Ausstellung über Kapital in gegenwärtigen Gesellschaften

Trier. Anlässlich des Karl-Marx-Jubiläums präsentiert der "generator.medienkunstlabor" der Universität Trier in Kooperation mit dem ZKM Karlsruhe die von Peter Weibel kuratierte Ausstellung "generator marx: kapital | digital". Sie kann noch bis zum 9. Dezember besucht werden.

Ausgehend von der Kritik, die Karl Marx am industriekapitalistischen System übte, stellen ausgewählte Medienkunstinstallationen die Frage nach dem Wesen des Kapitals in gegenwärtigen postindustriellen Gesellschaften. Waren für Marx' Analyse Begriffe wie "Arbeit" und "Warenproduktion" zentral, so haben sich für die Betrachtung der Ökonomie im digitalen Zeitalter Begriffe wie "Daten" und "Distribution" etabliert.

Ausstellungsobjekte

Durch die Präsentation aktueller Medienkunst am historisch Ausstellungsort "generator" entsteht ein Zusammenspiel aus Virtualität und Materialität. Im Kohlekeller des ehemaligen französischen Militärhospitals werden hochkarätige Leihgaben aus der Sammlung des ZKM präsentiert, die teils eigens für die Ausstellung im "generator" entwickelt wurden:

  • Thomas Feuerstein: "MANIFESTO" (2009): Hier werden Handelsdaten von einem Containerschiff, das als Computerserver fungiert, an eine 'zeichnende Hand' übertragen, welche die Kapitalströme in Echtzeit aufnotiert.
  • Bernd Lintermann, Nikolaus Völzow, Peter Weibel: "BIBLIOTHECA DIGITALIS: DAS KOMMUNISTISCHE MANIFEST" (2018): In dieser digitalen Bibliothek wird der Betrachter am Beispiel des Kapitalistischen Manifests mit dem Transfer immaterieller Daten konfrontiert.
  • Peter Weibel, Bernd Lintermann: "DER SPIEGEL DER DISTRIBUTION" (2018) führt in einer interaktiven Installation vor Augen, welche Informationen über den Besucher im Datenabgleich mit einer Webcloud in Echtzeit abgegriffen werden können.
  • Peter Weibel: "DIGITALE ÖKONOMIE" (2018): Über eine augmented-realitity-Installation werden Schlüsselbegriffe der Marx’schen Kritik des Kapitalismus erklärt.

Verknüpfung unterschiedlicher Zeit- und Datenspuren

Die Werke verknüpfen unterschiedliche Zeit- und Datenspuren miteinander und werfen so einen kritischen Blick auf den Übergang von der industriellen Realwirtschaft (Produktionsökonomie) zur digitalen Finanzwirtschaft (Distributionsökonomie). Im Heizkraftwerk kommt die audiovisuelle Installation "KATHEDRALE DES KOMMUNISMUS" (2018) zur Aufführung. Vom SWR-Vokalensemble Stuttgart vertonte Fragmente des Kommunistischen Manifests werden zusammen mit Licht-Elementen in eine multimediale Rauminstallation übertragen.

Kapital der Zukunft

Anlässlich des Karl-Marx-Jahres in Trier fragt die Ausstellung im "generator", was das Kapital der Zukunft sein könnte. In der Annahme, dass sich dieses vor allem bei den Unternehmen konzentriert, die digitale Daten sammeln, besitzen und verteilen, stellt sich die Frage, wie sich diese Entwicklung auf das Verhalten im Internet auswirken wird. Die Ausstellung möchte anhand innovativer künstlerischer und theoretischer Überlegungen eine neue Sichtweise auf Karl Marx im Jahr werfen.  Begleitet wird die Präsentation von einem wissenschaftlichen Symposium, anlässlich dessen der Kurator im Spätjahr eine erste Bilanz ziehen wird. Studierende des Fachs Kunstgeschichte flankieren die Ausstellung mit einem "science lab". Begleitend zu diesem Dialog wird ein Katalog erarbeitet, der ab 2019 erhältlich ist.

Info 

Die Ausstellung ist bis zum 9. Dezember im "generator|medienkunstlabor.trier" (Campus II, Universität Trier, Behringstraße 21) zu sehen. Ein Besuch ist nur nach Anmeldung möglich oder im Rahmen öffentlicher Führungen: Mittwoch, 13 - 14 Uhr, Donnerstag, 18.30-19.30 Uhr sowie jeden ersten Samstag im Monat, 14 -15 Uhr. Weitere Informationen gibt es hier.

RED

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