Thomas Förster

Viel mehr als »jäng jätt op Platt«

Er ist Heimatforscher und Autor, Naturschützer und Landschaftspfleger. »Mit Engagement, Fachwissen und Ausdauer haben Sie einen unschätzbaren Wert für unsere Heimat geschaffen, der Vergangenheit verständlich und greifbar macht, der Identität stiftet und bewahrt«, lobt Monschaus Bürgermeisterin Dr. Carmen Krämer. Und nun ist Günter Krings auch Preisträger des Rheinlandtalers.
Günter Krings (neben ihm Ehefrau Pauline) erhielt den Rheinlandtaler von Karin Schmitt-Promny, stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland. Gratulanten waren Monschaus Bürgermeisterin Dr. Carmen Krämer (r.), Marie-Theres Sobczyk (stellvertretende Städteregionsrätin) und der Dedenborner Ortsvorsteher Helmut Kaulard.

Günter Krings (neben ihm Ehefrau Pauline) erhielt den Rheinlandtaler von Karin Schmitt-Promny, stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland. Gratulanten waren Monschaus Bürgermeisterin Dr. Carmen Krämer (r.), Marie-Theres Sobczyk (stellvertretende Städteregionsrätin) und der Dedenborner Ortsvorsteher Helmut Kaulard.

Bild: Thomas Förster

Monschau/Dedenborn (Fö). Schon beim Kühe hüten hatte Günter Krings, gebürtiger Konzener und seit 1968 in Dedenborn verheiratet, ein Buch dabei. Begeisterte ihn damals die weite Welt, so war es für den späteren Lehrer doch die Heimat mit all ihren Facetten, die ihn faszinierte.

»Was Günter Krings geleistet hat, geht weit über gewöhnliches Ehrenamt hinaus«, gesteht Karin Schmitt-Promny, stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland. Ihr oblag es, den leidenschaftlichen Heimatforscher mit dem »Rheinlandtaler« in der Kategorie »Kultur« auszuzeichnen. Dabei zeigte sie auf, welch ein Tausendsassa der heute 86-Jährige ist. Er ist Experte in der Archivpflege, Heimatgeschichte, Mundart und Sprachgeschichte, in Naturschutz und Naturkunde. »Besonders die Orts- und Familiengeschichte ihres Heimatortes Konzen hat es Günter Krings angetan. Der älteste von ihm ausgewertete Eintrag in einem Konzener Kirchenbuch stammt aus dem Jahr 1637. Bis in die 1970er Jahre erfasste er über 7.000 Geburten sowie sämtliche Ehe- und Sterbefälle – alle in lateinischer Sprache, alle in ein eigenes Computerprogramm überführt.« 24.000 Daten waren das alleine aus Konzen, fast ebenso viele kamen aus Imgenbroich hinzu. Auch beim Monschauer Standesamt verbrachte er viele Stunden, um Erkundungen anzustrengen.

So erarbeitete er ein umfassendes Ortsfamilienbuch für Konzen, das 2010 mit über 400 Seiten erschien und inzwischen in dritter Auflage mit über 500 Seiten vorliegt. Parallel dazu erfasste er die Bevölkerungsentwicklung im benachbarten Tuchmacherdorf Imgenbroich zwischen 1640 und 1970.

Und aktuell arbeitet er an einem neuen Projekt: rund 150 alte Häuser in Konzen, deren Geschichte bis ins Jahr 1909 zurückverfolgt wird.

Neben der Ortsgeschichte engagiert sich Krings auch als Autor von Plattgeschichten in der geliebten Heimatsprache – sein Beitrag zur Pflege des Ripuarischen Dialekts trägt den Titel »Jäng jätt op Platt«- auch dies ist in Zusammenarbeit mit Manfred Huppertz in einem Buch erschienen. Ganz nebenbei startete Krings 1968 mit einem weiteren Hobby, der Vogelbeobachtung im Monschauer Land. Er schloss sich dem ornithologischen Verein Aachen an und bietet bis heute Exkursionen an. »Schon als Schüler gingen wir mit ihm auf spannende Entdeckungsreisen«, erinnert sich Helmut Kaulard, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Simmeraht und Ortsvorsteher von Dedenborn. Heute sind beide Teil spannender »Verzäll«-Runden im Rurtal.

»Sie haben sich mit unglaublicher Kontinuität für unsere regionale Kultur engagiert und hinterlassen Identitätsstiftendes«, dankt Marie-Theres Sobczyk im Namen der Städteregion Aachen. Und Schmitt-Promny ergänzt noch einmal: »Günter Krings verkörpert auf vorbildliche Weise, was bürgerschaftliches Engagement bedeutet: tiefes Fachwissen, geduldige Recherche, didaktisches Geschick und die Bereitschaft, dieses Wissen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen – als Lehrer, Forscher und Geschichtenerzähler in einem.«

Krings selbst dankte seinen zWeggefährten für deren Mittun, ohne die Publikationen, Exkursionen, Gesprächsrunden und selbst diese Preisverleihung nicht realisiert worden wären. Denn diese ist auf Vorschlag der Arbeitsgemeinschaft der Nordeifeler Heimatvereine erfolgt. »Du hast vieles mitgetragen, mich begleitet und auf mich verzichtet - seit über 25 Jahren sitzt sie alleine vor dem Fernseher«, galt der letzte liebevoll und selbstironisch gemeinte Dank seiner Ehefrau Pauline.