Jeder vierte Arzt ist 60 Jahre und älter

Trier. Mit der Unterzeichnung der Absichtserklärung zum "Medizincampus Trier" und der kürzlich erfolgten Gründung eines Weiterbildungsverbundes, der jungen Ärzten die berufliche Entwicklung zum niedergelassenen Arzt in Trier erleichtert, wollen Politik, Ärzteschaft und Krankenhäuser die ärztliche Versorgung in der Region Trier für die Zukunft sichern.

Medizinstudenten aus Mainz sollen zum Wintersemester 2020/2021 die Möglichkeit erhalten, nach Trier zu wechseln, um in Kliniken vor Ort ausgebildet zu werden. Ein entsprechendes Konzept hat die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer kürzlich in Trier vorgestellt (wir berichteten). "Mit einem zusätzlichen Angebot der klinischen Ausbildung in Trier wollen wir die Ausbildungskapazitäten im Medizinstudium effektiv ausnutzen und einen wichtigen Beitrag zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung in den Regionen leisten", sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei einer Informationsrunde zur Regionalisierung des Medizinstudiums in Trier mit Vertretern der Universitätsmedizin Mainz sowie der beteiligten Trierer Kliniken, der Landesärztekammer und Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe. In einem Memorandum zum "Medizincampus Trier" erklärten die Kooperationspartner ihre Absicht, dass zum Wintersemester 2020/2021 zunächst 30 Medizinstudierende für das zehnte Semester freiwillig nach Trier wechseln und das Praktische Jahr in einem der kooperierenden Krankenhäuser, dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier und dem Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen Trier, absolvieren. In der Folge soll es zur festen Verankerung des zehnten Fachsemesters kommen und auf dieser Basis weiter am Konzept gearbeitet werden.

Stufenweise Förderung des Landes bis 2025

"Unser gemeinsames Ziel ist die Sicherstellung einer hochwertigen medizinischen Ausbildung und einer guten ärztlichen Versorgung abseits der großen Ballungszentren", so Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Die Kooperation bringe der Universitätsmedizin Mainz eine Entlastung im klinischen Studienabschnitt, den Krankenhäusern in Trier eine neue Form der Nachwuchssicherung und der Stadt Trier eine Schärfung ihres Profils als Hochschulstandort und Standort der Gesundheitswirtschaft. Für die Umsetzung des Konzepts stellt die Landesregierung im Jahr 2020 zunächst 500.000 Euro zur Verfügung. Diese werden laut Wissenschaftsstaatssekretär Dr. Denis Alt bis zum Jahr 2025 im Vollausbau auf acht Millionen Euro anwachsen.

OB Leibe: Großstadt übernimmt Verantwortung für Umland

"Nach sechs Jahren Vorbereitung durch die Stadt Trier sind wir nun am Startpunkt eines erfolgversprechenden Projektes zur Stärkung der Gesamtregion im medizinischen Bereich. Es ist ein richtungsweisender Beschluss zur besseren Versorgung im ländlichen Bereich: Die Großstadt übernimmt Verantwortung für das Umland", sagte Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Den zusätzlichen Standort für ein regionalisiertes Medizinstudium in Trier begrüßte auch der Präsident der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, Dr. Günther Matheis, ausdrücklich.

Jeder zweite Arzt ist 50 Jahre und älter

Hintergrund der verstärkten Anstrengungen zur besseren Ärzteversorgung in der Region ist die seit Jahren anhaltende Entwicklung hin zu einer Überalterung der Ärzteschaft in Rheinland-Pfalz. So belegt die kürzlich von der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz ausgewertete Ärztestatitik vom Stichtag 31. Dezember 2018, dass die Lücke zwischen alten und jungen Ärzten sich weiter vergrößert hat. Statistisch gesehen ist danach jeder zweite Arzt in Rheinland-Pfalz 50 Jahre und älter - jeder vierte Arzt ist bereits 60 Jahre und älter.

Weiterbildungsverbund für junge Ärzte gegründet

Auch vor diesem Hintergrund hat sich kürzlich ein neuer Weiterbildungsverbund gegründet, der jungen Ärzten den Einstieg ins Berufsleben in der Region erleichtern soll. Die im "MEDI Verbund Trier" organisierten niedergelassenen Ärzte haben zusammen mit den beiden großen Krankenhäusern der Region - dem Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen und dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier - diesen Verbund gegründet, um die berufliche Entwicklung junger Ärzte zum niedergelassenen Arzt in Trier deutlich zu erleichtern. "Insbesondere für junge Ärzte, die Allgemeinmediziner werden wollen, ist dies sehr interessant. Ihnen wird eine Weiterbildung bis zum Facharzt aus einem Guss in einer Region geboten. Dabei beginnt diese in der Regel strukturiert in einem der Krankenhäuser und endet in einer oder zwei der Praxen des Medi Verbunds Trier", so Thorsten Koech, Hauptgeschäftsführer des Medi-Verbunds Trier.

Kontakt

Medi Verbund Trier, Telefon: 06507/93630; E-Mail: trier@medi-verbund.de

RED/FIN

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