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Leibe in China: Marx, Wirtschaft und Bildung im Fokus

Eine Delegation um OB Wolfram Leibe ist vor Ostern nach China gereist, um dort kulturelle, politische und wirtschaftliche Bande zu erneuern und neu zu knüpfen. Mit an Bord waren China-Koordinatorin Elisa Limbacher, Verwaltungsreferent Tobias Reiland und Rudi Müller, Präsident der Handwerkskammer Trier. Karl Marx erwies sich immer wieder als hervorragender Konversationseinstieg – alle Gesprächspartner freuten sich, Deutsche aus der Geburtsstadt des berühmten Denkers zu treffen.
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In Peking besuchte die Trierer Delegation den Künstler Wu Weishan in seinem Atelier und begutachtete ein Tonmodell der Marx-Statue, die in Trier aufgestellt werden soll. Foto: Presseamt Trier

In Peking besuchte die Trierer Delegation den Künstler Wu Weishan in seinem Atelier und begutachtete ein Tonmodell der Marx-Statue, die in Trier aufgestellt werden soll. Foto: Presseamt Trier

"Wir hatten insgesamt 17 Gesprächstermine", sagte OB Wolfram Leibe. Zu Beginn der Reise besuchte die Trierer Delegation in Peking Professor Wu Weishan, der die Marx-Statue für Trier entworfen hat, die 2018 auf dem Simeonstiftplatz aufgestellt und am 4. Mai, einen Tag vor Marx` 200. Geburtstag, enthüllt werden soll. Der Künstler präsentierte in seinem Atelier zwei Studien zur zukünftigen Skulptur, eine davon aus Ton und bereits überlebensgroß. Zum Jahresende will Wu die fertige Skulptur aus Bronze gegossen haben. Hierzu wird Baudezernent Andreas Ludwig laut Leibe voraussichtlich nach Xiamen reisen. Außerdem wurde die Delegation im Amt für Kompilation und Übersetzung empfangen – weltweit eine der größten Forschungseinrichtungen zu Karl Marx, die zudem ein Museum betreibt. Dort überreichte Direktor Jia Gaojian dem OB als Geschenk für das Stadtmuseum eine chinesische Marx- Zeichnung. In Peking führte Leibe außerdem politische Gespräche mit dem Gesandten der Deutschen Botschaft, Dr. Christophe Eick, und dem ehemaligen Generalkonsul in Frankfurt, Liang Jianquan, der mittlerweile als Diplomat für das chinesische Außenministerium arbeitet.

Partnerschaftsgarten auf dem Petrisberg

Die sich anschließenden Tage in der Partnerstadt Xiamen waren weniger von Marx, als vielmehr von verstärkten Kooperationen auf den Gebieten Bildung, Wissenschaft und Handel geprägt. Auf höchster Ebene konnte sich OB Leibe direkt mit Xiamens Bürgermeister Zhuang Jiahan austauschen. Zum lange geplanten Partnerschaftsgarten auf dem Petrisberg erklärte Zhuang, dass die finanziellen Rahmenbedingungen mittlerweile geklärt seien und von chinesischer Seite einem baldigen Baubeginn nichts im Wege stehe. Zudem sprachen die Stadtoberhäupter über Verwaltungs-, Schüler- und Sportaustausche sowie die touristische Vermarktung der Karl-Marx-Ausstellung 2018, zu der OB Leibe seinen Amtskollegen einlud. Der OB erfuhr, dass Xiamen jährlich von 76 Millionen Touristen besucht wird. Trier soll auf der dortigen Tourismusmesse – die zweitgrößte in China – vertreten sein, um die Stadt auch weiterhin für chinesische Touristen attraktiv zu machen.

Vertiefter Austausch mit Trierer Universität

Im Bildungsbereich verständigte sich der OB an der Universität Xiamen mit Präsident Zhu Chongshi und Vizepräsidentin Zhan Xin-Li über einen vertieften Austausch mit der Universität Trier. Auch wirtschaftliche Kooperationen kamen zur Sprache. So gaben drei Alumni der Uni Xiamen, die inzwischen eigene Unternehmen gegründet haben, einen Einblick in die chinesische Start-up-Kultur. Präsident Zhu zeigte sich ebenfalls interessiert an einem Gegenbesuch im Marx-Jubiläumsjahr, das zudem mit dem zehnjährigen Bestehen des Konfuzius-Instituts an der Uni Trier zusammenfällt. Auch an der Technischen Universität Xiamen, die gerade eine Partnerschaft mit der Hochschule Trier anbahnt, verlieh OB Leibe gegenüber Hochschulpräsident Chen Wenzhe dem Wunsch für eine gute Zusammenarbeit Ausdruck. Einen besonderen Einblick erhielt die Delegation dort in das Amoy Racing Team, bei dem Studenten Rennfahrzeuge konstruieren, die auf Wettbewerben zum Einsatz kommen.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Für mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit warb die Delegation unter anderem bei der Handelskammer und bei einem Treffen mit Unternehmen aus der Freihandelszone von Xiamen, dem größten Warenumschlagplatz im Südosten Chinas. Der Moselriesling, der hervorragend mit der Xiamener Küche harmoniert, stieß auf das Interesse verschiedener Wein-Importeure. Mögliche Kooperationen in der Gesundheitswirtschaft diskutierte OB Leibe unter anderem mit der Leiterin des städtischen Amts für Hygiene und Familienplanung, Wang Yiqing, und der stellvertretenden Leiterin des größten Krankenhauses von Xiamen, Luo Qi. Xiamen ist in der medizinischen Versorgung Pilotstadt in China und stolz darauf, die Lebenserwartung auf westliches Niveau gehoben zu haben. Die chinesische Seite bekundete großes Interesse, künftig mit Trierer Institutionen zusammenzuarbeiten, insbesondere in der Forschung.

Elektromobilität und nachhaltiges Bauen

Elektromobilität und nachhaltiges Bauen sind auch in Xiamen große Zukunftsthemen, wie die Trierer feststellen durften. Die Stadt baut pro Jahr 60.000 Sozialwohnungen und saniert im Sommer 4000 Häuser, ist entsprechend an energieeffizientem Bauen und Sanieren interessiert und tauschte sich hierzu angeregt mit Hwk-Präsident Rudi Müller aus. In der Elektromobilität zeigte sich indes, dass die Chinesen bereits in ganz anderen Dimensionen planen als die Trierer: Im öffentlichen Verkehr werden bereits E-Busse eingesetzt, allein zwischen 2014 und 2016 wurden in der Partnerstadt 660 neue E-Taxen eingeführt. Bis 2020 sollen weitere 26.000 E-Autos eingesetzt werden und alle 900 Meter eine Ladesäule stehen. Außerdem berichtete Leibe, dass in der vier Millionen Einwohner zählenden Metropole zurzeit sechs neue U-Bahn-Linien und ein neuer Flughafen gebaut würden. PA/RED