Eintracht Trier trifft auf jede Menge Pokaleuphorie

Final-Kontrahent SG Niederroßbach/Emmerichenhain im Visier

Stadt Trier. Pokalfieber ohne Ende im Westerwald: Die beiden Dörfer Niederroßbach und Emmerichenhain dürften am Samstag Nachmittag wie leergefegt sein, schließlich wird ein Großteil der Bevölkerung ab 14.30 Uhr im Wissener Dr.-Grosse-Sieg-Stadion Zeuge des Finales um den Fußball-Rheinlandpokal zwischen ihrer SG Hoher Westerwald und dem vier Spielklassen höher angesiedelten Südwest-Regionalligisten Eintracht Trier sein.

 

 

"Sieben, acht Busse haben wir schon voll. Auch der ganze Westerwald hat großes Interesse an diesem Spiel. Anscheinend wird mit über 3.000 Zuschauern gerechnet", berichtet der Coach der in der abgelaufenen Saison souverän von der A-Klasse Westerwald/Sieg in die Bezirksliga aufgestiegenen Spielgemeinschaft, Nihad Mujakic. Im Sommer 2013 startete der heute 39-Jährige sein Engagement bei der SG. Das Niederroßbacher Vereins-Urgestein Gerd Jung kann sich noch daran erinnern, wie es zur Verpflichtung des in Montabaur lebenden Bosniers kam: "Nihad überbrachte mir in seiner Eigenschaft als Post-Angestellter an der Haustüre meine Borussia-Dortmund-Dauerkarte. Da dachte ich `Den kennst Du doch´". Wir kamen ins Gespräch und letztlich hat er sich für uns entschieden." Den größeren Fußball hat Mujakic zu seiner aktiven Zeit kennen gelernt, führte er doch die TuS Koblenz einst unter Coach Milan Sasic als Kapitän von der Oberliga in die Zweite Bundesliga, auch bei den Sportfreunden Siegen - und der Trierer Eintracht verdiente er schon sein Geld.

Mujakic war ein halbes Jahr lang ein Trierer

Als die Blau-Schwarz-Weißen gerade von der Zweiten Bundesliga in die Oberliga durchgereicht worden waren, hatte er im Januar 2007 an der Mosel angeheuert, kam aber verletzungsbedingt hier kaum zum Zuge. Verbindungen aus der damaligen Zeit gebe es keine mehr nach Trier, aktuell hat er indes hin und wieder Kontakt zu dem aus dem Westerwald stammenden SVE-Angreifer Daniel Hammel und Oliver Laux, der früher bei der TuS Koblenz spielte. "Mit Peter Rubeck hatte ich mal vor einigen Monaten telefoniert. Da ging es um einen möglicherweise für ihn interessanten Spieler. Er fragte mich damals, ob ich der Trainer von der Pokal-Überraschungsmannschaft sei. Dass wie dann im Finale aufeinander treffen, konnten wir beide seinerzeit noch nicht wissen..." Reihenweise schaltete die SG Hoher Westerwald im bisherigen Pokalwettbewerb Bezirksligisten aus, zuletzt im Halbfinale den TuS Oberwinter (2:0). Im Viertelfinale gab es gar einen 2:1-Erfolg über den Rheinlandligisten Sportfreunde Eisbachtal. 900 Zuschauer säumten Mitte November den Hartplatz in Niederroßbach am Fuße der höchsten Erhebung des Westerwaldes, der Fuchskaute (657 Meter). Das aktuelle Team der Spielgemeinschaft hat besonders in der Offensive seine Stärken: Kristijan Golik stand einst in der U18-Nationalmannschaft seiner kroatischen Heimat und wurde durch die Vermittlung einer Arbeitsstelle in das Dreiländereck Rheinland-Pfalz/Hessen/Nordrhein-Westfalen gelockt. Zvonko Juranovic hat genauso wie Mujakic eine Eisbachtaler Vergangenheit und steht wie der frühere Bezirksliga-Ost-Torschützenkönig Mario Pavelic für jede Menge Qualität. "Wir werden manchmal als Söldnertruppe bezeichnet. Das kann ich aber so nicht stehen lassen. Schließlich wohnen 16 meiner 20 Spieler in einem Umkreis von nur acht Kilometern von Niederroßbach oder Emmerichenhain entfernt", sagt Mujakic.

"Nadelstiche setzen"

Mit der Meisterschaft sei das primäre Ziel erreicht, stellt der SG-Trainer klar. Er hat Stärken und Schwächen der Eintracht studiert, weiß um die klare Favoritenrolle, die der Eintracht obliegt. "Wir wollen die ersten zehn, 15 Minuten sicher stehen, keinen Gegentreffer kassieren und dann gezielt Nadelstiche setzen. Insgesamt gilt es, sich teuer zu verkaufen. Wenn wir dann 0:2 verlieren, können wir doch alle stolz sein." Verzichten muss der Trainer mit Fabian Göbel (Innenbandriss im Knie) und Christian Hensel (Bänderdehnung) auf zwei wichtige Spieler. In der Spielersitzung am Freitag Abend will er seinen Schützlingen nochmal klar machen, "das Drumherum komplett auszublenden und sich nur rein auf den Fußball zu konzentrieren". Das wird allerdings schwer genug, schließlich wird die Partie in Wissen sogar via Konferenzschaltung mit vier weiteren Landespokalfinals live in der ARD übertragen. So oder so ist bei der SG Hoher Westerwald in den Tagen danach Party angesagt: Mujakic und einige seiner Spieler brechen am Sonntag Morgen, ab 10.30 Uhr, zur Mallorca-Tour auf...AA

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