

»Ich kenne die Sorgen und Nöte der Menschen in Ghana, die sie zur Flucht bewegen. Zugleich weiß ich aber auch, welche Bedürfnisse sie hier in Deutschland haben«, erklärt Kwesi Blessed. Der 60-Jährige lebt seit 35 Jahren in der Bundesrepublik. Der Christ floh seinerzeit vor der Diktatur in seinem Heimatland. Er ist Musiker, hat im Holzgewerbe und in der Metallbranche als Handwerker gearbeitet. 2011 aber zog es ihn zurück nach Ghana. »Ich wollte die dortigen Lebensumstände verbessern, habe mein ganzes Geld eingesetzt, um eine Werkstatt und eine Schule zu errichten.« Er ging nach Ampenyi-via-Elmina im Süden des Landes. »Ein altes Fischerdorf, wo die Menschen in Perspektivlosigkeit verharrten. Denn große Konzerne fischten ihnen mit moderner Technik alles weg.« Als Blessed 2016 nach Deutschland zurückkehrte und in Lammersdorf sesshaft wurde, gründete er den »ANAD e.V.« (All Nations of African Descent), dessen Schirmherr Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns ist. Klimawandel und Plastikmüll - zwei Schlagwörter, die auch die Menschen in Ghana bewegen. Es wird geschätzt, dass in dem westafrikanischen Land 60 Millionen Trinkwasserbeutel weggeworfen werden – täglich. Deshalb haben Blessed und seine Mitstreiter ein Projekt ins Leben gerufen, in dem aus Plastikmüll Taschen und Kleidungsstücke hergestellt werden. Ein Vertriebspartner aus den USA sorgt für die Vermarktung, auch in Deutschland werden Handelspartner gesucht. »Wir recyceln Müll und schaffen Arbeit für die Menschen«, strahlt Blessed. »Wer Gutes tut, dem wird Gutes widerfahren«, zitiert der engagierte Mann ein ghanaisches Sprichwort, das Leidgedanke seines Handelns ist. Dauerhaft soll eine Metall- und Holzwerkstatt zur Ausbildung und Produktion in Ghana eingerichtet werden. Ein kreatives Zentrum mit Musik, Kunst und Computer-Unterricht soll weitere Perspektiven schaffen. Und auf 100 Hektar Land wird ökologischer Anbau betrieben. So entstehen nachhaltige Arbeitsplätze, die jungen Menschen eine Perspektive geben. »Durch diese Art der aktiven Entwicklungshilfe direkt vor Ort können wir Fluchtursachen entgegenwirken«, weiß Blessed. Zudem will er Frauen und Mädchen unterstützen, die auch heute noch gesellschaftlich benachteiligt sind.

