Jan Kreller

Dr. Eric Samel: Ankläger des Trierer Amokfahrers und Notfallsanitäter

Als Oberstaatsanwalt und Leiter der Abteilung III ist Dr. Eric Samel zuständig für die ganz "großen Fische" der Staatsanwaltschaft Trier.

Bilder
Der Trierer Oberstaatsanwalt Dr. Eric Samel sagt: ""Generell ist man als Staatsanwalt im Bereich der Organisierten Kriminalität immer im Dienst."

Der Trierer Oberstaatsanwalt Dr. Eric Samel sagt: ""Generell ist man als Staatsanwalt im Bereich der Organisierten Kriminalität immer im Dienst."

Foto: Gerhard R. Keilen

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften legte er sein Erstes juristisches Staatsexamen im Jahre 1999 ab. Sein Referendariat absolvierte er in Rheinland- Pfalz. Das Zweite Juristische Staatsexamen folgte im Jahre 2002 und schließlich die Promotion im Jahre 2012. Samel arbeitet seit 2003 bei der Staatsanwaltschaft Trier. Seit 2005 ist er als Staatsanwalt im Fachbereich Organisierte Kriminalität/Kapitaldelikte/Betäubungsmittelstrafsachen und Todesermittlungen tätig. Im Zeitraum 2015 bis 2016 erfolgte seine Abordnung für ein Jahr an die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz - Landeszentralstelle Cybercrime. Dort war er für die Bearbeitung von Internetkriminalität (Darknet) verantwortlich.

 

Seit 2018 ist Samel, der eine juristische Bilderbuchkarriere vorweisen kann, Oberstaatsanwalt und Leiter der Abteilung für Organisierte Kriminalität/Kapitaldelikte/Betäubungsmitteldelikte bei der Staatsanwaltschaft Trier. Derzeit sorgt Samel als Chefankläger des Amokfahrers von Trier für Schlagzeilen, deshalb wollten wir wissen, wie sehr ihn ein solcher Fall auch nach Feierabend beschäftigt: "Generell ist man als Staatsanwalt im Bereich der Organisierten Kriminalität immer im Dienst. 7 Tage die Woche/ 24 Stunden pro Tag. Gerade in diesem Bereich ist eine besonders enge Zusammenarbeit mit der Polizei erforderlich, persönliche Flexibilität und Einsatzbereitschaft. Vielfach begleiten wir Einsatzlagen wie Durchsuchungen, Festnahmen etc. vor Ort mit. Hierzu gehören auch Ermittlungen im Ausland. Insbesondere in Kapitaldelikten werde ich unmittelbar mit der Mordkommission zum Tatort alarmiert. Egal zu welcher Uhrzeit. Das macht die Arbeit aber abwechslungsreich und spannend. Dies war auch in dem Fall des Amokfahrers so. Vor diesem Hintergrund beschäftigen einen die aktuellen Fälle immer auch nach Feierabend, da man vielfach außerhalb der üblichen Bürozeiten damit befasst ist.

 

Emotional beschäftigt einen ein solcher Fall natürlich aufgrund des unaussprechlichen Leids ganz besonders und auch in der "Freizeit". Hier gilt es aber gleichwohl die professionelle Distanz zu wahren, um die Aufgabe der Staatsanwaltschaft sachgerecht wahrzunehmen." Gab es bisher Fälle, die ihn noch bis heute beschäftigen? "Grundsätzlich beschäftigen mich natürlich ganz besonders unaufgeklärte Mordfälle. Sowas lässt einen nicht ruhen. Das sind dann die sogenannten Cold Cases, die über 20 Jahre alt sind, und wo man immer wieder ansetzt, auf der Suche nach neuen Hinweisen, auch unter Berücksichtigung moderner Ermittlungsmethoden, die damals nicht zur Verfügung standen. In diesem Zusammenhang arbeite ich auch seit vielen Jahren immer wieder sehr intensiv mit der Sendung Aktenzeichen XY zusammen, mit deren Hilfe es bereits in einigen Fällen gelungen ist, vielversprechende Hinweise zu erlangen und ungelöste Fälle aufzuklären. Ein besonderes Beispiel hierfür ist der Fall Lolita Brieger, den wir so klären konnten," erläutert Samel im Interview. "Als weiterer, spektakulärer Fall fällt mir noch aus dem Jahre 2007 der in der Eifel angesiedelte Fall des vermissten Walter Klein ein, der durch seinen Nachbarn getötet wurde. Die Leiche wurde nie gefunden (in der Presse war der Fall als "Mord ohne Leiche" bekannt). Trotzdem kam es zur Verurteilung wegen Mordes. Ebenso ein Fall aus der Eifel mit Bezug nach Köln und Südfrankreich. Hier hatten Ehefrau und Tochter, ursprünglich aus dem Bereich Köln stammend, den Ehemann/Vater getötet und dann die Leiche nach Südfrankreich gebracht. Über Jahre wurde dann die Rente weiter kassiert bis wir den Fall aufklären konnten. Auch dieser Fall ging durch die Presse."

 

Auf die Frage, ob er immer noch rund um die Uhr unter Personenschutz steht, erklärt der Oberstaatsanwalt: "Die Personenschutzmaßnahmen dauern weiter an. Die Gefährdungslage besteht unvermindert fort. Natürlich schränkt das persönlich ein wenig ein, und man lebt auch selbst unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen. Ich betrachte das ein Stück weit aber als Teil meines Jobs. Im Bereich Organisierter Kriminalität muss man letztlich immer damit rechnen, zum Ziel der Gegenseite zu werden. Je engagierter und intensiver Sie dagegen vorgehen mit der Konsequenz von Haftstrafen und Vermögenseinbußen, umso mehr werden sie natürlich zum Feindbild dieser Gruppierungen."

 

Selbstverständlich haben wir ihn auch zu seinem Einsatz als Lebensretter (Samel ist ausgebildeter Notfallsanitäter) im Gerichtssaal des Trierer Landgerichts befragt: "Die Tätigkeit im Rettungsdienst ist in gewisser Weise schon ein Ausgleich, da die Beschäftigung mit der Notfallmedizin eine völlig andere Materie ist. Gleichzeitig steht dabei natürlich die Intention, anderen Menschen in medizinischen Notsituationen zu helfen im Vordergrund. Letztlich spielt es dann auch gar keine so große Rolle, ob man jetzt mit dem Rettungswagen unterwegs ist oder im Gerichtssaal des Trierer Landgerichts steht oder aber privat auf der Autobahn an einer Notfallsituation vorbeikommt. Man hilft dort, wo Hilfe akut gebraucht wird. Das ist selbstverständlich. Umso schöner ist es natürlich, wenn das dann dazu führt, dass ein Patient überlebt."

(sk)