Aufarbeitung mit Besonnenheit
»Diese Studie hat uns das Fundament unter den Füßen weggerissen. Und doch weiß unsere jetzige Gemeinschaft aus Schülern, Eltern und Lehrern, dass wir im Sinne der Kinder unser Bestes geben und es auch weiter tun.« Mit gemischten Gefühlen verfolgt Schulleiter Dirk Sieven die Geschehnisse am Franziskusweg.
Vossenack (Fö). »Wir sind zutiefst erschüttert über die schlimmen Erkenntnisse, die die Studie zu Tage gebracht hat«, sind sich Schulträger, Schulleitung und Schülerschaft am Franziskus-Gymniasum Vossenack einig. »Gerade weil wir uns hier wohl und sicher fühlen können wir es nicht fassen, welches Leid Generationen von Schülern vor uns erfahren haben müssen«, bedauert Mathilda Hündgen, die Stufensprecherin der Jahrgangsstufe 12 und Mitglied im SV-Rat ist.
»Wir haben schon vor 15 Jahren ein institutionelles Schutzkonzept entwickelt, das regelmäßig kontrolliert wird«, versichert Dirk Sieven. Damit sei man nicht besser und nicht schlechter als andere Bildungseinrichtungen. »Das ist auch keine Entschuldigung oder Relativierung dessen, was jetzt veröffentlicht wurde, sondern soll zeigen, wofür mein junges Team steht«, so Sieven. Toxische Machtstrukturen und und Machtmissbrauch gehörten glücklicherweise der Vergangenheit an, spart der Schulleiter nicht mit Kritik. Das zeigt auch das Schuldeingeständnis eines ehemaligen Verantwortlichen, der um Entschuldigung bat, dass er nicht genau hingesehen oder möglichen Betroffenen kein offenes Ohr geschenkt habe. Dieses fehlerhafte Handeln hat auch einen ehemaligen Franziskaner, der am Vossenacker Gymnasium lehrte, dazu bewogen, den Orden zu verlassen. »Solches Handeln ließe sich heute nicht mehr unter den Tisch kehren«, glaubt Matilda Hündgen, dass die Zeiten einfach andere geworden sind - die Lehrer sensibler, die Schüler mutiger.
Eine Schulsozialarbeiterin, der man sich jederzeit und auch anonym anvertrauen kann, Kinderschutzbeauftragte und so genannte »School Buddies«, die die Schulneulinge begleiten, gehören fest zum Schulkonzept.
»Die Aufarbeitung kommt viel zu spät«, unterstreicht Alexander Fischer, Geschäftsführer der Franziskus-Stiftung, dem es wichtig ist, dass den Betroffenen Gehör verschafft und ein Raum des Austauschs geboten wird.
Die deutsche Franziskanerprovinz, deren Provinzialminister Br. Markus Fuhrmann in Vossenack zum Austausch mit Lehrern, Eltern, Schülern und Ehemaligen zugegen war, hat im Nachgang erste Konsequenzen gezogen: So werde ein in der Studie Beschuldigter das Franziskanerkloster in Vossenack zeitnah verlassen und einer anderen Hausgemeinschaft der Ordensprovinz angehören. Auch die Schließung des gesamten Klosters werde innerhalb der Franziskaner diskutiert. Man werde das fehlerhafte Verhalten noch lebender Franziskaner prüfen und im Bedarfsfall die Staatsanwaltschaft einschalten, hatte Bruder Markus Fuhrmann in Vossenack versichert.
Seit 2019 schon steht Schule, das ehemalige Internat und auch der kirchliche Part unter Trägerschaft der Franziskus-Stiftung. »Der Orden zahlt uns ein Nutzungsentgelt für die Räume, die von den Franziskanern genutzt werden - ansonsten stehen wir in keiner finanziellen Abhängigkeit«, stellt Alexander Fischer klar. Auch ist schon seit einigen Jahren kein Franziskaner mehr im Stellenplan des Kollegiums zu finden.
Im ehemaligen Internat, das Schwerpunkt missbräuchlichen Verhaltens gewesen sein soll, leben heute geflüchtete Menschen. »Sozialarbeiter der Franziskus-Stiftung und Mitarbeiter des Dürener Jugendamtes sind hier rund um die Uhr zugegen und erreichbar«, räumt Hürtgenwalds Bürgermeister Stephan Cranen mit dem Gerücht auf, dass unbegleitete Flüchtlinge oder traumatisierte Kinder sich selbst überlassen seien.
www.franziskus-stiftung.de
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