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Thomas Förster

Es muss niemand am Ende alleine sein

Region (Fö). Ambulanter Hospizdienst Monschauer Land begleitet Sterbende und ihre Angehörigen - Mitstreiter gesucht, Trauercafé ist wichtig

Region (Fö). »Man darf, ja sollte sogar mitfühlen, aber mit leiden - das hält niemand auf Dauer aus.« Natalie Dederichs ist 43 Jahre alt und engagiert sich ehrenamtlich im ambulanten Hospizdienst. Als Brigitte Neumann dieses soziale Engagement begann, war Dederichs noch ein Teenager: »Wir geben den Sterbenden viel, aber wir bekommen auch eine Menge zurück.«

»Schwerkranke und sterbende Menschen begleiten, das wollten viele Ehrenamtler schon 1996. Doch mittlerweile haben wir uns einen Platz in der Gesellschaft erkämpft und sind sogar von der Schulmedizin anerkannt.« Pfarrer Volker Böhm ist stolz auf den Ambulanten Hospizdienst Monschauer Land, der unter der Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde steht. Eine Frau der ersten Stunde ist Brigitte Neumann. Die heute 84-Jährige hatte früh ihren Lebensgefährten verloren und sah sich gerüstet, die wichtige soziale Aufgabe zu übernehmen. »Ich habe viele Menschen begleitet. Es waren ein leichtes Abschiednehmen, aber auch schwere Wege dabei«, erinnert sich die Rentnerin aus Petergensfeld.

Natalie Dederichs ist seit vier Jahren ehrenamtlich aktiv. »Ich habe mir als kinderlose Frau die Frage gestellt, wie es einmal ist, wenn ich alt bin? Und dabei kam der große Wunsch auf, dass ich nicht alleine sein möchte«, erklärt die Ehrenamtlerin aus Imgenbroich. »Ich schenke kranken und sterbenden Menschen, aber auch ihren Angehörigen einfach Zeit«, versichert sie.

»Ich singe mit den Menschen, lese ihnen vor, spreche gerne mal ein Gebet«, erklärt Brigitte Neumann. Aber es werde auch in Erinnerungen geschwelgt, gemeinsam gelacht. »Und manche Anekdote oder ein guter Rat fürs Leben ist auch dabei«, lacht Natalie Dederichs. »Unser Tun ist christlich motiviert, aber konfessionsübergreifend und kann viele spirituellen Wege gehen, damit sich auch Menschen abgeholt fühlen, die mit Kirche nichts zu tun haben«, unterstreichen die Beiden.

Ehrenamtler lernen viel über sich selbst

»Wir bringen Betroffene und Ehrenamtler zusammen, schauen, dass es menschlich passt, dass sich aber auch die Angehörigen dabei wohl fühlen«, beschreibt Birgit Pfeiffer ihre Aufgabe als Koordinatorin. »Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht der kranke und sterbende Mensch mit seinen Bedürfnissen nach einem selbstbestimmten Leben bis zum Tod.« Man wolle nicht missionieren, nicht alte Probleme ausgraben oder beseitigen, aber helfen, womit sich der Betroffene quält. »Wir kommen zu den Menschen nach Hause, besuchen sie im Pflegeheim oder Krankenhaus - dabei sind wir eine Ergänzung zur palliativ-medizinischen Versorgung«. Brigitte Neumann bleibt auch einmal gerne über Nacht - Natalie Dederichs hingegen meidet die Begleitung in häuslicher Umgebung, fühlt sich im Seniorenzentrum sicherer, wo man im Notfall auf eine Pflegekraft zurückgreifen kann.

Todkranke und Sterbende sollen nicht abgeschoben werden, sondern ihnen solle Nähe und Liebe zuteil werden und eine Lebensqualität beschieden sein, die auch im letzten Stadium des Lebens erreichbar ist, hatte schon der ausgeschiedene Simmerather Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns festgestellt, als er dem ambulanten Hospizdienst 2013 seinen Ehrenpreis verlieh.

Die Ehrenamtler durchlaufen eine fast einjährige Ausbildung, an deren Beginn ein Kurs zur »Selbsterfahrung« steht. »Es ist eine wertvolle Zeit, sich mit sich selbst auseinander zu setzen«, erklärt Natalie Dederichs, die seit vier Jahren Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleitet. »Viele unserer Ehrenamtler wollen ihrem Leben einen neuen Sinn geben, erlernen dafür Gesprächstechniken und den richtigen Umgang mit einem Menschen auf dem Sterbeweg«.Etwa 90 Prozent der Kosten des Hospizdienstes tragen die Krankenkassen. Dafür müssen die Ehrenamtler fachlich begleitet werden und regelmäßige Fortbildung sowie Supervision erhalten.

Doch nicht nur die Sterbenden stehen im Fokus der Arbeit des »Ambulanten Hospizdienstes Monschauer Land«, der in den drei Nordeifel-Kommunen sowie den Ortschaften Schmidt und Vossenack tätig ist. »Wir bieten an jeden zweiten Mittwoch im Monat ein Trauercafé an, für das acht unserer Mitstreiter zu Trauerbegleitern ausgebildet wurden«, weiß Koordinatorin Birgit Pfeiffer. Denn: »Trauer wird ein wenig leichter, wenn man einen Ort hat, wo man sprechen kann.«

Kontakt über das Hospiz-Telefon (0152/26050400) oder auf www.monschauer-land.de


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