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Nico Lautwein

Vom Götterboten zum Rauschgoldengel

Trier. Die Weihnachtsausstellung des Museum am Dom spricht ein breites Publikum an
Die Rauschgoldengel stammen aus Nürnberg, angeblich geht die Tradition bis ins 17. Jahrhundert zurück.

Die Rauschgoldengel stammen aus Nürnberg, angeblich geht die Tradition bis ins 17. Jahrhundert zurück.

Bild: Museum am Dom Trier

Von Respekt einflößenden geflügelten Boten Gottes über zuckersüße kindhafte Rauschgoldengel bis hin zu zynischen Sympathieträgern wie dem gefallenen "Luzifer" in der Popkultur: Es gibt wohl wenige Wesen, die in einer solchen Bandbreite dargestellt werden wie Engel. Sie treten als Himmelsboten, Vermittler, Beschützer oder Wegbegleiter in Erscheinung und begegnen auf Gemälden, in Kinderbüchern, Liedern, Krippen oder als Christbaumschmuck. Doch was sind Engel eigentlich? Gibt es sie nur im Christentum? Und warum üben sie bis heute eine Faszination auf gläubige und nicht-gläubige Menschen aus? Diesen Fragen geht das Museum am Dom in seiner diesjährigen Weihnachtsausstellung auf den Grund, die am 24. November eröffnet wurde.

Geflügelte Wesen bevölkern Vorstellung der Menschen seit Jahrtausenden

"Die geflügelten Wesen bevölkern die Vorstellungswelt der Menschen schon seit Jahrtausenden", begrüßte Museumsdirektor Markus Groß-Morgen die Besucherinnen und Besucher, die so zahlreich erschienen waren, dass zuerst einmal weitere Stühle hatten beigeschafft werden müssen. Während einige jüngere Besucher an einem Basteltisch im Eingangsbereich schon einmal eifrig mit Farbe und Schere ihren eigenen "Schutzengel" kreieren konnten, skizzierte Groß-Morgen kurzweilig die Geschichte der Zwischenwesen: Schon bei den Sumerern und im alten Babylon habe es Mischwesen aus Löwen oder Adlern und Menschen gegeben, die als Schutzgeister für die Menschen das Wohlwollen der Götter erbitten sollten. Die Darstellung des christlichen Engelsbildes sei maßgeblich geprägt von den geflügelten Götterboten der Antike wie Nike, Merkur oder Amor. Und in der Bibel fänden sich Engel in den unterschiedlichsten Rollen: Als Racheengel, als Wächter des Paradieses, als Verkünder froher Botschaften. Nachdem es einige Zeit eher still um die göttlichen Heerscharen geworden sei, hätten sie in der Barockzeit als kleine geflügelte Knaben - Putten - ihr Comeback erlebt. Nach einer Entmythologisierung im 20. Jahrhundert hätte die Popkultur, aber auch die Esoterik Engel spätestens seit den 1980er Jahren wiederentdeckt. Weihbischof Jörg Michael Peters sagte in seinem Grußwort, er sei auf dem Weg zum Museum über den Weihnachtsmarkt geschlendert, wo ihm Engelsfiguren zuhauf begegnet seien. Wenn sich jemand ein solches Figürchen ins Haus stelle, sei das nicht unbedingt Kitsch oder eine rein dekorative Idee. "Ich denke, es gibt da schon einen Bezug. Wenn wir beten und uns vielleicht die richtigen Worte fehlen, können Engel einspringen und wie Mittler sein. Sie können ein gutes Gefühl geben, dass man beschützt ist." Musikalisch untermalt wurde die Vernissage von Mac Schu am Cello und Johanna Köster an der Violine.

Interaktives für Groß und Klein

Interaktive Stationen für Groß und Klein sowie ein abwechslungsreiches Begleitprogramm ergänzen die Ausstellung mit ihren zahlreichen Exponaten. Ob ein Kalligraphie-Workshop unter dem Titel "Federleicht", eine kindgerechte weihnachtliche Lesung "Für Bücherwürmer und Leseratten" mit anschließendem Bastelworkshop, eine Familienführung durch die Ausstellung mit Nikolaus-Überraschungsbesuch oder eine Lesung über "Engel" für Erwachsene: Die Ausstellung möchte alle Altersstufen ansprechen. Während der Ausstellungsdauer bietet das Museum ab dem 25. November bis zum 6. Januar jeden Samstag, jeweils um 14.30 Uhr für 2 Euro zzgl. Eintritt offene Führungen durch die Ausstellung an. Für Schulklassen aus der Stadt Trier und dem Landkreis Trier-Saarburg ist der Ausstellungsbesuch dank der Unterstützung durch die Sparkassenstiftung kostenfrei. Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 28. Januar dienstags bis samstags von 9 bis 17 Uhr sowie sonntags von 13 bis 17 Uhr.

Weitere Informationen sowie das ganze Programm gibt es auf www.museum-am-dom-trier.de.

 

 


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