Thomas Förster

Sonnenenergie aus Bürgerhand erzeugt

Roetgen/Nordeifel. Grünen Strom für rund 3500 Haushalte will die Bürgerenergiegenossenschaft Nordeifel schon bald erzeugen. Dafür wird sie 16000 Photovoltaik-Module an der A44 nahe Eilendorf errichten. Warum Eifeler auf Gebiet der Stadt Aachen investieren ist dabei einfach: Dort ist die passende Fläche, die es im ländlichen Raum nicht gibt.
Ein wenig größer als die Solaranlage in Bernward Holles Garten (r.) wird der Solarpark, den die Bürgerenergiegenossenschaft Nordeifel mit seinem Vorstand Rolf Giersberg (l.) und Karl Olfisch an der A44 nahe Eilendorf errichten und betreiben will.

Ein wenig größer als die Solaranlage in Bernward Holles Garten (r.) wird der Solarpark, den die Bürgerenergiegenossenschaft Nordeifel mit seinem Vorstand Rolf Giersberg (l.) und Karl Olfisch an der A44 nahe Eilendorf errichten und betreiben will.

Bild: Thomas Förster

Roetgen (Fö). »Als sich die Gemeinde Roetgen auf den Weg machte einen Windkraftanlagen-Park zu errichten, sollten auch die Bürger beteiligt werden. Das ist der Ursprung unserer Genossenschaft«, erinnert Bernward Holle, Aufsichtsrat der Bürgerenergiegenossenschaft Nordeifel. Hervorgegangen aus dem Engagement des Vereins »Roetgen Mach Watt e.V.«, hat sich die Genossenschaft zum Ziel gesetzt, den Klimaschutz und die Energiewende in und um Roetgen mit konkreten Projekten voranzubringen. Der Wirkungskreis reicht dabei bewusst über die Gemeindegrenzen hinaus — der Name »Nordeifel« ist Programm und umfasst einen Radius von rund 50 Kilometern um den Genossenschaftssitz.

Aus der damaligen Willenserklärung sind jetzt konkrete Projekte geworden - denn die Genossen haben bereits in einen Solarpark im Bergischen Land investiert. Nun werden wichtige Schritte auf dem Weg zum »BürgerSolarpark Aachen« getan. »Entlang der A44 - konkret am Parkplatz Königsberg zwischen Brand und Eilendorf - ist ein günstiger Standort«, weiß BEG-Vorstand Rolf Giersberg. Flächen in Autobahnrandstreifen (200 m beidseits der Autobahn) sind für die Aufstellung von Freiflächen-PV-Anlagen privilegiert, da sie aufgrund der Autobahnnähe als »vorbelastet« gelten. Insofern sind die genehmigungsrechtlichen Hürden hier deutlich reduziert (z.B. kein Bebauungsplan erforderlich). Als weiterer Vorteil des Standortes erweist sich die Nähe zum Umspannwerk Aachen-Eilendorf.

Besonders bemerkenswert ist die Ergänzung durch einen Batteriespeicher mit einer Kapazität von 20 Megawattstunden und einer Leistung von zehn Megawatt. Der Speicher wird ausschließlich aus der Solaranlage geladen — er ist ein reiner Grünstromspeicher, der dazu beiträgt, die Einspeisung ins Netz näher an den tatsächlichen Verbrauchskurven zu orientieren. Als Nebeneffekt verbessert sich dadurch auch die Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems.

In Zahlen: Die Anlage soll jährlich rund 11 Millionen Kilowattstunden Grünstrom erzeugen — genug, um etwa 3.500 Haushalte dauerhaft zu versorgen. Gleichzeitig werden jährlich rund 4.200 Tonnen CO2 eingespart. Das entspricht dem Ausstoß von bis zu 3.000 Autos mit Verbrennungsmotor bei 10.000 Kilometern Jahresfahrleistung.

Was das Genossenschaftsmodell von anderen Beteiligungsformen unterscheidet, ist vor allem das Prinzip der Stimmengleichheit: Jedes Mitglied hat in der Generalversammlung genau eine Stimme — egal, ob es einen einzigen Anteil hält oder zehn. Wer mehr investiert, kauft damit keinen größeren Einfluss.

Interesse an Windkraft bekundet

Für Bau und Betrieb gründet die BEG eine eigene Projektgesellschaft: die BürgerSolarpark Aachen GmbH & Co. KG. Daran hält die Genossenschaft mindestens 51 Prozent der Anteile und sichert sich damit die unternehmerische Mehrheit. Als Minderheitskommanditisten können sich weitere Partner beteiligen — etwa andere Energiegenossenschaften oder Stadtwerke.

Der Gesamtfinanzierungsbedarf beläuft sich auf rund 8,5 Millionen Euro. Davon sollen etwa 3,5 Millionen Euro als Eigenkapital eingeworben werden — durch Genossenschaftsanteile bestehender und neuer Mitglieder sowie durch Nachrangdarlehen.

Der BürgerSolarpark ist nicht das einzige Vorhaben, das die BEG Nordeifel beschäftigt. Die Genossenschaft wurde 2023 auch vor dem Hintergrund der geplanten Windkraftanlagen in der Gemeinde Roetgen gegründet — und dieses Thema ist nach wie vor aktuell.

Die Gemeinde Roetgen hat im Oktober 2024 Verträge mit der STAWAG Energie abgeschlossen, die das WKA-Projekt im Bereich des Münsterwaldes und des Birkhahnskopfes entwickeln soll. Aktuell ist die Errichtung von fünf Windkraftanlagen vorgesehen. Vertraglich wurde festgehalten, dass 24,8 Prozent der Anteile einer Projektgesellschaft für eine Bürgerbeteiligung reserviert werden müssen — durch eine Bürgerenergiegesellschaft, die der Gemeinderat bestimmt. Die BEG Nordeifel hat ihr Interesse an einer Beteiligung frühzeitig gegenüber der Gemeinde Roetgen bekundet.

Infoabend zum BürgerSolarpark

Wer mehr über die BEG Nordeifel und den BürgerSolarpark erfahren möchte, hat am 29. April ab 19 Uhr im Roetgener Bürgersaal Gelegenheit dazu: Die Genossenschaft lädt zu drei öffentlichen Informationsveranstaltungen ein.

Wer bereits Mitglied werden möchte, findet den Beitrittsantrag direkt auf www.beg-nordeifel.de - ab 500 Euro kann man Genosse werden.