Mehr Marx geht nicht

Trier. Noch rund drei Monate – dann dreht sich in Trier alles um Karl Marx. Zur Landesausstellung ab 5. Mai in den Trierer Museen anlässlich des 200. Geburtstages des Philosophen gibt es hunderte Begleitveranstaltungen. Das Programm ist ab sofort online.

"Karl Marx gehört zu den prominentesten Personen, die aus dem heutigen Rheinland-Pfalz stammen. Marx' Ideen haben zu einem neuen, umfassenden Verständnis von Gesellschaft und Wirtschaft geführt", sagt Prof. Dr. Salvatore Barbaro, Aufsichtsratsvorsitzender der Karl-Marx-Ausstellungsgesellschaft und Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Kultusministerium. Mit der Ausstellung wolle das Land keine Ikone präsentieren, sondern Marx als Menschen und Macher in seiner Zeit zeigen. Der runde Geburtstag ist dabei nur der Anlass der Jubiläumsschau. "Den Grund für die erste umfassende kulturhistorische Ausstellung als kritische Auseinandersetzung mit Leben, Wirken und Ideen des großen Denkers liefern aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen rund um Digitalisierung, Globalisierung, Verarmung und soziale Gerechtigkeit", stellt Prof. Dr. Beatrix Bouvier, wissenschaftliche Leiterin der Landesausstellung und Marx-Expertin, klar. Noch nie wurde das Thema Marx von so vielen Partnern aus unterschiedlichen Perspektiven behandelt: Das Marx-Jubiläum verbindet Museen, Kulturinstitutionen und Tourismus, Bildungseinrichtungen, Geschichtsvereine, politische Verbände und die Kirche.

Bundespräsident ist Schirmherr

An gleich zwei Standorten widmet sich die große Landesausstellung "Karl Marx 1818–1883. Leben. Werk. Zeit." vom 5. Mai bis 21. Oktober seinen bedeutenden Werken und dem vielfältigen Wirken in seiner Zeit: im Rheinischen Landesmuseum und im Stadtmuseum Simeonstift. Schirmherr der Ausstellung ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Das Rheinische Landesmuseum präsentiert unter dem Titel "Leben. Werk. Zeit." Karl Marx und sein Jahrhundert und zeichnet den intellektuellen wie politischen Werdegang des großen Gelehrten nach.

Die Ausstellung "Stationen eines Lebens" im Stadtmuseum Simeonstift nimmt Marx' bewegtes Leben in den Blick: von seiner Kindheit in Trier bis zum Exil in London. Rund 400 Exponate aus aller Welt vermitteln an beiden Standorten nicht nur einen Eindruck von Leben und Werken des großen Gelehrten, sondern auch von der Epoche, in der sie entstanden sind.

Unter dem Titel "Von Trier in die Welt: Karl Marx, seine Ideen und ihre Wirkung bis heute" legt die neu konzipierte Dauerausstellung im Museum Karl-Marx-Haus der Friedrich-Ebert-Stiftung einen Schwerpunkt auf der Wirkungsgeschichte von Marx' Ideen bis in die Gegenwart.

Das Museum am Dom des Bistums Trier betrachtet unter dem Titel "LebensWert Arbeit" das Thema Mensch und Arbeit und stellt es anhand zeitgenössischer künstlerischer Positionen zur Diskussion.

600 Veranstaltungen

Die rund 300 Veranstaltungstermine und rund 300 öffentliche Führungen sowie Themenführungen und das Begleitprogramm der Museen richten sich an unterschiedlichste Alters- und Zielgruppen. Sie decken eine immense Bandbreite ab: von Ausstellungs- und Stadtführungen über Marx-Lektüre-Kurse, internationale Kongresse und Tagungen bis zu szenischen Lesungen, Liederabenden und weiteren Ausstellungen etwa zu Marx in der Karikatur.  Auch Theateraufführungen wie das "Marx Bankett" von Joshua Sobol im Theater Trier oder ein Marx Musical „Come Back Karl Marx“ stehen auf dem Programm. Unter dem Titel "Wilde Lieder" (Kooperation mit hr2 und BBC) sind KomponistInnen aus der ganzen Welt eingeladen, sich mit Marx' Gedanken auseinanderzusetzen und diese zu vertonen. Die besten Einsendungen werden prämiert und aufgeführt. Das Vollständige Veranstaltungsprogramm gibt es hier.
"Mehr Marx als im Jubiläumsjahr wird es in absehbarer Zeit nicht mehr geben", verspricht Beatrix Bouvier.

Vom Nachtwächter bis zum Weinkenner

  • Mit der Führung "Karl Marx, der Nachtwächter und die Revolutionäre" von und mit Alf Keilen erweitert die Trier Tourismus und Marketing GmbH (ttm) ihr Angebot im Karl-Marx-Jahr.
  • Aktuell stehen im Führungsprogramm der ttm zwölf verschiedene Touren zum 200. Geburtstag des Philosophen – von "Dichtung und Wahrhe" über "Wie der Wein Karl Marx zum Kommunisten machte" bis zu "Marx tischt auf". Weitere Führungen rund um Karl Marx sind in Planung.
  • Mehr Infos gibt es hier.

RED/CN

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Atomwaffengegner setzen sich vor Gericht gegen Kreis durch

Büchel. Eine angemeldete und nicht verbotene Versammlung darf vorübergehend Versorgungszelte, Toilettenanlagen und ähnliche Einrichtungen innerhalb eines militärischen Schutzbereichs errichten, sofern die Wirksamkeit der Verteidigungsanlage dadurch nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Dies entschied das Verwaltungsgericht Koblenz anlässlich einer ab dem morgigen Freitag (3. Juli 2020) geplanten sechstägigen Demonstration vor dem Fliegerhorst Büchel.Der Antragsteller, ein eingetragener Verein, beabsichtigt, unter dem Motto "Atomwaffen ächten - keine neue Aufrüstung - Verbotsvertrag" "für eine Welt ohne Atomwaffen und für den Beitritt Deutschlands zum internationalen Atomwaffenverbotsvertrag" zu demonstrieren. Die Versammlung, die ordnungsgemäß bei der zuständigen Kreisverwaltung Cochem-Zell angemeldet wurde, soll in unmittelbarer Nachbarschaft zum Fliegerhorst Büchel (Verteidigungsanlage "Büchel II") stattfinden. Der Veranstalter plant, vor dem Zaun der Verteidigungsanlage ein großes Versammlungszelt (Grundfläche 5 m x 10 m), ein Infozelt (Grundfläche 5 m x 8 m), ein Küchenzelt (Grundfläche 3 m x 6 m), vier Toilettenkabinen und drei Wohnwagen aufzustellen. Da sich der geplante Standort der Anlagen innerhalb eines festgelegten militärischen Schutzbereichs befindet, benötigen die Demonstranten dazu eine Genehmigung der zuständigen Wehrverwaltung. Diese wurde ihnen jedoch bislang nicht erteilt, weshalb sie sich mit einem Eilantrag an das Verwaltungsgericht Koblenz wandten. Die Koblenzer Verwaltungsrichter gaben den Demonstranten Recht und verpflichteten die Wehrverwaltung, die Genehmigung zur zeitlich begrenzten Errichtung der Versorgungsanlagen zu erteilen. Eine solche Genehmigung dürfe nur versagt werden, sofern dies zur Erhaltung der Wirksamkeit der Verteidigungsanlage erforderlich sei. Davon könne man nur ausgehen, wenn der ungehinderte Einsatz und die volle Ausnutzung der Wirkungen der Verteidigungsanlage beeinträchtigt würden. Dafür sei vorliegend aber nichts ersichtlich. Die Antragsgegnerin habe selbst nicht vorgetragen, dass Beeinträchtigungen zu befürchten seien. Soweit sie sich auf eine sogenannte Schutzbereichseinzelforderung berufe, wonach das Zelten innerhalb eines Abstands von 50 m vom Zaun der Anlage verboten sei, ändere dies nichts. Denn bei der "Einzelforderung" handele es sich um eine bloße verwaltungsinterne Anweisung, die gegenüber dem Antragsteller keine Wirkungen entfalte. Die "Einzelforderung" entbinde zudem nicht von der konkreten Prüfung einer Beeinträchtigung der Verteidigungsanlage im Einzelfall. Auch die Befürchtung der Antragsgegnerin, Versammlungsteilnehmer könnten die Zufahrt "überrennen", lasse die Verpflichtung zur Erteilung der schutzbereichsbezogenen Genehmigung nicht entfallen. Die damit geltend gemachten Bedenken gegen die Friedlichkeit der Versammlung müssten gegenüber der Kreisverwaltung erhoben werden, sie seien dagegen nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. In diesem gehe es um die baulichen Anlagen. Es sei auch nicht erkennbar, inwieweit die konkreten baulichen Anlagen innerhalb des Schutzbereichs Auswirkungen auf die Friedlichkeit der Versammlung haben könnten. Im Übrigen sei nicht dargetan oder ersichtlich, dass der Antragsteller in der Vergangenheit bereits als Anmelder von Versammlungen in Erscheinung getreten sein könnte, bei denen die öffentliche Sicherheit - einschließlich der Wirksamkeit der Verteidigungsanlage "Büchel II" - in ihm zuzurechnender Art und Weise gefährdet worden wäre.Gegen diese Entscheidung können die Beteiligten Beschwerde zum Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz erheben.(Verwaltungsgericht Koblenz, Beschluss vom 1. Juli 2020, 1 L 563/20.KO)Eine angemeldete und nicht verbotene Versammlung darf vorübergehend Versorgungszelte, Toilettenanlagen und ähnliche Einrichtungen innerhalb eines militärischen Schutzbereichs errichten, sofern die Wirksamkeit der Verteidigungsanlage dadurch nicht in…

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