Demokratie braucht viele Stimmen
Region (Fö/Red). Erstmals haben sich journalistische Medien unterschiedlicher Gattungen in Deutschland zu einer gemeinsamen Initiative zusammengeschlossen. Unter dem Leitgedanken »Demokratie braucht viele Stimmen« lädt unter anderem der Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) vom 14. bis 19. September dazu ein, über die Bedeutung glaubwürdiger Informationen, unabhängiger Medien und professionellen Journalismus zu diskutieren. Im Mittelpunkt steht eine Frage, die durch soziale Netzwerke, große Technologieplattformen und Künstliche Intelligenz weiter an Bedeutung gewinnt: Wie können Menschen verlässliche Informationen von Falschmeldungen, manipulierten Bildern oder ungeprüften Behauptungen unterscheiden? Professioneller Journalismus soll dabei Orientierung bieten, indem Informationen recherchiert, überprüft und eingeordnet werden.
Lokaler Journalismus stärkt die Demokratie
»Wahlfreiheit muss mit Meinungsbildung und diese wiederum mit Wissen, Information und Bildung einhergehen. Der Journalismus ist aus diesem Grund eine enorm wichtige Instanz innerhalb demokratischer Systeme. Er hat die Aufgabe möglichst breit und möglichst objektiv über Ereignisse, aber auch über Zukunftspläne in unserer Gesellschaft zu berichten. Der Wochenspiegel kommt dieser Aufgabe nach wie vor sehr gut nach, indem er ausgewogen auch über die lokalen Aspekte berichtet: hier lebt Demokratie, hier fühlen wir das Miteinander unmittelbar, hier erleben wir, was es heißt sich füreinander oder für eine gute Sache einzusetzen. Und darüber muss ebenso wie über die großen Themen berichtet werden«, erklärt Monschaus Bürgermeisterin Dr. Carmen Krämer. » Dafür danke ich unserem Wochenspiegel!«
Ähnlich sieht es Simmeraths Bürgermeister Bernd Goffart: »Unabhängiger Lokaljournalismus ist wichtig: Er recherchiert, berichtet und erklärt objektiv und verlässlich, statt vorschnell subjektive Stellungnahmen zu verbreiten. Sein Stellenwert als Nachrichtenquelle, der man vertrauen kann, ist insbesondere in Anbetracht der Geschwindigkeit, mit der sich Falschinformationen sowohl im Internet als auch im Privaten ausbreiten, unschätzbar hoch.«
Das Miteinander in den Fokus stellen
»Gerade in Zeiten der Allgegenwärtigkeit von Informationen wird es immer wichtiger, zwischen verlässlichen Nachrichten und bloßen Behauptungen unterscheiden zu können. Im ländlichen Raum hat der Journalismus eine ganz besondere Bedeutung. Unsere Gemeinden leben vom Miteinander – und dieses Miteinander braucht Öffentlichkeit. Menschen müssen wissen, was vor Ort geschieht, welche Entscheidungen getroffen werden, welche Entwicklungen anstehen und welche unterschiedlichen Perspektiven es gibt. Lokaljournalismus schafft diese Öffentlichkeit und gibt unserer Region eine Stimme«, ergänzt Stephan Cranen, Bürgermeister der Gemeinde Hürtgenwald. »Dabei geht es um weit mehr als die Berichterstattung über Gemeinderatssitzungen oder Dorffeste. Guter Lokaljournalismus kennt die Besonderheiten vor Ort. Er fragt nach, macht Erfolge sichtbar, spricht aber auch Probleme an. Er ist die vierte Gewalt, der auch uns Lokalpolitikern kritisch auf die Finger schaut und damit einen wichtigen Beitrag für unsere Demokratie leistet.«
Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen von der Universität Tübingen sieht unabhängigen Journalismus gleich von mehreren Seiten unter Druck: durch die zunehmende Verbreitung von KI-generierten Inhalten, die wirtschaftliche Macht großer Tech-Konzerne und eine wachsende Distanz vieler Menschen zu Nachrichten. Dennoch warnt er davor, angesichts dieser Entwicklung zu resignieren: »Pessimismus ist Zeitverschwendung.« Stattdessen fordert Pörksen mehr Medienbildung, eine stärkere Regulierung großer Plattformen und einen Journalismus, der transparenter arbeitet und stärker mit seinen Lesern in den Austausch tritt.
Auch der Kölner Medienwissenschaftler Martin Andree richtet den Blick auf die Macht großer Plattformen. Zwar gebe es im Internet Millionen unterschiedlicher Angebote, tatsächlich konzentriere sich die Aufmerksamkeit jedoch auf wenige Konzerne. In seinen Untersuchungen kommt Andree zu einer extrem hohen Konzentration der Nutzung digitaler Medien. Seine Schlussfolgerung ist eindeutig: »Medienmonopole haben in Demokratien nichts zu suchen.« Andree fordert zugleich die klassischen Medien auf, die Bedeutung der Pressefreiheit stärker selbst zum Thema zu machen. Es sei falsch, so seine Einschätzung, sich aus vermeintlicher journalistischer Distanz nicht klar zur Pressefreiheit zu bekennen.
Besonders auf junge Menschen und ihren Umgang mit sozialen Medien blickt der Jurist Thomas Höppner. Nach den von ihm angeführten Ergebnissen der JIM-Studie verbringen Zwölf- bis 19-Jährige knapp vier Stunden täglich am Smartphone. Ein Teil informiert sich dabei über Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube. Höppner sieht darin Risiken, wenn Algorithmen vor allem solche Inhalte verbreiten, die Aufmerksamkeit und lange Nutzungszeiten versprechen. Seine Forderung lautet deshalb: »Es ist höchste Zeit, dass die Medienregulierung eingreift.«
Im Mittelpunkt der Aktionswoche steht die Vielfalt der Medienlandschaft. Unterschiedliche Perspektiven, überprüfbare Informationen und eine freie Presse gelten als wesentliche Voraussetzungen dafür, dass sich Menschen eine eigene Meinung bilden können.
Für eine informierte Öffentlichkeit
Anlass ist der Internationale Tag der Demokratie am 15. September. Mit »Demokratie braucht viele Stimmen« verbinden die beteiligten Medien daher ein gemeinsames Bekenntnis zu Presse- und Rundfunkfreiheit, journalistischer Verantwortung und einer vielfältigen demokratischen Öffentlichkeit. Weitere Informationen gibt es unter www.viele-stimmen.de
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