Religionsfreiheit: Damals wie heute ein Thema

Rückblick Nero und die Christen im Dommuseum

Trier. Noch bis zuum 16. Oktober ist die große Nero-Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum, im Stadtmuseum und im Museum am Dom zu sehen. Grund genug für den WochenSpiegel sich mit dem Leiter des Dommuseums, Markus Groß-Morgen, und der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Kirstin Mannhardt zum Thema Nero, Religionsfreiheit und der Zukunft zu unterhalten.

Die Zeit der Nero-Ausstellung geht bald zu Ende. Was sagen Kurator und Wissenschaftlerin zur Resonanz, dem Lob und der Kritik? 

Groß-Morgen: Zunächst freuen wir uns sehr über die positiven Rückmeldungen, sowohl in Bezug auf die Ausstellung als auch auf unser freundliches Personal. Gerade durch das Personal bekommt der Besuch eine persönlichere Note.

Mannhardt: Im Besucherbuch waren einige Statements mit großem Lob für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu lesen.

Groß-Morgen: Die kritischen Beiträge sind zum Teil durchaus nachvollziehbar. Vor allem die Kritik, es gebe zu wenig "Nero" in unserem Ausstellungsteil, können wir durchaus verstehen. Das liegt natürlich am Thema selbst und der Tatsache, dass es zum Thema der Hinrichtung von Christen unter Nero keine Exponate aus der Zeit gibt. Trotzdem eine Symbiose herzustellen und eine logische Ausstellung zur Frage "War Nero der große Christenverfolger?" auf die Beine zu stellen, war die Herausforderung. Die Kritik der zu kleinen Beschriftungen haben wir uns zu Herzen genommen und durch größere ersetzt. Wir versuchen also so weit wie möglich diese Dinge zu ändern. 

Mannhardt: Ich finde auch, es ist ja Kritik, aus der man lernen kann. Wir machen unsere Ausstellung ja für die Besucher.

 

Was Sind Ihre Lieblingsexponate?

Mannhardt: Für mich ist es der Spottkruzifixus. Ich finde es faszinierend, dass es im 19. Jahrhundert bei Ausgrabungen am Palatin in Rom entdeckt wurde. Und man kann es sogar mit schriftlichen Quellen in Verbindung bringen. Außerdem ist es die erste bildliche Darstellung des gekreuzigten Christus überhaupt. Daneben ist der Märtyrerschrank aus Nancy natürlich auch ein tolles Objekt.

Groß-Morgen: Für mich ist auch der Spottkruzifixus eindeutig das bemerkenswerteste Exponat. Daneben möchte ich aber auch den Petrusstab erwähnen, der ja in Limburg aufbewahrt wird und kürzlich für ein Wochenende zur Bischofsweihe wieder dorthin ausgeliehen wurde. Schließlich mutet auch das Mindener Vortragekreuz mit einem antiken Nero-Porträt wie eine Ironie der Geschichte an.

 

Wie wichtig ist Ihnen neben der Aufklärung der Christenverfolgung zur Zeit der Antike auch die heutige vielerorts gefährdete freie Ausübung von Religion?

Groß-Morgen: Es war uns von Anfang an sehr wichtig, dass es in der Ausstellung einen Bezug zum Thema "Religionsfreiheit" gibt. Wir wollten einen aktuellen Bezug zur Situation  von bedrängten Christen weltweit herstellen. Gerade heute werden so viele Menschen – nicht nur Christen - aufgrund ihrer Religion verfolgt wie vielleicht noch nie in der Geschichte. Es ist wirklich interessant zu sehen, wie viele Parallelen man heutzutage zur Vergangenheit herstellen kann.

Mannhardt: Gerade, wenn ich nach Syrien schaue, zeigt sich wieder, dass Verfolgung nach wie vor ein großes Thema ist. Und bei öffentlichen Hinrichtungen würden leider viele Menschen auch heute noch gerne zuschauen - so wie damals bei den Hinrichtungen der Christen in der Arena.

Groß-Morgen: Wir haben dafür mit "missio Aachen" zusammengearbeitet und einen ganzen Raum diesem Thema gewidmet.

Mannhardt: Bei meinen Führungen beziehe ich den Raum auch immer mit ein. Da entstehen oft angeregte und kontroverse Diskussionen.

Groß-Morgen: Es ist uns auch wichtig, zu erwähnen, dass Christen nach der Verfolgungszeit in der Antike selbst zu Verfolgern wurden. Ich glaube, immer dort, wo ein Staat sich über die Religion definiert, ist die Gefahr groß, dass die Religionsfreiheit unterdrückt wird.

Mannhardt: Wie offen man anderen Religionen gegenüber ist, merkt man zum Beispiel, wenn hier in Deutschland in der Nachbarschaft eine Moschee gebaut werden soll.

 

Hat die Ausstellung demnach einen tieferen Sinn?

Groß-Morgen: Wenn jemand neben der Ausstellung diesen Impuls aufnehmen will, würden wir uns sehr freuen.

Mannhardt: Das Thema Verfolgungen ist eben nichts, was man mal zur Unterhaltung schnell macht. Die Ausstellung gibt Denkanstöße.

 

Was ist für die Zukunft geplant? Wird es auch im Museum am Dom etwas zu Karl Marx geben?

Groß-Morgen: Wir würden von Seiten des Bistums gerne einen Beitrag zum Thema „Arbeit“ beisteuern, also was die Arbeit heute dem Menschen wert ist, wo Gefahren und Chancen liegen. Wir möchten das Thema gerne mit den Positionen zeitgenössischer Künstler angehen.  Sie sollen den Ausgangspunkt für weitere Veranstaltungen, öffentliche Vorträge und Diskussionen u.ä., bilden.

Mannhardt: Beteiligte sind unter anderem die "Aktion Arbeit", die Theologische Fakultät Trier sowie die katholischen Verbände wie KAB zum Beispiel.

 

Warum nicht das Thema "Opium fürs Volk"?

Mannhardt: Das wäre ja mein bevorzugter Titel der Ausstellung gewesen. Aber wir haben uns innerhalb des Bistums darauf geeinigt, das Thema "Arbeit" in den Fokus zu nehmen.

 

Wie geht es jetzt nach der Ausstellung weiter?

Groß-Morgen: Das Museum ist erst einmal drei Wochen geschlossen, in denen der Umbau stattfindet. Es wird auch eine Neugestaltung der Dauerausstellung geben mit anderen Exponaten als vorher. Vielleicht können wir nächstes Jahr auch wieder den Paramenten-Raum mit den unseren kostbaren Kirchengewändern zeigen. Der Raum ist aus baulichen Gründen momentan leider nicht zugänglich.

Mannhardt: Und natürlich gibt es auch wieder eine Krippenausstellung in der Weihnachtszeit.

SF

Eine Besucherumfrage zur Ausstellung gibt es hier.

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