"Wer den Zeitgeist heiratet, ist morgen schon Witwer"

Starkoch Alfons Schuhbeck im WochenSpiegel-Interview

Trier. Sternekoch Alfons Schuhbeck (70) erhält den Kaiser-Augustus-Orden der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK). Schuhbeck wird der 27. Träger des Ordens und folgt damit unter anderem auf Johannes B. Kerner, Verona Pooth und Günther Jauch. Wir haben mit dem bekannten Fernsehkoch über sein soziales Engagement und die Besonderheit der Moselküche gesprochen.

Herr Schuhbeck, wir gratulieren herzlich zur Auszeichnung mit dem Kaiser-Augustus-Orden der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK). Sie erhalten diese Ehrung für Ihr soziales Engagement. Welche Organisationen oder Initiativen unterstützen Sie konkret und was liegt Ihnen dabei besonders am Herzen?

Alfons Schuhbeck: "Ich engagiere mich für die Tabaluga Kinderstiftung, die Sternstunden des Bayerischen Rundfunks, die Deutsche Stiftung Kinderdermatologie und das Good Hope Centre im westfälischen Halle, die allesamt Kindern in Not helfen, sowie das Sehbehinderten- und Blinden-Zentrum Südbayern. Bei allen weiß ich, dass jede Spende hundertprozentig bei denen ankommt, die sie brauchen. Mein Engagement für Kinder hängt auch mit meinen frühesten Erinnerungen zusammen: Als ich in die Schule kam, lebte fast jedes zweite Kind im damaligen Agrarland Bayern in der so genannten 'Mangelzone'. Das heißt: Es mangelte nicht an Handys und schicken Turnschuhen, sondern an genug zu essen und warmer Kleidung. Ich selbst hatte das Glück, behütet und in einer privat wie umweltmäßig heilen Welt aufzuwachsen." 

Als Träger des Kaiser-Augustus-Ordens erhalten Sie ebenso einen Spendenscheck in Höhe von 5.555 Euro. Können Sie schon verraten, welches Benefizprojekt Sie damit fördern wollen und warum?

"Selbstverständlich verdienen es alle fünf genannten Organisationen gleichermaßen. Aus rein aktuellen Gründen geht's an die Stiftung für hautkranke Kinder." 

Trier ist die älteste Stadt Deutschlands. Hatten Sie schon vor der Auszeichnung mit dem Kaiser-Augustus-Orden persönliche Verbindungen zur Moselmetropole?

"Leider nicht. Alles was mir zu Trier einfällt, sind Gemeinsamkeiten mit zwei ganz gegensätzlichen Trierern. Ich habe genauso eine unlesbare Schrift, dass ich selbst oft nicht lesen kann, wie Karl Marx und ich folge als Koch nicht jedem Trend, sondern einem Leitspruch meines Kardinals Reinhard Marx, der schon als Bischof in Trier predigte: 'Wer den Zeitgeist heiratet, ist morgen schon Witwer.'" 

Viez, Flieten und Teerdich: Die Moselküche unterschiedet sich doch ein wenig von der bayrischen. Hatten Sie schon Gelegenheit die  heimischen Spezialitäten zu kosten – und wenn ja, wie würden Sie die Trierer Küche kulinarisch bewerten?

"Mein ganzes Berufsleben als Koch ist geprägt von den Tugenden der regionalen Küche. Schon deswegen habe ich auch große Hochachtung vor der traditionsreichen Moselküche. Was immer einem zu den eleganten Moselrieslingen und dem süffigen bayerischen Bier an Unterschiedlichem einfällt, die Küchen beider Regionen haben sehr Grundsätzliches gemeinsam: naturnahe Zubereitungen heimischer Produkte und herzhafte Rezepte für Gerichte, die die Lebensfreude der Region ausdrücken." 

Sie sind Fernsehkoch, Buchautor und haben neben mehreren Restaurants auch eine eigene Kochschule. Was macht für Sie die Besonderheit an Ihrem Beruf aus?

"Es ist ein kreativer Beruf, in dem man jeden Tag etwas Neues austüfteln und sich in jeder Jahreszeit neu inspirieren lassen kann. Ich muss morgens nicht mit dem Stöhnen aufstehen 'Die Pflicht ruft', sondern kann mit dem Glücksgefühl in die Küche gehen: 'Du hast heute wieder alle Chancen, anderen eine Freude zu machen'. Und: Die Kochkunst ist die einzige Kunst, die alle Sinne anspricht. Man sieht den schön dekorierten Teller. Man riecht den Genuss, wenn der prächtige Sonntagsbraten aufgetragen oder der Parmesan über die Pasta gerieben wird. Man hört, wenn es in der Pfanne verlockend bruzzelt und schmurgelt. Man kann die Kochkunst im Mund fühlen, zum Beispiel als knackig beim Zubeißen oder schmelzend am Gaumen. Und man kann sie höchst vergnüglich schmecken, wenn einem etwas auf der Zunge zergeht." 

Kochsendungen im Fernsehen sind beliebt - trotzdem wollen immer weniger  junge Menschen Koch lernen. Die Ausbildung gilt als stressig. Was würden Sie Jugendlichen raten, die mit dem Gedanken spielen, in der Gastronomie anzufangen?

"Man kann jedem Azubi versprechen: Jeder, der gut kocht oder einen guten Service macht, findet in der Gastronomie immer einen gesicherten Arbeitsplatz – wenn er Sprachen kann, sogar in der ganzen Welt. Aber ich weiß auch: Unser Hauptproblem sind die Arbeitszeiten. Wer möchte abends und am Wochenende arbeiten, wenn die anderen frei haben? Das können Krankenhäuser oder die Bahn genauso fragen. Wir haben da ein gesellschaftliches Problem des Wertegefühls für Dienstleistung. Das müssen die Politik und die Gesellschaft insgesamt in Angriff nehmen. Die allgemeine Wertschätzung für Dienstleistung muss gestärkt werden und damit auch die Bereitschaft, sie angemessen zu bezahlen." 

Sie sind Sport-Ernährungsexperte und Mannschaftskoch des FC Bayern München. Zum Abschluss deshalb eine Frage, die sich sicherlich alle Sportbegeisterten schon gestellt haben. Was ist das perfekte Sportgetränk?

"Ich kenne es nicht. Ich biete den Spielern eine ausgewogene, gesunde Ernährung mit sonnigem Anstrich. Dazu schätzen sie vor allem frische Säfte und fürchten alles, was Dopinggefahr bergen könnte. Da sie sich gern selbst Säfte pressen und mixen, stelle ich Obst- und Gemüsekörbe hin und lege dazu beliebte Gewürze wie Ingwer, Kurkuma, Thymian oder Basilikum. Für genügend Abwechslung sorgen die Jahreszeiten und die heutigen Importmöglichkeiten aus aller Welt."

Steckbrief

  • Geboren am 2. Mai 1949 in Traunstein/Oberbayern 
  • Fernsehkoch ("Küchenschlacht"/ZDF; "Schuhbecks"/BR), Kochbuch-Autor und Gastwirt 
  • Betreibt unter anderem mehrere Restaurants, einen Eissalon, einen Teeladen und eine Kochschule 
  • Ist seit vielen Jahren Koch der Fußballmannschaft des FC Bayern München bei Auswärtsspielen in der Champions League und der Euroa League 

Interview: Svenja Pees

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