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Coronavirus verunsichert die Region

Die Folgen des Coronavirus zeigen sich: Leere Supermarkt-Regale, Engpässe bei Desinfektions­mitteln, abgesagte Veranstaltungen ...
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Foto: Imago

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Aktuell ist noch niemand mit dem neuartigen Virus im Landkreis Bernkastel-Wittlich und im angrenzenden Eifelkreis Bitburg-Prüm infiziert - aber das kann sich schnell ändern. Das Gesundheitsamt des Eifelkreises hat am Montag geraten, präventiv alle Veranstaltungen abzusagen. Die Verantwortlichen in Bitburg haben daraufhin am Dienstag das Aus für den Beda-Markt verkündet.

Sieben Verdachtsfälle im Landkreis Bernkastel-Wittich: alle Tests negativ

Im Landkreis Bernkastel-Wittlich bereiten sich Händler und Gewerbetreibende indes auf den verkaufsoffenen Sonntag am 8. März vor, während des Gesundheitsamt das letzte Ergebnis eines  Coronavirus-Tests eines Risikogebiet-Rückkehrers bekannt gibt: nicht infiziert. Sechs weitere Menschen wurden in den letzten Tagen ebenfalls negativ getestet. Aktuell gibt es also keine Verdachtsfälle. +++ Update: (6. März. 11.20 Uhr): Einen weiteren Verdachtsfall gibt es seit Donnerstagabend, 5. März: Die Person befindet sich nach dem Coronavirus-Test durch den Hausarzt in häuslicher Isolation. Das Labor-Ergebnis steht aus. +++  Eine Empfehlung, Termine abzusagen, hat das Gesundheitsamt bisher nicht ausgesprochen. Die Entscheidung, ob Events stattfinden, liege bei den Veranstaltern, erklärt Mike-D. Winter von der Pressestelle der Kreisverwaltung. So sieht das auch Claudia Jacoby, Vorsitzende des Stadtmarketings Wittlich: "Jeder muss das für sich selbst entscheiden." Man freue sich in Wittlich auf die Besucher. Auch die Stadt vermeldet: Derzeit sind keine Absagen von Veranstaltungen geplant.

Angst führt zu "Hamsterkäufen"

Während das öffentliche Leben gewohnt seinen Gang geht, bereiten sich viele Menschen privat mit "Hamsterkäufen" vor:Hoch im Kurs stehen Konserven, Nudeln und Reis. Eben alles, was lange haltbar ist. Viele Regale sind leergefegt. Die Bundesregierung rät - unabhängig vom Coronavirus - jedem Bürger zur Anlage eines Vorrats für 10 Tage in Notfallsituationen. Aber löst das Coronavirus eine solche Notfallsituation aus? Ob, wie schnell und mit welcher Intensität die Krankheit den Landkreis erreichen wird, ist unklar. Gefährdet sind vor allem ältere sowie an einer chronischen Lungenkrankheit leidende Menschen und Raucher. Die Median Kliniken sind laut Pressemitteilung gut vorbereitet - und das in 120 Rehabilitationskliniken und -einrichtungen in Deutschland, wie etwa dem Median Reha-Zentrum Bernkastel-Kues. Wer selbst keine Anzeichen einer Erkrankung zeigen würde, könne seine Reha beruhigt antreten. Auch das Verbundkrankenhaus Bernkastel/Wittlich hat sich vorbereitet. Aktuell seien zwar keine Patienten in Behandlung, doch es handele sich um eine "sich dynamisch entwickelnde und ernst zu nehmende Situation", berichtet Krankenhaussprecherin Sabine Zimmer. Man habe Ende Februar einen internen Koordinationsstab eingerichtet, der sich täglich treffe, um die aktuelle Lage einzuschätzen. Ein internes Ablaufschema gebe das Vorgehen im Falle des Eintreffens von Patienten mit vermutlicher Infektion vor. Bei Verdacht würden diese gemäß den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) eingeschätzt und getestet werden. Für den Fall stark ansteigender Infektionszahlen gebe es die Möglichkeit, nicht dringliche Eingriffe zu verschieben, um weitere Bettenkapazitäten zu schaffen. "Aktuell gibt es jedoch noch keinen Anlass, geplante Operationen und Behandlungen nicht durchführen zu lassen", so Zimmer.

Engpässe bei Desinfektionsmitteln

Obwohl es nach derzeitigem Stand noch keinen Toten durch das Coronavirus und bereits rund 130 Grippe-Tote in Deutschland gibt, scheint das neuartige Virus eine regelrechte Panik bei den Menschen auszulösen. Das bekommen auch die Apotheken zu spüren. "Mundschutz und Desinfektionsmittel sind ausverkauft", berichtet Christine Jöntgen, Apothekerin von "Die Neue Apotheke" in Wittlich. "Wann eine neue Lieferung kommt, ist nicht absehbar." Engpässe gibt es mittlerweile in ganz Deutschland. Dass Kunden die Produkte in großen Mengen kaufen, sei vor allem für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen ein Problem, die dringend auf Desinfektionsmittel angewiesen seien. "Sie stehen nun vor leeren Regalen", erzählt Jöntgen. Ein Mundschutz würde zudem kaum helfen, sich selbst vor einer Ansteckung zu schützen - er sei dafür gedacht, andere nicht anzustecken, wenn man krank ist. Was stattdessen helfe, sei das richtige Verhalten in Sachen Hygiene. Wer flüssiges Desinfektionsmitteln nutze, müsse mindesten 3 ml nehmen, damit die Hände ausreichend benetzt werden ... (Infos zu Hygienemaßnahmen siehe unten) Während Apotheken mit dem Ansturm kämpfen, ist die Lage in den Reisebüros entspannter. Marcel Raskopp, Inhaber des Prümer Reisebüros, hält es aber für wahrscheinlich, dass sich das Reiseverhalten ändern wird, wenn sich das Virus weiter ausbreitet. Kunden, die in den nächsten Wochen eine Reise antreten wollen, fragen nach, ob sie reisen können. "Es ist schwierig, etwas zu raten, weil man nicht weiß, wie es sich entwickelt", sagt Raskopp. Er informiert, dass Reiseveranstalter erst bei einer offiziellen Reisewarnung des Auswärtigen Amtes die Möglichkeit von kostenlosen Stornierungen oder Umbuchungen anbieten. Hintergrund: Das sagt die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich Die Kreisverwaltung hat sich zur aktuellen Coronavirus-Situation geäußert: "Unser Gesundheitsamt hält sich bei der Klärung von Corona-Verdachtsfällen und der Einleitung von Maßnahmen an die Empfehlungen und Orientierungshilfen des Robert Koch-Instituts", erklärt Mike-D. Winter von der Pressestelle. Einen speziellen Notfallplan gebe es nicht, die Planungen würden sich jedoch an der bereits existierenden Pandemieplanung des Robert Koch-Instituts für die Influenza (Grippe) orientieren. Bisher hätte es sieben Corona-Verdachtsfälle im Landkreis gegeben, wovon sich alle nicht bestätigt hätten.  Betroffene Personen hätten sich "nach der Beratung und den Hygieneempfehlungen des Gesundheitsamtes (Aufenthalt in separatem gut durchgelüftetem Raum) freiwillig in eine häusliche Isolierung begeben", so Winter. Das häusliche Umfeld, Familienangehörige und Mitbewohner seien durch das Gesundheitsamt über notwendige Hygienemaßnahmen informiert und gebeten worden, einmal täglich eine Fiebermessung durchzuführen, um den eigenen Gesundheitszustand zu evaluieren. Wegen zunehmender Beanspruchung der Labore könne es zwei bis drei Tage dauern, bis Test-Ergebnisse vorliegen. sas/ju/bilAlle Infos zu vorbeugenden Hygienemaßnahmen