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Bald 3.200 Flüchtlinge: "Ende der Fahnenstange erreicht"

Künftig werden in Trier bis zu 3.200 Flüchtlinge in den Aufnahmeeinrichtungen in der Dasbachstraße (850) und auf dem Gelände der ehemaligen General-von- Seidel-Kaserne (2.350) aufgenommen, bevor sie an die Kommunen im Land weitergeleitet werden, um dort den Ausgang ihrer Asylverfahren abzuwarten. Mit diesem Ausbau von offiziell 1.700 auf 3.200 Plätze habe Trier dann aber auch das "Ende der Fahnenstange" erreicht, so Integrationsministerin Irene Alt.
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"Was in Trier passiert ist vorbildlich und ganz, ganz toll." Irene Alt, Ministerin für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen sparte auf der Informationsveranstaltung ihres Ministeriums im Druckwerk in Euren nicht mit Komplimenten für das, was die Stadt und ihre Bürger in den vergangenen 20 Monaten im Zuge der Flüchtlingsproblematik geleistet haben. Mit der in Kürze abgeschlossenen Erweiterung der Aufnahmekapazitäten in der Außenstelle der Aufnahmeeinrichtung in der Luxemburger Straße (A-Lux) auf bis zu 2.350 Asylbegehrende will das Land vor allem eine Überbelegung der zentralen Aufnahmestelle in der Dasbachstraße wie in den Sommermonaten künftig verhindern. Bessere soziale Betreuung Bernd Kettern, Direktor des Caritasverbandes, der für den sozialen Dienst in der A-Lux zuständig ist, erklärte die dadurch möglichen Fortschritte in der Intensivierung der sozialen Betreuung auf dem rund zehn Hektar großen ehemaligen Kasernengelände. Neben weiteren Unterkünften, größeren Schulungsräumen, einem "Cafe-Kulti" und einer Spielstube ist der Bezug eines eigenen Verwaltungs- und Registrierungsgebäude dabei besonders wichtig. Dadurch sollen künftig lange Wartezeiten wie bei der zentralen Registrierung in der Dasbachstraße vermieden werden.

Mehr Polizeieinsätze

Obwohl im Stadtteil in den vergangenen Monaten keine Zunahme von Sexual- oder Eigentumsdelikten festgestellt worden sei, haben sich die Einsatzzahlen von Polizei und Feuerwehr erheblich erhöht. Vor allem der wiederholte Missbrauch von Notrufen sei dafür verantwortlich, erklärte Polizeipräsident Lothar Schömann. Signifikant erhöht - von 14 auf 104 - hätte sich auch die Zahl der gemeldeten Ladendiebstähle. 62 Täter konnten ermittelt werden. In den Einrichtungen habe es bis zum 31. Oktober rund 350 Fälle von Körperverletzungen oder Diebstählen gegeben. Schömann versicherte, dass die Polizei auch künftig die Lage unter Kontrolle haben werde, da man sich neu aufgestellt habe und hochmotiviert arbeite. Toleranz und Vielfalt Ortsvorsteher Alwin Schmitz wehrte sich in seinem Rückblick auf die vergangenen 20 Monate vor allem gegen immer wieder aufkommende Gerüchte über Müllprobleme durch die AfA-Bewohner, die sich nachweislich als falsch erwiesen hätten. Er sei stolz darauf, dass  Euren sich als Ort der Toleranz und der Vielfalt bewiesen habe und verwies unter dem Applaus der Zuhörer  darauf, dass man sich in einer Ausnahmesituation befände und sich beweisen müsse.

Das ist der "Königssteiner Schlüssel"

Der Königssteiner Schlüssel legt die Aufnahmequote für Asylbegehrende in den einzelnen Bundesländern fest. Er richtet sich zu einem Drittel nach der Einwohnerzahl und zu zwei Dritteln nach dem Steueraufkommen der Bundesländer und wird jährlich von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) neu berechnet. Spitzenreiter in 2015 ist Nordrhein-Westfalen (21,2 Prozent) vor Bayern (15,5). Rheinland-Pfalz nimmt 4,8 Prozent der Flüchtlinge auf. Bei deutschlandweit einer Millionen Flüchtlinge bedeutet das für Rheinland-Pfalz 48.000 Asylbegehrende. 
Historisch wurde der Königssteiner Schlüssel im März 1949 im so gennannten Königssteiner Staatsabkommen – benannt nach der Stadt Königsstein in Hessen – beschlossen. Ursprünglicher Zweck des Abkommens war eine gerechtere Verteilung der Kosten überregional bedeutender Forschungseinrichtungen auf die einzelnen Bundesländer.

Ehrenamtliche Hilfe und Sachspenden

Wer sich in Trier ehrenamtlich in der Arbeit mit Asylbegehrenden engagieren möchte, beispielsweise als Helfer für Behördengänge oder auch als Lesepate wendet sich am besten per E-Mail, an den Ehrenamtskoordinator. Die gemeldeten Hilfsangebote werden mit den Bedürfnissen der AfAs koordiniert. Bezüglich Kleider- und Sachspenden bittet die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD)  darum, sich erst auf den Bedarfslisten zu informieren ob und was benötigt wird. Aus logistischen Gründen soll von unangemeldeten Spenden vor Ort abgesehen werden. Ansprechpartner: Dr. Jörg Bruch; E-Mail rlp-hilft@add.rlp.de; Telefon 0651/ 9494-900 (montags - freitags von 9 - 12 Uhr). Infos gibt es auch bei Facebook und auf der Internetseite der ADD. FIN


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