Schiedsrichter halbierten das Gladiators-Team fast

Trier. Der vierte Playoff-Aufenthalt der Gladiators droht der kürzeste und sportlich minderwertigste zu werden. Dies verhindern kann am Freitag nach der 72:84-Heimniederlage gegen die Nürnberger Falcons nur ein Sieg der Trierer auf ihrer vierten Franken-Tour der Saison. Aber das kann vielleicht nur mit soviel Glück gelingen wie bei der zweiten Tour: Ende Januar nach zwei Verlängerungen Auswärtssieg gegen Schlusslicht YP Baunach. Bei einer überraschenden Playoff-Verkürzung auf 1:2 käme es dann am Palmsonntag um 17 Uhr in Trier zu einer vierten Viertelfinal-Partie.

Von Bernd Schneider     

Erfolgszwang ist der Feind des Leistungssportlers, die bessere Ausgangsposition wie eine gute Freundin. Den entsprechenden Nachteil der Trierer Basketball-Profis gegenüber den Nürnbergern sollte der Heimvorteil wettmachen. Doch dies war am hundertsten Tag des Jahres nicht der Fall: Die "Falken" machten wie am 16. Februar fette Beute an der Mosel. Auch die Schiedsrichter machten fette Beute, könnte man ergänzen: Sage und schreibe vier Gladiatoren verloren wegen des persönlich fünften Fouls die Spielberechtigung für den Abend. Bei längerer Spieldauer hätte es wohl auch noch Till Gloger (4) erwischt, und dann wären es mehr als 50 Prozent der eingesetzten Gladiatoren gewesen. Wobei von jenen offiziell 24 Fouls nur etwa die Hälfte nachvollziehbar welche waren.            

Den Anfang bei den Ausgeschlossenen machte bereits in der 35. Minute Jermaine Bucknor. Der 35-Jährige war unmittelbar vor Spielbeginn als beliebtester Spieler der Liga geehrt worden. Dies hinderte die Nürnberger natürlich nicht daran, den Kanadier sehr intensiv zu bekämpfen. Völlig in Ordnung. Doch wenn es zur Konfrontation kam, wurde Bucknor mehrmals zu Unrecht zum Schuldigen erklärt. Teilweise sogar, ohne dass es einen Körperkontakt gegeben hatte. Bucknors Ausschluss folgten solche von Johannes Joos, Kevin Smit und Kelvin Lewis. Bei einer derartigen Häufung gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Qualität der Schiedsrichter-Leistung steht arg in Frage, oder eine Mannschaft agiert besonders ruppig. Letzteres war nicht der Fall.                 

Gladiators-Trainer Christian Held, der sich laut Kodex für Beteiligte nicht zum Thema des Tages äußern durfte, konnte sich nicht erinnern, je zuvor einen Ausschluss von vier Spielern erlebt zu haben, und Sieger-Coach Ralph Junge scherzte diplomatisch: "Ich bin zu alt, um mich an sowas zu erinnern."  Held, der die Defizite seiner Schützlinge bei Offensivrebounds (8:16!) und Defensive bemängelte, kritisierte allerdings die "schlechte Vorbereitung" eines der Schiris, die in dessen falschem Shirt zum Ausdruck gekommen sei und deren Folgen sich schon im ersten Viertel bemerkbar gemacht hätten. Fakt ist, dass es erstmals in Trier schon vor dem zweiten Viertel "Schieber"-Rufe gab.                             

Zum Glück waren die seltsamen Entscheidungen der sogenannten Unparteiischen nicht schuld an der gravierenden Gladiators-Niederlage: Das Nürnberger Team war einfach das bessere und zeigte auf dem Weg zu seinem zwölften Sieg in Folge teilweise, warum es diese beeindruckende Serie hinbekommen hat. Vom wichtigen Selbstvertrauen ganz zu schweigen. Unzerreißbar war diese Serie aber nicht. Dies dokumentierte sich in einer knappen Halbzeitführung der Moselaner. Allerdings waren die ersten Minuten nach der Pause symptomatisch für das Endresultat: Die Gladiatiors, die aus einem 4:13 ein 13:13 gemacht hatten, vergaben eine Dreifach-Chance, und allzu bald betrug der Rückstand wieder mehr als ein halbes Dutzend.                                 

Auf ein halbes Dutzend Buchstaben beschränkte sich das Fazit von Triers Spieler Lucien Schmikale: "Ratlos."  209-Zentimeter-Falcon Robert Oehle bilanzierte: "Wir haben gegenüber der ersten Begegnung nicht viel verändert und erneut sehr physisch gespielt."                

Statistik des Tages                               

  • Personalien: Außer Simon Schmitz und Kyle Dranginis waren alle Gladiatoren einsatzbereit.         [absatz] • Die Zuschauerzahl  3369 war die viertgrößte der Saison und erhöhte den Saison-Durchschnitt, der 2017/18 abschließend bei 2840 lag, auf 2783.                  
  • Die Viertel-Separation vom 10. April:  16:18,  20:17,  18:27,  18:22.               
  • Die Beteiligten bei und direkten Beteiligungen an den 72 Gladiators-Korbpunkten, jeweils in der ersten und zweiten Halbzeit (Spieler-Reihenfolge an den Einsatzzeiten orientiert):  Lewis 10+9,  Ilzhöfer 2+0,  Gloger 6+6,    R.Hennen 2+9,  Bucknor 8+5,  Grün 8+0,  Joos 0+3,  Smit 0+3,  Schmikale 0+1.    
  • Kelvin Lewis, der fünf Dreier erzielte, war zum fünftenmal Topscorer des Teams.                             
  • Die Falcons hatten drei Topscorer mit je 14.                                   
  • Die Bilanz aus sämtlichen Begnungen TR-N oder umgekehrt lautet nunmehr 5:5, in Trier 3:2.   
  • Die Playoff-Bilanz der Gladiators lautet nunmehr 9:13,  in Trier 5:4.                  
  • Die erfolgreichsten fünf Gladiators-Korbschützen nach 32 Saisonspielen:   Bucknor 447,  Joos 371,  Lewis 358,  Gloger 335,  Smit 218.   

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