Thomas Förster

Auszug statt Pflegehotel

Kalterherberg. Drei Jahre ist es her, dass die Seniorenresidenz in Kalterherberg vor dem Aus stand. Mit dem DRK konnte in letzter Sekunde ein neuer Betreiber gefunden werden, der nun auch wieder die Segel streicht.

Kalterherberg (Fö). »Leider konnten wir für unsere Seniorenresidenz in Kalterherberg keine tragfähige Zukunftslösung finden. Trotz intensiver Bemühungen, die wir gemeinsam mit dem Team unseres Restrukturierungsbevollmächtigten und dem gerichtlich bestellten Sachwalter unternommen haben, ist es nicht gelungen, einen Betreiber zu gewinnen, der den Standort wirtschaftlich und nachhaltig fortführen kann. Die zeitnahe Schließung der Einrichtung ist daher unumgänglich«, so Axel Fielen, Geschäftsführer der DRK Gesundheitsdienste Städteregion Aachen gGmbH und Vorstandsvorsitzender des DRK Kreisverbandes.

Aufgrund der anhaltend schwierigen Lage der Branche und mit dem Ziel der strategischen Neuaufstellung hatte die DRK Gesundheitsdienste Städteregion Aachen gGmbH zu Beginn des Jahres ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. für die drei Tagespflegeeinrichtungen in Kohlscheid, Würselen und Baesweiler konnten neue Träger gefunden werden; auch das Geschäftsfeld des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) kann fortgeführt werden.

In Kalterherberg jedoch ist Schluss: »Wir haben bereits umfangreiche Maßnahmen eingeleitet, um adäquate Anschlussmöglichkeiten – seien es neue Jobs für unsere Mitarbeitenden oder ein neues Zuhause für unsere Bewohnerinnen und Bewohner – zu schaffen. Diese Bemühungen werden wir in den nächsten Wochen noch einmal intensivieren«, erklärt Fielen. So unterstützt das DRK die insgesamt 30 Bewohner und deren Angehörige aktiv bei der Suche nach einem neuen Heimplatz und übernimmt hierfür die Verlegung sowie den Umzug der persönlichen Gegenstände. Parallel dazu werden für die 28 betroffenen Mitarbeitenden konkrete berufliche Anschlussmöglichkeiten vermittelt.

Die wirtschaftlichen Herausforderungen des Pflegeheimbetriebs haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Insbesondere strukturelle Unterfinanzierungen, steigende Kosten sowie notwendige Investitionen haben zu erheblichen Belastungen geführt. Dies betrifft in besonderem Maße sehr kleine Einrichtungen, wie das Haus in Kalterherberg.

Und das wo doch wenige Monate nach der Übernahme durch das DRK ein »Pflegehotel« am Eifeldom in Aussicht stand. Claudia Moll hat beim Bundesgesundheitsministerium 2,5 Millionen Euro locker gemacht, ein »Pflegehotel mit angegliederter reha-orientierter Kurzzeitpflege als Reallabor« sollte nach Ansicht der damaligen Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung entstehen, die auch heute noch dem Gesundheitsausschuss als SPD-Bundestagsabgeordnete angehört.

Doch schon bei der Übernahme hatte das DRK die Risiken angesprochen und eine Erweiterung zur Zukunftssicherung als notwendig erachtet. Aufgrund der immens gestiegenen Bau- und Sachkosten konnte dies nicht umgesetzt werden. Im Ergebnis ist eine Fortführung der Einrichtung damit nicht weiter wirtschaftlich tragfähig.

»Die Schließung des Seniorenheimes in Kalterherberg ist eine Katastrophe«, erklärt Monschaus Bürgermeisterin Dr. Carmen Krämer. »Seine Lieben - bestenfalls fußläufig - vor Ort in guten Händen zu wissen, ist unbezahlbar.« Und doch müsse so eine Einrichtung natürlich kostendeckend betrieben werden, gesteht sie ein. »Gerade mit Blick auf die demographische Entwicklung stellt uns diese Nachricht vor neue Herausforderungen. Ich hoffe aber, und setze mich mit voller Kraft dafür ein, dass für die nun wegfallenden Pflegeplätze und auch das Gebäude in Kalterherberg eine schnelle, nachhaltige und zukunftsweisende Lösung gefunden wird«, so Krämer.

Claudia Moll bedauert Entwicklung

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Claudia Moll hatte viel vor mit dem Seniorenzentrum in Kalterherberg. »Die Eröffnung eines Pflegehotels in unserer Region war bereits für eine lange Zeit ein Traum, den ich verfolgt habe. Zu meiner Freude wurde mit dem Haushalt 2024 beschlossen, eine Förderung von insgesamt 2,5 Millionen Euro aus dem Etat des Bundesministeriums der Gesundheit (BMG) für ein innovatives Pflegehotel in der Städteregion Aachen bereitzustellen.«

Für die Realisierung dieses Projektes war von Anfang an klar, dass ein Träger weitere Investitionen tätigen muss. »Ich bedauere zutiefst, dass es bislang nicht möglich war, das Projekt so hier zu verwirklichen.« Den Traum eines Pflegehotels habe sie noch nicht aufgeben, dafür kämpfe sie weiter!

Auch die nun bekannt gegebene Schließung des Seniorenzentrums in Kalterherberg sei ein großer Verlust. Besonders für die Bewohner sowie die Mitarbeitenden stelle die Schließung einen großen Einschnitt dar. Moll: »Für viele Menschen war das Seniorenzentrum in Kalterherberg ein Zuhause, welches sie nun verlassen müssen. Allen Bewohnern, ihren Angehörigen und den Mitarbeitenden wünsche ich alles Gute.«