CC Tawern: Karneval geht (auch) digital

Tawern. Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie machen dem Karneval in diesem Jahr einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Es stellt sich die Frage: Karneval in Corona-Zeiten – geht das überhaupt? Nicht wie gewohnt, aber durchaus närrisch – wenn auch nur via Internet.

Einer der gesellschaftlich am stärksten verankerte Bräuche an Rhein und Mosel ist die »Fünfte Jahreszeit«. Tausende Ehrenamtliche engagieren sich in hunderten Vereinen, schreiben Büttenreden, studieren Tänze ein, bauen Bühnenbilder und Umzugswagen. In Zeiten der Pandemie mit den behördlich verhängten Kontaktbeschränkungen ist an Karneval in seiner üblichen Form nicht zu denken. Gut, dass es technische Errungenschaften wie das Internet gibt, denn das wird das Mittel der Wahl sein, um im Februar wenigstens etwas Karnevalstimmung verbreiten zu können.

Sitzung mit historischem Videomaterial

Der Carnevals Club Rot-Weiß Tawern (CC Tawern) wird in diesem Jahr erstmals eine Kappensitzung via Internet übertragen und live moderieren. »Nachdem die Närrische Online-Weinprobe so gut angekommen ist, wollten wir das einfach wiederholen«, sagt Thomas Koltes vom CC Tawern, der normalerweise auch als Büttenredner auf der Bühne steht. Zusammen mit dem Vereinsvorsitzenden Michael Binz wird er die Veranstaltung live von Zuhause aus moderieren. Das Organisationsteam hat dabei ein interessantes, weil historisches Programm auf die Beine gestellt. »Wir haben Videomaterial aus der Vereinsgeschichte, das bis Anfang der 1960er Jahre zurückgeht«, sagt Koltes. Die ältesten Aufnahmen liegen noch im Super8-Format vor und werden bis auf Aufnahmen des ersten »Funkemariechens« Hiltrud Greif, die heute 78 Jahre alt ist, noch nicht zu sehen sein. Das hängt laut Thomas Koltes in erster Linie mit dem technischen Verfahren der Digitalisierung zusammen, die von Mitgliedern in ihrer Freizeit durchgeführt wird und dabei langwierig ist. Einfacher sei es mit dem Material ab 1983, denn dieses liege auf VHS-Kasetten vor. Die Veranstaltung ist im Prinzip wie eine klassische Karnevalssitzung aufgebaut, mit dem Unterschied, dass bis auf einige Ausnahmen nur historische Aufnahmen von Anfang der 1980er Jahre aufwärts gesendet werden.

Interaktives Programm

Mit dabei sind klassische Formate wie Büttenreden, Tänze und Gesangseinlagen. Von der Band De Broiler ist ein Clip von der Aufzeichnung der letzten Kölsche Nacht zu sehen. Die beiden Tanztrainerinnen Julia Binz und Julia Meller haben vorab zwei Videos, die die Zuschauer zu Hause zum Tanzen animieren sollen, aufgezeichnet. »Eigentlich waren auch neue Videos mit den Tanzgruppen geplant, aber die Kontaktbeschränkungen haben uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Daher sind innerhalb des klassischen Programms nur die Büttenredner neu aufgezeichnet«, sagt Sitzungspräsident Michael Binz. Insgesamt 32 Videos mit einer Länge von jeweils drei Minuten stehen auf dem Programm, was zusammen mit der Moderation circa zweieinhalb- bis drei Stunden Unterhaltung ergibt. Auch die Zuschauer können sich aktiv einbringen. Über einen QR-Code haben Narren die Möglichkeit, sich in einen Whatsapp-Chat einzuklinken, dort Fotos ihrer Heimparty mit anderen zu teilen und insbesondere für die musikalischen Abschnitte eigene Musikwünsche zu äußern. Das gilt auch für die Partymusik im Anschluss an den Hauptteil, präsentiert vom »Haus- und Hof-DJ« Floh (Florian Faber). Ein neues Mischpult und weitere Geräte hat sich der CC Tawern extra dafür angeschafft, damit der Stream so professionell wie möglich ablaufen kann. »Wir wollen allen ein bisschen Karneval nach Hause bringen, man muss nicht auf alles verzichten«, resümiert Koltes.

Der Zugang zur Kappensitzung am Samstag, 13. Februar, ab 19.11 Uhr, die auf der Video-Plattform Youtube übertragen wird, ist kostenlos. Weitere Infos sowie den Link zum Livestream sowie QR-Code gibt‘s auf der Seite des CC Tawern unter www.cc-rot-weiss.de.

(jk)

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