Michael Nielen

Landwirtschaft zwischen Dürre, Diesel und Zuversicht

Aachen. Beim Erntedankempfang der Kreisbauernschaft Aachen im Haus der StädteRegion standen die aktuelle Lage der Landwirtschaft, die Folgen des Klimawandels und der Blick in die Zukunft im Mittelpunkt.
Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier (v.li.) nahm den bunt gefüllten Präsentkorb von Edith Hamacher, Kreisvorsitzende Aachen im Rheinischen Landfrauenverband, und Bernd Kockerols, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Aachen, entgegen.

Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier (v.li.) nahm den bunt gefüllten Präsentkorb von Edith Hamacher, Kreisvorsitzende Aachen im Rheinischen Landfrauenverband, und Bernd Kockerols, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Aachen, entgegen.

Bild: Marijke Stasch/StädteRegion Aachen

»Wir haben einen Sommer erlebt, der uns deutlich vor Augen geführt hat, wie verletzlich unsere Natur und damit auch unsere Landwirtschaft geworden sind«, sagte Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier. Auch Bernd Kockerols, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Aachen, blickte auf ein schwieriges Jahr zurück: »Wir hatten ein tolles Frühjahr, die Bestände standen top und wir freuten uns auf eine hervorragende Ernte. Aber dann kamen die große Trockenheit und Hitze, die alle Feldfrüchte extrem in Mitleidenschaft gezogen haben.«

Mit viel Liebe zum Detail hatten die Landfrauen um Kreisvorsitzende Edith Hamacher den Mediensaal herbstlich geschmückt. Inhaltlich ging es neben den Dürreperioden vor allem um die Entwicklung des Klimawandels, anhaltende Bürokratie, den Einsatz neuer Technologien und steigende Energiekosten. Kockerols machte deutlich, dass Landwirtschaft verlässliche Perspektiven brauche: »Wir dürfen die Ernährungssicherheit nicht erst dann ernst nehmen, wenn die Regale leer bleiben.«

Auch Städteregionsrat Grüttemeier betonte die Bedeutung klarer Rahmenbedingungen. »Die Landwirtschaft braucht momentan vor allem eines: verlässliche Rahmenbedingungen. Wir brauchen die Möglichkeit, Betriebe weiterzuentwickeln und in die Zukunft zu investieren«, sagte er. Als konkretes Signal nannte er unter anderem die Wiedereinführung der Agrardieselvergütung. Wie angespannt die Situation vieler Betriebe ist, verdeutlichte Kockerols mit einem Beispiel: »Aktuell muss ein Milchbauer fünf bis sechs Liter Milch verkaufen, um sich einen Liter Diesel leisten zu können.«

Trotz aller Herausforderungen hob der Vorsitzende der Kreisbauernschaft den Zusammenhalt innerhalb der Landwirtschaft hervor. Besonders sichtbar geworden sei dieser zuletzt beim Waldbrand im Hürtgenwald und beim Moorbrand im Hohen Venn. Zahlreiche Landwirte hatten dort unter anderem mit Löschwasserlieferungen geholfen. »Egal ob Trockenheit, Kostendruck oder politische Unsicherheiten: Wir üben unseren Beruf weiter gerne aus, mit Dankbarkeit für die Ernte und Zuversicht für die Zukunft«, sagte Kockerols.