Nico Lautwein

„Wir mussten den Umbruch einleiten“: Eintracht Trier-Cheftrainer Thomas Klasen im Interview 

Trier. Vor dem Start der Regionalliga Südwest spricht Eintracht Trier-Cheftrainer Thomas Klasen exklusiv mit dem WochenSpiegel über den personellen Umbruch, die Saisonziele, den DFB-Pokal und seine Verbundenheit mit Trier.

 

Interview: Nico Lautwein
Interviewstand: 20.07.2026


Wie bewerten Sie den vergangenen Saisonverlauf und welche Lehren ziehen Sie?

Oft sagt man, das zweite Jahr nach dem Aufstieg sei das schwerste. Umso mehr hat es mich gefreut und mit Stolz erfüllt, dass wir sechs Punkte mehr holen konnten, die Saison mit 47 Punkten abgeschlossen und nach zehn Jahren endlich wieder den Rheinlandpokal gewonnen haben.
Gleichzeitig hat die Saison gezeigt, dass wir den Umbruch einleiten mussten. Wir mussten uns von verdienten, langjährigen Spielern trennen, um uns in Sachen Physis und Intensität – sowohl im Training als auch in den Spielen – noch besser an das größtenteils professionelle Niveau der Regionalliga Südwest anzupassen.

Drittes Jahr in der Regionalliga: Wie schätzen Sie die sportliche Situation ein?

Die Liga wird jedes Jahr stärker und die Zahl der finanzkräftigen Kontrahenten erhöht sich. Gleichzeitig sind in diesem Jahr – anders als in den vergangenen beiden Spielzeiten – auch die Aufsteiger deutlich stärker einzuschätzen.
Mit Hilfe des Pokalsiegs und des Transfererlöses sind wir als Eintracht aber in der Lage, unser Budget, unseren Kader und unsere Infrastruktur stetig zu verbessern und somit kleine, aber bewusste Schritte nach vorne zu gehen.

Was sind die Saisonziele?

Für mich ist aufgrund der eben beschriebenen Konkurrenz ganz klar der Klassenerhalt das Ziel – und bestenfalls die Verteidigung des Rheinlandpokals.

Wie hat sich die Mannschaft im Vergleich zur letzten Spielzeit verändert?

Sie hat sich aus den genannten Gründen deutlich verjüngt. Tim Corsten ist mit 25 Jahren der älteste Neuzugang. Alle anderen sind um die 20 Jahre jung.
Wir sind aber noch auf der Suche nach ein bis zwei etablierten Spielern. (Mittlerweile hat der Verein die beiden Neuzugänge Jonas Singer und Mateo Kritzer vorgestellt)

Wie bewerten Sie die Neuzugänge sowie Ihren neuen Co-Trainer?

Es sind durchweg Spieler, die noch nicht am Ende ihrer Entwicklung sind und die – wie Maxim Burghard, Mateo Biondic und Maurice Wrusch – bei uns die ideale Plattform finden, den nächsten Karriereschritt zu gehen.
Daniel wird für uns einen großen Mehrwert darstellen, da er in Vollzeit tätig ist und wie ich bei jeder Trainingseinheit vor Ort sein wird. Dazu kennt er die Liga und alle Spieler aus seinen beiden vorherigen Stationen in Steinbach und Koblenz bestens.

Wird sich Ihr Spielstil und Ihre taktische Philosophie mit der neuen Saison verändern?

Erst wenn der Kader vollständig zur Verfügung steht und ich genau weiß, wie mein Personal aussieht, werde ich den Spielstil und die taktische Ausrichtung auf die bestmöglichen Stärken der Spieler abstimmen.
Gleichzeitig werde ich aber immer ein Trainer sein, der mit seiner Mannschaft über einen kultivierten Spielaufbau offensiv ausgerichtet sein will, anstatt ausschließlich über Umschaltmomente und Konter zum Erfolg zu kommen.

Wie groß ist die Vorfreude, nach zehn Jahren wieder am DFB-Pokal teilzunehmen, und wie bewerten Sie das Los RB Leipzig?

Sehr groß. Ich sehe es als absolutes Privileg, dass wir uns nach zehn Jahren Abstinenz in einem Pflichtspiel mit der drittbesten Mannschaft Deutschlands messen dürfen.

Sie gehen in Ihre vierte Saison als Cheftrainer beim SVE. Ist Trier Ihre neue Heimat geworden?

Trier ist und war für mich immer Heimat – genauso wie Koblenz während meiner aktiven Zeit. Als Kind des Rheinlandes, das mittlerweile in der Eifel wohnt, war der Bezug zu Trier immer da.
Als Spieler war es durch die Jahre in der 2. Liga meine erfolgreichste Zeit. Und als Trainer macht es mich nun sehr stolz und demütig, bereits in mein viertes Jahr zu gehen. Das ist im schnelllebigen Fußball leider zur absoluten Rarität geworden.
Gleichzeitig verbinde und verspüre ich natürlich eine hohe Identifikation mit der Stadt und dem Verein, was mir in meiner täglichen Arbeit sehr viel Freude bereitet

Das Interview mit Thomas Klasen ist eines von vielen weiteren Themen in unserem kommenden Sonderprodukt: "Eintracht Pur".