Thomas Förster

Wildtierforschung ohne Grenzen

Nationalpark Eifel liefert Puzzlestück für größte Wildtierstudie des Kontinents
Heimischer Offenland- und Waldbewohner: Ein Feldhase vor der Fotofalle im Nationalpark Eifel.

Heimischer Offenland- und Waldbewohner: Ein Feldhase vor der Fotofalle im Nationalpark Eifel.

Bild: Fotofalle Nationalparkverwaltung Eifel

Nationalpark. Wie entwickeln sich die Bestände von Säugetieren und Vögeln in Europa, und wie reagieren Tiere auf menschliche Einflüsse? Um diese Fragen kontinental zu beantworten, vereint das Netzwerk Snapshot Europe über 20 Länder in der größten frei zugänglichen Wildtiererhebung Europas. Die Nationalparkverwaltung Eifel unterstützt die Initiative mit Fotofallendaten aus dem Nationalpark: Bislang gibt es von 60 Standorten insgesamt 35.000 Aufnahmen.

»Durch die Teilnahme an Snapshot Europe stellen wir unsere Daten aus dem Nationalpark Eifel direkt in einen europäischen Gesamtzusammenhang«, erklärt Biogeograph Sönke Twietmeyer von der Nationalparkverwaltung. »Wir sehen dadurch nicht nur, wie sich die Populationen vor unserer Haustür entwickeln, sondern verstehen auch besser, wie der Nationalpark Eifel als Rückzugsort im europäischen Schutzgebietsnetz wirkt.«

Wildtiere stören sich nicht an Ländergrenzen – gerade deshalb sind international standardisierte Forschungsprojekte besonders wichtig. Snapshot Europe wurde 2021 vom Max-Planck-Institut für Tierverhalten gemeinsam mit dem Forschungsnetzwerk Euromammals ins Leben gerufen, um genau diese Lücke zu schließen.

Jedes Jahr von Anfang September bis Ende Oktober stellen über 160 Fachleute sowie hunderte Freiwillige in Wildnisgebieten, Wäldern, Parks und Städten Fotofallen nach standardisierten Kriterien auf. Die Kameras erfassen damit eine große Bandbreite an Arten - von kleinen Nagetieren bis hin zu Braunbären.

Invasive Arten und regionale Vielfalt

Das Expertenteam hat nun die standardisierten Daten der ersten beiden Jahre (2021 und 2022) veröffentlicht: Über 100.000 Beobachtungen an mehr als 1.000 Standorten in 20 Ländern. Die Auswertung erfolgt auf der Plattform Wildlife Insights, wo eine integrierte Künstliche Intelligenz (KI) Tiere automatisch voridentifiziert, bevor Experten die Bestimmung prüfen. Am häufigsten wurden Rothirsche und Rehe erfasst, gefolgt von Wildschweinen, Rotfüchsen und Wildkaninchen.

»Wir haben atemberaubende Bilder von Wildtieren, von Alpenlandschaften über spanische Strände bis hin zu den Hügeln Irlands«, erklärt Erstautorin und wissenschaftliche Koordinatorin Dr. Fabiola Iannarilli. »Diese Vielfalt wird selten in einem öffentlichen Datensatz erfasst, daher ist Snapshot Europe eine einzigartige Informationsquelle für kontinentale Forschungsfragen.«

Die Ergebnisse verdeutlichen regionale Unterschiede in ganz Europa: Während Belgien die höchste Dichte täglicher Beobachtungen, vor allem Europäische Kaninchen, verzeichnete, wies der Parco Nazionale Casentino in Italien mit 15 dokumentierten Arten - darunter Wölfe, Marder, Dachse und Rothirsche - die höchste Artenvielfalt auf.