Thomas Förster

Regionale Konjunktur verharrt im Dauer-Tief

Die Unternehmen in der Städteregion Aachen sowie in den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg leiden unter der anhaltenden Stagnation. Das ist das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen zum Jahresbeginn 2026.
Stellen den aktuellen Konjunkturbericht vor: Michael Bayer (r.), Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen, und Stefan Kehr, Vorsitzender des IHK-Ausschusses für Industrie und Technologe.

Stellen den aktuellen Konjunkturbericht vor: Michael Bayer (r.), Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen, und Stefan Kehr, Vorsitzender des IHK-Ausschusses für Industrie und Technologe.

Bild: IHK Aachen

Region. Die Lage der Betriebe hat sich im Vergleich zur ohnehin schon negativen Herbstumfrage weiter verschlechtert. »Von dem lange ersehnten konjunkturellen Aufschwung sind wir nach wie vor weit entfernt«, fasst IHK-Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer die Ergebnisse zusammen. Der aktuelle Lage-Saldo liegt bei -3 Punkten und damit deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von +22,6 Punkten. Nur jeder vierte Befragte ist mit der derzeitigen Geschäftssituation zufrieden, 28 Prozent berichten von schlechten Geschäften.

Auch der Ausblick bleibt verhalten. Der Saldo der Geschäftserwartungen liegt derzeit bei 0 und damit bereits seit vier Jahren nicht mehr im positiven Bereich. Ein Fünftel der Befragten rechnet mit besseren Geschäften, ebenso viele erwarten eine Verschlechterung. Die Mehrheit stellt sich auf ein »Weiter so« auf niedrigem Niveau ein. Ein kleiner Lichtblick zeigt sich in der Industrie: Hier sind die Erwartungen zum dritten Mal in Folge gestiegen. »Ob aus diesen ersten Signalen ein tragfähiger Aufschwung wird, ist angesichts der geopolitischen Spannungen – Kriege, Handelskonflikte, Zölle – völlig offen. Voraussetzung für Aufschwung ist aber auf jeden Fall interner Veränderungswille im Land«, sagt Stefan Kehr, Vorsitzender des IHK-Ausschusses für Industrie und Technologe.

Enttäuschende Bundespolitik

»Die Zeit der Ankündigungen muss ein Ende haben, unsere Wirtschaft braucht jetzt endlich Taten. Das Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz ist seit neun Monaten im Amt und hat noch keine substanziellen wirtschaftspolitischen Impulse gesetzt«, kritisiert Bayer. »Wo ist der wirtschaftspolitische Kompass dieser Bundesregierung?« Auch Kehr stellt klare Forderungen an die Politik: »Wir fordern wettbewerbsfähige Standortbedingungen, zum Beispiel durch deutlich weniger Bürokratie, schnellere Abläufe und Genehmigungen in der Verwaltung sowie verlässliche Entscheidungen in der Energie- und Steuerpolitik. Wir brauchen eine Haltung für die Wirtschaft, nicht gegen die Wirtschaft. Das, was bislang aus Berlin kommt, ist entschieden zu wenig. Es ist wirtschaftlich und fiskalisch verantwortungslos und damit auch nicht generationengerecht.«

Besonders deutlich zeigt sich die Unsicherheit der regionalen Unternehmer im Außenhandel. Die Hoffnungen auf bessere Auslandsgeschäfte haben sich nicht erfüllt. Die Exportumsätze der Industrie sind rückläufig, der Saldo fällt auf -28 Punkte. Bei fast der Hälfte der befragten Unternehmen ist der Auslandsumsatz gesunken, nur jedes sechste konnte zulegen. Auch bei den internationalen Auftragseingängen überwiegt die Zurückhaltung. Für die kommenden Monate rechnen die Betriebe im Exportgeschäft eher mit einer Seitwärtsbewegung als mit Dynamik: Gleichviele Unternehmen erwarten steigende wie sinkende Ausfuhren.

Erträge sinken, Investitionen werden zurückgestellt

In der Ertragslage spiegelt sich die schwache Konjunktur besonders deutlich wider. Vier von zehn Unternehmen verzeichnen sinkende Erträge, nur 18 Prozent melden Zuwächse. Damit ist die Ertragslage in Summe bereits zum elften Mal in Folge negativ – die längste Durststrecke seit Erfassung der Erträge 1997. Entsprechend zurückhaltend fallen die Investitionspläne aus: Nur ein Fünftel der Befragten will die Ausgaben erhöhen, etwas mehr planen Kürzungen. Jeder achte Betrieb will gar nicht investieren. Seit Herbst 2022 verharrt der Investitionssaldo nahe der Nulllinie.

Fachkräftemangel nicht Hauptproblem

Zum achten Mal in Folge melden die Betriebe in der Region per Saldo keine spürbaren Veränderungen beim Personalbedarf. 20 Prozent planen, zusätzliche Mitarbeitende einzustellen, 24 Prozent rechnen mit einem Rückgang. Der über Jahre dominierende Fach- und Arbeitskräftemangel ist für viele Unternehmen derzeit nicht mehr das vorrangige Thema. Ein Grund dafür ist, dass sich die Beschäftigungslage eingetrübt hat. Die Arbeitslosenquote lag 2025 im Jahresdurchschnitt bei 7,1 Prozent – so hoch wie seit 2016 nicht mehr. Aktuell liegt sie in der Region Aachen bei 7,1 Prozent – niedriger als in NRW-Schnitt (8,0 Prozent), aber höher als im Bundesdurchschnitt (6,6 Prozent).

Der jüngste Anstieg des Mindestlohns hat in vielen Unternehmen spürbare Auswirkungen auf das gesamte Lohngefüge. Die Arbeitskosten werden zunehmend zur Belastung für die Wirtschaft. Inzwischen sehen 59 Prozent der Befragten die Arbeitskosten als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung – so viele wie nie zuvor und deutlich mehr als noch im Herbst (53 Prozent). Ebenfalls 59 Prozent blicken mit Sorge auf eine mögliche Schwäche der Inlandsnachfrage. Den Arbeits- und Fachkräftemangel sehen hingegen deutlich weniger Unternehmer als in den Vorjahren als Herausforderung. 56 Prozent sehen in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein zentrales Risiko.

Lage in der Städteregion Aachen

Im ehemaligen Kreis Aachen hat sich die Situation weiter verschlechtert. Nur 12 Prozent der Befragten melden gute Geschäfte, 29 Prozent sind unzufrieden. Der Blick nach vorne ist zwiespältig: 23 Prozent rechnen mit einer Verbesserung ihrer Lage, ebenso viele gehen von einer Verschlechterung aus. Den gesamten Bericht auf www.aaachen.ihk.de


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