Johannes Mager

Wehrleiter nimmt Land in die Pflicht

Gerolstein. Derzeit werden die Feuerwehren durch etliche Flächenbrände auf Trab gehalten. Der Gerolsteiner Wehrleiter bemängelt fehlende Landes-Unterstützung.
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»Ohne die Unterstützung der örtlichen Landwirte wären wir aufgeschmissen«, sagt Sascha Löbens, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Gerolstein.

»Ohne die Unterstützung der örtlichen Landwirte wären wir aufgeschmissen«, sagt Sascha Löbens, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Gerolstein.

Foto: Feuerwehr Stadtkyll

Derzeit werden die Feuerwehren durch etliche Flächenbrände auf Trab gehalten. Der Gerolsteiner Wehrleiter bemängelt fehlende Unterstützung des Landes. Johannes Mager GEROLSTEIN. Nahezu täglich rücken die Feuerwehren im Landkreis Vulkaneifel derzeit zu Bränden aus. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit müssen sie regelmäßig Flächenbrände auf Feldern oder an Waldrändern löschen. Am vergangenen Samstagmittag, 30. Juli, bekämpften die Einsatzkräfte der Verbandsgemeinde Gerolstein sogar zwei Brände gleichzeitig. Zwischen Stadtkyll und der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen brannte eine Wiesenfläche von etwa 100 Quadratmetern. Durch das Eingreifen eines ortsansässigen Landwirtes wurde der Brand schnell gelöscht, sodass die 34 Wehrleute aus Stadtkyll, Kerschbach und Jünkerath nur noch Nachlöscharbeiten durchführen mussten. Auch auf dem Sportplatz in Mürlenbach löschten 22 Einsatzkräfte der Wehren Mürlenbach und Birresborn nur noch durch einen Grill entfachte Glutnester ab. Zwei Tage zuvor war schon ein größerer Flächenbrand im Bereich der Grillhütte in Gerolstein entfacht worden.

"In den letzten Wochen wurde die Alarmordnung, nach welcher die Leitstelle in Trier die Feuerwehren alarmiert, erhöht", erklärt Sascha Löbens, Wehrleiter der VG Gerolstein: "Die Wehren sind in Alarmbereitschaft und haben den Umgang mit ihrem Gerät trainiert." Kurzfristig seien außerdem ein 10.000 Liter fassender Löschwassersammelbehälter, sowie eine schwimmende Löschpumpe und mehrere Schwimmsauger angeschafft worden. Auch Löschrucksäcke seien in der Beschaffung. Finanziert werden diese Einsatzmittel von den Kommunen. Die Feuerwehren der VG Gerolstein seien für die vermehrt auftretenden Vegetationsbrände gut vorbereitet und ausgerüstet, betont der Wehrleiter. Um größere Wald- und Vegetationsbrände beherrschen zu können, sehe es mit der Ausrüstung allerdings weniger gut aus. Hier nimmt Löbens das Land in die Pflicht. Denn große Einsatzlagen fallen unter den Katastrophenschutz - und somit in die Zuständigkeit des Kreises, des Landes und des Bundes. "Aber das Land wälzt seine ganze Verantwortung auf den Kreis ab", sagt Löbens verärgert: "In der Verbandsgemeinde Gerolstein gibt es lediglich ein 27 Jahre altes Löschfahrzeug des Katastrophenschutzes, einen Schlauchwagen mit 2.000 Meter Schlauch und einer Tragkraftspritze." Für einen ordentlichen Flächenbrand natürlich zu wenig.

Zwar wird die Anschaffung neuer Fahrzeuge vom Land gefördert. "Aber die Richtlinien sind völlig veraltet", sagt Löbens: "Fahrzeuge zur Bekämpfung von Waldbränden sind darin gar nicht vorgesehen." Der Wehrleiter nennt ein Beispiel: Ein Fahrzeug mit einem Wassertank von 1.000 Litern wird vom Land bezuschusst. Für einen Flächenbrand benötige man aber ein Fahrzeug mit einem Tank von 2.500 bis 3.000 Liter. Dessen Anschaffung aber wird nicht gefördert. Ebenfalls nicht bezuschusst wird die Ausrüstung eines Fahrzeugs mit Allradantrieb - in den Eifelwäldern unabdingbar. Die Differenz zwischen diesem und einem herkömmlichen Antrieb lieg schnell bei 10.000 Euro. Auch die Kreisverwaltung erklärt auf Anfrage des Wochenspiegels, dass die Aufgabenträger des Katastrophenschutzes kurzfristig aktiv werden müssen. Denn es zeige sich jetzt durch die klimatischen Veränderungen, dass gelände- und watfähige Fahrzeuge in Zukunft zur Bewältigung der Einsätze dringend benötigt werden. Als einer der Aufgabenträger des Katastrophenschutzes führt der Landkreis grundsätzliche auch eigene Beschaffungen durch - teilweise mit Zuschuss des Landes, so die Kreisverwaltung. Für die VG Gerolstein beispielsweise sei 2011 ein Tanklöschfahrzeug mit einem Fassungsvermögen von 4.000 Litern Wasser gekauft worden. Die Anschaffung wurde vom Landkreis und vom Land aus Mitteln der Feuerschutzsteuer bezuschusst. Diese Fahrzeuge dienen dem Katastrophenschutz dann auch über Einsätze in der VG Gerolstein hinaus als überörtliche Fahrzeuge.

Auch der Bund habe Fahrzeuge angeschafft und im Landkreises stationiert, heißt es aus der Kreisverwaltung. Unter anderem stehen ein Schlauchwagen 2.000 (also mit 2.000 Metern Schlauch ausgerüstet) in Walsdorf und ein Löschfahrzeug Katastrophenschutz in Retterath. Vor etwa 25 Jahren wurden mehrere Fahrzeuge des Landes und des Bundes im Landkreis stationiert, die jetzt allerdings dringend einer Erneuerung bedürfen. In diesem Jahr habe der Landkreis kurzfristig Großpumpen, Ausstattung für die "Schnellen Einsatzgruppen" und den Gefahrstoffzug, eine Wärmebild-Drohne und mehr angeschafft. Zudem würden noch einige Einsatzmittel geliefert. Deponiert wurden und werden sie dezentral an den Katastrophenschutzstützpunkten in Dockweiler, Boxberg und Birresborn sowie bei den Ortsvereinen des Roten Kreuzes, den Feuerwehren des Gefahrstoffzuges oder der Technischen Einsatzleitung. Alle Fahrzeuge wurden soweit möglich als Allrad-Varianten beschafft. Sehr dankbar ist Löbens über die große Hilfsbereitschaft der Landwirte: "Wir haben die in den vergangenen Wochen fast alle abtelefoniert. Ohne die Unterstützung der örtlichen Landwirte wären wir aufgeschmissen. Mit ihren Wasserfässern mit teils über 20.000 Liter Fassungsvermögen retten sie uns bei der momentanen Extremwetterlage."