Thomas Förster

Beharrlichkeit, die sich auszahlt

Aus einer Garage in der Eifel bis zu einer der bedeutendsten Umweltauszeichnungen Europas: Dr. Klaus Vossenkaul, Gründer und Geschäftsführer der Membion GmbH, erhält den Deutschen Umweltpreis. Für den Ingenieur ist die Auszeichnung Anerkennung für sein Lebenswerk und das beteiligte Team – und Rückenwind für ehrgeizige Zukunftspläne.
Dr. Klaus Vossenkaul mit den »Spaghetti-Membranen«, die für besonders sauberes Wasser bei gleichzeitig geringerem Energieverbrauch sorgen. Der Gründer der Membion GmbH erhält für seinen Pioniergeist den Deutschen Umweltpreis.

Dr. Klaus Vossenkaul mit den »Spaghetti-Membranen«, die für besonders sauberes Wasser bei gleichzeitig geringerem Energieverbrauch sorgen. Der Gründer der Membion GmbH erhält für seinen Pioniergeist den Deutschen Umweltpreis.

Bild: Thomas Förster

Roetgen (Fö). »Das ist eine tolle Anerkennung für meine Arbeit und für das ganze Team«, freut sich Vossenkaul. Zugleich erhöhe der Preis den Bekanntheitsgrad von Membion. Das helfe auch dabei, die Aufmerksamkeit von Finanzinvestoren für die Skalierung der Produktion zu gewinnen.

Der mit insgesamt 500.000 Euro dotierte Deutsche Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) zählt zu den höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas. Rund 200 Institutionen und Personen dürfen Kandidaten vorschlagen. Vossenkaul wurde von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall nominiert. Zu den Kriterien gehören unter anderem Vorbildfunktion, Umweltentlastung, Innovation und unternehmerischer Erfolg.

Vossenkaul hat eine Membranfiltertechnik entwickelt, mit der Kläranlagen besonders sauberes Wasser erzeugen können. Die feinen Poren der wie Spaghetti aussehenden Membranen, die hohl sind wie Makkaroni, halten unter anderem Mikroplastik und Krankheitserreger zurück und erreichen so eine um den Faktor 1000 bessere hygienische Wasserqualität als herkömmliche Kläranlagen. Zugleich ist es gelungen, den Energieverbrauch der Technik um bis zu mehr als 90% zu reduzieren.

Der Weg dorthin war lang. Bereits zuvor hatte Vossenkaul Membrantechnik entwickelt und ein erstes Produkt erfolgreich bis in die USA verkauft. Aufbauend auf den Erfahrungen dieser ersten Firmengründung wagte er einen Neuanfang. Ab 2012 tüftelte er gemeinsam mit Dirk Volmering fünf Jahre lang in einer Garage. 2017 wurden die ersten Mitarbeiter eingestellt und die Produktion in Imgenbroich aufgenommen. Heute beschäftigt Membion rund 40 Mitarbeiter, Vossenkaul ist Erfinder von 28 Patenten.

Zu den Kunden gehören Kläranlagenbetreiber ebenso wie Industriebetriebe, die Abwasser aufbereiten, so z.B. der Lebensmittelhersteller McCain, bei dem die Technik zum Einsatz kommt. Ein Großprojekt wartet in Wolfsburg: Dort soll Membion die Membrantechnik für Deutschlands größte Membranbioreaktor-Kläranlage liefern. Rund 3.000 Membranelemente sind vorgesehen, die Inbetriebnahme ist für 2027 geplant.

Gleichzeitig steht der nächste Wachstumsschritt bevor. In Schleckheim wird Membion in einer 10.000 Quadratmeter großen Halle künftig bis zu eine Million Quadratmeter Membranfilter pro Jahr herstellen. Start der ersten Produktion ist laut Vossenkaul für das erste Quartal 2027 vorgesehen, wobei bis Ende 2027 rund 70 neue Arbeitsplätze entstehen werden.

Auch die Automatisierung soll vorangetrieben werden in Richtung »Night-Out-Factory« mit KI-gestützter Qualitätskontrolle.

Vossenkauls Vision geht noch weiter: Kläranlagen sollen künftig nach einem Baukastensystem entstehen können, bei dem Stahltanks große Betonbecken ersetzen. Beflügelt wird die Nachfrage nach der Membrantechnik von Membion durch die neue kommunale Abwasserrichtlinie, die neben einer besseren Wasserqualität die Energieneutralität von Kläranlagen fordert.

Die Auszeichnung sieht Vossenkaul dabei auch als Gemeinschaftserfolg. Rund 250 Wegbegleiter lud er zu einem Fest ein – als Dankeschön für die Unterstützung auf einem Weg, der vor 14 Jahren in einer Garage begann.

www.membion.com