vielfach als Türöffner gefragt – wenn Menschen in ihren Wohnungen kollabiert waren. Oft handelte es sich dabei um alleinstehende ältere Menschen. Kirchartz appelliert auch weiterhin: „Schauen Sie nach Ihren Mitmenschen, kümmern Sie sich um die Nachbarn, fragen Sie, ob es ihnen gut geht, und bringen Sie gerne mal kalte Getränke vorbei."

Altstadtfest: Ruhiger als in den Vorjahren

Die Belastung durch das Altstadtfest hielt sich nach Einschätzung der Berufsfeuerwehr im normalen Rahmen. Den Sanitätsdienst übernahmen an den drei Tagen das Deutsche Rote Kreuz Stadtverband Trier, der Malteser Hilfsdienst und der Arbeiter Samariter Bund Trier. In der Nacht zum Samstag gab es neun Rettungsdienstfahrten vom Fest in die Krankenhäuser, in der Nacht zum Sonntag 21. Weitere 25 Personen wurden direkt vor Ort versorgt – überwiegend wegen übermäßigen Alkoholkonsums oder kleinerer Verletzungen.

Christoph Gotters, Stadtbeauftragter der Malteser, fasste die Nacht zum Sonntag so zusammen: „Die Nacht war eher ruhiger als in den Vorjahren."

Oberbürgermeister Wolfram Leibe besuchte am Samstag die Einsatzkräfte auf dem Festgelände und dankte ihnen im Namen der Stadt: „Nur dank der Mitarbeit der Hilfsorganisationen ist ein solches Großereignis in Trier, organisiert von der Trier Tourismus Marketing GmbH, überhaupt möglich. Danke für Ihren Einsatz!"

Abkühlstation und Gratis-Wasser gut besucht

Eine Abkühlstation auf dem Domfreihof, betreut von den Freiwilligen Feuerwehren Olewig und Trier-Mitte, war am Samstag stark nachgefragt. Nicht nur Kinder, auch viele Erwachsene nutzten die aus einem Hydranten gespeisten Brausen. Auch die kostenlosen Wasserspender der Stadtwerke Trier kamen gut an – neben den Stationen am Kornmarkt, vor der Porta Nigra, im Palastgarten und am Domfreihof war rechtzeitig zum Fest eine weitere Station am Handwerkerbrunnen in Betrieb gegangen.

Altstadtfest-Besucher kommen hauptsächlich am Abend

Auch die Trier Tourismus und Marketing GmbH (TTM) zog eine positive Zwischenbilanz zum Trierer Altstadtfest. Trotz der außergewöhnlichen Hitzewelle ist das Fest sehr gut verlaufen. Rückmeldungen von Standbetreibern, Bühnenpartnern, Bands und Besucherinnen und Besuchern fallen übereinstimmend positiv aus. Besonders deutlich zeigt sich dabei: Die Gäste haben verantwortungsvoll gehandelt, die größte Tageshitze vielfach gemieden und das Fest vor allem in den Abendstunden besucht.