Ein Gebäudereiniger mit Turbo-Funktion
Kalterherberg (Fö). »Lernen und Schule waren nie so meins«, erzählt Jamie. Zwar sei er gut durchs Abitur gekommen, für ein Studium habe er sich aber nicht begeistern können. Eigentlich wollte er deshalb zunächst ein Jahr im Betrieb seines Vaters arbeiten, Geld verdienen und sich in Ruhe überlegen, wie es weitergeht.
Doch aus dem Übergang wurde eine berufliche Perspektive. Jamie entschied sich für die Ausbildung zum Gebäudereiniger. Durch sein Abitur konnte er die regulär dreijährige Ausbildung zunächst um ein Jahr verkürzen. Weil die Leistungen in Schule und Betrieb stimmten, kam ein weiteres halbes Jahr hinzu. Nach gerade einmal anderthalb Jahren legte er seine Gesellenprüfung ab – als Bester im Kammerbezirk Aachen.
Für Vater Ralf Weishaupt-Ungermann hatte die Entscheidung des Sohnes ebenfalls Folgen. Seit 48 Jahren arbeitet er in der Branche, seit rund 20 Jahren ist er selbstständig. Eine klassische Ausbildung zum Gebäudereiniger hatte er selbst jedoch nicht absolviert. »Jamie hat gesagt: Wenn ich lernen möchte, dann von der Pike auf.« Damit er seinen Sohn selbst ausbilden konnte, drückte der Vater noch einmal die Schulbank und absolvierte die erforderliche Ausbildereignungsprüfung.
Nach dem Erfolg auf Innungsebene folgte für Jamie der Landeswettbewerb. Die besten Gesellen aus fünf Kammerbezirken Nordrhein-Westfalens trafen sich dazu im Krefelder Zoo. Erst am Vortag erfuhren sie, welche Aufgaben sie erwarteten
Vier praktische Stationen mussten bewältigt werden. Unter anderem galt es, eine Holzfassade und einen Steinboden zu reinigen. Bewertet wurde dabei längst nicht nur, ob am Ende alles sauber war. Arbeitsschutz, Umweltschutz, die Auswahl des richtigen Verfahrens und der fachgerechte Umgang mit Reinigungsmitteln spielten eine ebenso große Rolle.
Keine Chemie im Flamingo-Gehege
Gerade die ungewöhnliche Umgebung verlangte Aufmerksamkeit. Bei einer Aufgabe befand sich beispielsweise ein Ablauf in unmittelbarer Nähe des Flamingogeheges. Reinigungschemie oder verschmutztes Wasser durften keinesfalls dorthin gelangen. An einer anderen Station stand zwar ein chemisches Mittel für die Fassadenreinigung bereit, es fehlte aber eine Möglichkeit, dieses anschließend fachgerecht aufzufangen. Für Jamie war damit klar: Die Chemie bleibt stehen. Solche Entscheidungen gehörten ausdrücklich zur Prüfung.
Der Landessieg zeigt für Vater und Sohn auch, wie anspruchsvoll der Beruf tatsächlich ist. Denn mit einfachem »Putzen« habe Gebäudereinigung wenig zu tun. Fassaden und Außenanlagen gehören ebenso zum Berufsbild wie Stein-, Holz-, textile und elastische Bodenbeläge, Glasflächen oder Sanitärbereiche. Dazu kommen Kenntnisse über Werkstoffe und Chemie. »Man muss schon wissen, wo man was anwendet«, bringt es Ralf Weishaupt-Ungermann auf den Punkt.
Das nächste Ziel steht für die 20-Jährigen fest: Die Meisterschule. Jamie möchte zunächst die Bereiche Betriebswirtschaft, Recht und Ausbildung absolvieren, danach folgen die fachlichen Meisterteile in Teilzeit. »Denn ich werde hier gebraucht und will weiter aktiv in meinem Beruf tätig sein«, stellt er klar.
Dass er nach dem Abitur zunächst eigentlich nur ein wenig Zeit überbrücken wollte, hat sich damit längst erledigt. Statt Hörsaal und Studium entschied sich Jamie für das Handwerk – und gehört nach nur anderthalb Jahren Ausbildung bereits zu den besten Nachwuchs-Gebäudereinigern in Nordrhein-Westfalen.
Bundeswettbewerb beim DFB
Für Jamie Ungermann ist mit dem Landessieg noch lange nicht Schluss. Er hat sich damit für den Bundeswettbewerb qualifiziert.
Anfang November trifft er am DFB-Campus in Frankfurt auf die besten Nachwuchs-Gebäudereiniger Deutschlands. Dort warten drei Stationen und insgesamt acht Stunden Wettbewerb. Welche Aufgaben zu bewältigen sind, erfahren die Teilnehmer wiederum erst vor Ort.
Das Preisgeld vom Landeswettbewerb hat er zur Hälfte an die Monschauer Tafel gespendet.
Neues Leben in alten Mauern
Ein neues Zuhause für die Monschauer Tafel

177 Gewinnchancen an 24 Tagen








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