

Eifel. Auch ein Traditionsverein bleibt vom gesellschaftlichen Wandel nicht verschont. Der Eifelverein steht vor großen Herausforderungen: steigende Kosten, veränderte Freizeitgewohnheiten und die Frage, wie sich ein traditionsreicher Verein zukunftsfähig aufstellen kann. Warum jetzt eine Beitragserhöhung notwendig wird, welche Rolle Natur-, Heimat- und Kulturpflege künftig spielen sollen und wie junge Menschen für den Verein begeistert werden können, erläutert der Vorsitzende, Landrat Dr. Ralf Nolten.
Herr Dr. Nolten, was ist Markenzeichen des des Eifelvereins?
Ralf Nolten: Der Eifelverein hat sich seit seiner Gründung im Jahre 1888 zur größten Bürgerinitiative der Eifel entwickelt. Unsere Kernkompetenz liegt im Wandern und in der Pflege eines hochwertigen Wegenetzes. Aber wir sind weit mehr als ein Wanderverein. Wir engagieren uns für Natur- und Landschaftsschutz, Heimatpflege, Kulturarbeit, aber auch für die Attraktivität der Eifelregionen für den Tourismus.
Viele Vereine kämpfen mit steigenden Kosten. Warum ist eine Beitragserhöhung notwendig geworden?
Ralf Nolten: Die allgemeinen Kostensteigerungen gehen auch am Eifelverein nicht vorbei. Die Unterhaltung unserer Wege, Versicherungen, Veranstaltungen, Digitalisierung und Verwaltungsaufgaben verursachen deutlich höhere Ausgaben als noch vor einigen Jahren. Eine Beitragserhöhung, die erste seit 2012, ist notwendig, um den Verein wirtschaftlich stabil und handlungsfähig zu halten.
Welche gesellschaftlichen Veränderungen sind im Eifelverein spürbar?
Ralf Nolten: Erwartungen an Vereine haben sich insgesamt stark gewandelt. Früher war Vereinsleben selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. Heute konkurrieren wir mit unzähligen Freizeitangeboten. Deshalb müssen wir moderner, flexibler, aber auch sichtbarer mit unseren Angeboten sein. Unsere Chance liegt in dem Wunsch vieler Menschen nach Gemeinschaft, Naturerlebnis und regionaler Identität.
Wie sollen insbesondere jüngere Menschen erreicht werden?
Ralf Nolten: Mit Angeboten, die zu heutigen Lebensrealitäten passen. Familienwanderungen, digitale Informationen, projektbezogenes Engagement und moderne Kommunikation spielen eine wichtige Rolle. Junge Menschen möchten sich häufig punktuell engagieren und trotzdem Teil einer Gemeinschaft sein. Dafür müssen wir offen sein.
Welche Rolle spielt Naturschutz?
Ralf Nolten: Eine immer größere. Die Menschen erleben den Wandel der Landschaft ganz unmittelbar – etwa durch Trockenheit, Waldschäden oder Extremwetter. Der Eifelverein versteht sich als Mitgestalter einer nachhaltigen Entwicklung der Region. Naturerlebnis, Landschafts- und Naturschutz gehören untrennbar zusammen.
Wie sehen Sie die Zukunft des Eifelvereins?
Ralf Nolten: Ich bin trotz aller Herausforderungen optimistisch. Ansporn ist, dass Natur, Bewegung und Gemeinschaft wieder im Trend liegen. Entscheidend wird aber sein, dass wir Tradition und Moderne sinnvoll verbinden. Wenn uns das gelingt, wird der Eifelverein auch künftig eine starke Stimme für die Eifel sein. Damit verbunden ist, dass viele Mitglieder bereit bleiben, sich ehrenamtlich einzubringen – denn ohne dieses Engagement gäbe es unseren Eifelverein nicht.
Der Eifelverein gehört zu den größten Wander- und Heimatvereinen Deutschlands. Hier einige zentrale Zahlen und Fakten:
Gründung: 22. Mai 1888 in Bad Bertrich
Mitglieder: rund 20.000 in etwa 130 Ortsgruppen in der Eifel und Umgebung
2100 Kilometer Hauptwanderwege und zusätzlich rund 4000 bis 6000 Kilometer lokale und Rundwanderwege
etwa 1500 geschulte Wanderführer
Der Verein engagiert sich nicht nur fürs Wandern, sondern auch für: Wegearbeit, Naturschutz, Denkmalpflege , Kulturarbeit, Jugendarbeit, Internationale Beziehungen im Rahmen der Vereinigung Eifel-Ardennen




