Umfrage: Jeder vierte Solo-Selbstständige denkt ans Aufgeben

Wissenschaftler befragen Selbstständige zu ihrer Situation

Trier. In der Corona-Krise haben Selbstständige in der Tourismus-, Kultur- und Veranstaltungsbranche besonders zu kämpfen. Andere trifft die Krise nicht ganz so hart. Das haben Wissenschaftler - unter anderem von der Universität Trier - bei einer Umfrage unter Selbstständigen herausgefunden.

"Solo-Selbstständige sind je nach Branche sehr unterschiedlich von der Krise betroffen. Einige trifft es besonders hart. Andere könnten je nach Länge der Krise mit einem blauen Auge davonkommen", sagt Jörn Block, Professor für Unternehmensführung und Sprecher des Forschungszentrums Mittelstand der Universität Trier. Er hat in Kooperation mit Prof. Dr. Irene Bertschek (ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) und dem Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) eine Umfrage unter Selbstständigen zu ihrer Situation in der Corona-Krise durchgeführt. An der Umfrage, die am Sonntag zu Ende ging, haben mehr als 27.000 Selbstständige teilgenommen. Erste Auswertungen zeigen, dass die 15.000 bis zum 24. April befragten Solo-Selbstständigen, die keine Angestellten haben und keiner anderen Tätigkeit im Nebenerwerb nachgehen, überdurchschnittlich gut gebildet sind. Sie sind zu 40 Prozent weiblich und arbeiten beispielsweise als Lehrkräfte an Volkshochschulen, im IT-Bereich, in der Touristik, im Kulturbereich oder im Veranstaltungsmanagement.  

Während Solo-Selbstständige im IT-Bereich, Lektorat und Übersetzung noch halbwegs zuversichtlich sind, durch die Krise zu kommen, trifft es diejenigen in Kultur, Touristik sowie der Event- und Veranstaltungsbranche umso härter. Die Absage von Veranstaltungen ist neben dem generellen Rückgang an Aufträgen das, was Solo-Selbstständigen am meisten zu schaffen macht. Unter hohen Umsatzeinbrüchen leiden fast alle, 35 Prozent der Umfrageteilnehmer haben gar keinen Umsatz mehr. Jeder Vierte geht davon aus, seine Selbstständigkeit beenden zu müssen. 

Viele Befragte haben Liquiditätsprobleme und angesichts des Ausmaßes der Umsatzausfälle Schwierigkeiten ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. "Dabei kommen Solo-Selbstständige schon mit vergleichsweise wenig Geld zurecht. Circa 66 Prozent der Befragten gaben an, Lebenshaltungskosten zu haben, die unter 2.000 Euro liegen." Mehr als die Hälfte der Befragten geht davon aus, auf Ersparnisse zurückgreifen zu müssen, die eigentlich für die Altersvorsorge gedacht waren. "Einige Teilnehmende an der Umfrage waren zu Beginn der Corona-Krise in der glücklichen Situation, Rechnungen noch nicht geschrieben zu haben und so jetzt auf Einkommen aus vergangenen Aufträgen zurückgreifen zu können. Andere kürzen ihrerseits die Miete, zahlen Rechnungen später und reduzieren die Krankenkassenbeiträge und Steuervorauszahlungen. Die Maßnahmen zur Liquiditätssicherung sind insgesamt sehr verschieden." 

Die Ergebnisse will das Forschungszentrum Mittelstand an der Universität Trier in den nächsten Wochen für eine wissenschaftliche Publikation aufbereiten.

RED

 

 

 

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