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Thomas Förster

Aus Euphorie wurde Leidenschaft

»Wir haben einiges bewegt, vieles braucht seine Zeit und manchmal stehen wir uns auch selbst im Weg.« Dr. Carmen Krämer zieht nach zwei Jahren im Amt Bilanz.

Monschau (Fö). Sie brachte nicht die große politische Erfahrung mit und ist auch keine Verwaltungsexpertin. »Und doch war mir bewusst, worauf ich mich einlasse«, versichert Dr. Carmen Krämer, wenn sie sich an das Frühjahr 2022 zurückerinnert. Anfang Juli ist sie zwei Jahre Bürgermeisterin der Stadt Monschau und zieht eine gemischte Bilanz.

»Ich schätze die konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Bernd Goffart und Jorma Klauss, aber auch den anderen Bürgermeistern in der Städteregion Aachen sowie in Bütgenbach oder Eupen«, so Krämer. Man spüre Synergien auf, vereinheitliche das Datenmanagement-System, bringe die Talsperren-Erweiterung gemeinsam voran und das grenzüberschreitende Abkommen zur Einsatz- und Krisenbewältigung in der Euregio Maas-Rhein stehe vor dem Abschluss - dann können etwa die Feuerwehren an der deutsch-belgischen Grenze unkompliziert eingesetzt werden. »Wer näher dran ist, wird alarmiert« so Krämer.

Glasfaser-Ausbau und Windenergie

Der Ausbau der Windenergie habe einen neuen Schub bekommen und für den Glasfaser-Ausbau in allen Orten des Stadtgebietes sei ein Anbieter gefunden worden. 27 Millionen Euro stehen dafür bereit. »Den Status einer finanzschwachen Kommune werden wir sicherlich erreichen, dann werden wir vollumfänglich gefördert«, lächelt sie ein wenig gequält - denn finanzschwach zu sein ist sicher nicht das Ziel einer Hauptverwaltungsbeamtin.

Dennoch konnte eine neue Homepage auf den Weg gebracht und die Terminverwaltung des Rathauses digitalisiert werden.

»Die Gestaltungsfreiheit ist in diesen Zeiten schon sehr eingeschränkt«, bedauert Krämer und kritisiert die Vorgaben aus Berlin und Düsseldorf. »Wir bekommen immer mehr Aufgaben und werden nicht besser ausgestattet, weder personell, noch finanziell. Die Förderprogramme helfen hier nicht weiter, denn um die abzurufen, brauchen wir wiederum zusätzliches Personal und eigene Mittel und oftmals passen sie auch gar nicht zum

Bedarf, den Städte und Gemeinden gerade haben. Das muss sich dringend ändern.«

Da macht ihr der persönliche Austausch vor Ort schon mehr Freude. Krämer hat einen Neubürger-Treff eingerichtet, das Unternehmer-Frühstück neu angestoßen und einen Tuchmacher-Arbeitskreis gebildet, der die Premiere der »mon textil-schau« erfolgreich durchgeführt hat.

»Jeder Tag bringt neue Herausforderungen«, weiß Krämer - das bereite Freude, aber auch Sorgen. »Unsere Hauptschule wird zum Gemeinschaftszentrum. Mich freut sehr, dass wir eine sinnvolle Nutzung gefunden haben - Geflüchtete leben dort, eine Kita zieht ein und das Gymnasium bekommt dringend notwendige Räume.«

Andernorts ist es hingegen schwieriger: »Leider habe ich mein Ziel mehr kleinteiligen Wohnraum etwa für Singles oder ältere Menschen, denen ihr Haus zu groß geworden ist, zu schaffen, nicht erreicht. Mehrfamilienhäuser sind in Neubaugebieten von der Politik nicht zugelassen worden«, bedauert die Bürgermeisterin. Es sei aber wichtig Lebensraum für alle Bedürfnisse zu schaffen, unterstreicht sie noch einmal.

Auch den ÖPNV konnte sie nicht erweitern: »Der Netliner ist hoch frequentiert. Daher sollte die Linie85 in Stoßzeit wieder belebt oder ein weiterer Netliner beschafft werden - die Politik hat das aber aus Kostengründen abgelehnt.«

Unbefriedigend sei die Hängepartie um die neue touristische Struktur. »Es steht weiter im Raum, wer künftig Veranstaltungen in Monschau organisiert«, so Krämer. Eine dafür vorgesehene Stelle im städtischen Personalplan ist gestrichen worden, die Monschau-Touristik sieht sich nicht in der Lage etwa den Weihnachtsmarkt alleine zu organisieren. »Da muss dringend etwas passieren - Veranstaltungen wie der Weihnachtsmarkt oder die vielen weiteren Ideen, die wir haben, müssen langfristig auf solide Beine gestellt werden. Leider wurde die Gründung eines Arbeitskreises zu dieser Thematik abgelehnt«, fordert Krämer.

Diskussion sieht die 37-Jährigen bei der Umsetzung des Sportstätten-Entwicklungsplan aufkommen. »Auch hier müssen wir effektiver agieren - natürlich kann ich verstehen, dass jeder an Bestehendem festhalten möchte, aber wir müssen auch sehen, was machbar ist.«

Die Bürgermeisterin ist froh auf ein motiviertes und qualifiziertes Team sowie eine gut harmonierende Verwaltungsspitze vertrauen zu können. »Sich in den verschiedensten Strukturen und Netzwerken zurecht finden hat schon eine Weile gedauert«, gibt Krämer unumwunden zu.

Und noch ehe ihre erste Amtsperiode im Herbst 2025 endet, wird es ganz gewiss einen Grund zu feiern geben. Die Städtepartnerschaft zwischen Monschau und Bourg St. Andéol feiert im nächsten Jahr Goldene Hochzeit.


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