Thomas Förster

Wenn in Gemeinschaft gelebt wird

Roetgen. Es wird als »Filetstück« Roetgens tituliert und lange Zeit war offen, was mit dem großen Grundstück im Herzen von Roetgen passiert. Nun ist klar, dass zwischen Grepp-, Haupt- und Lammerskreuzstraße ein Wohn- und Gemeinschaftsprojekt entstehen soll. »Gemeinschaft leben in Roetgen« könnte schon 2028 an den Start gehen.

Roetgen (Fö). Noch ist es eine freie Fläche im Ortskern. Doch in den Köpfen vieler engagierter Roetgener ist hier längst ein lebendiger Ort entstanden: Menschen unterschiedlichen Alters begegnen sich im Innenhof, Kinder spielen zwischen den Häusern, Nachbarn trinken gemeinsam Kaffee, barrierefreie Wohnungen ermöglichen ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter. »Um dies zu realisieren wollen wir eine Dorfgenossenschaft gründen, die nicht nur Bauherr und Betreiber des Projektes wird, sondern deren Mitglieder Förderer sein und gerne auch Bewohner werden können«, fasst Dietmar Bothe zusammen. Damit wird die Vision von »Gemeinschaft leben in Roetgen« Schritt für Schritt konkreter.

Geplant sind auf der rund 2.800 Quadratmeter großen Fläche etwa 30 barrierefreie Wohnungen mit Balkon/Terrasse für ein bis zwei Personen, davon etwa 50 Prozent öffentlich gefördert. »Davon gibt es gerade in der Eifel viel zu wenige«, unterstreicht Karl Olfisch, der einer der Initiatoren ist. Hinzu kommen Gemeinschaftsräume, Außenflächen, ein Innenhof und Garten sowie ein öffentlicher »Ort der Begegnung« (Beratung, Veranstaltungsraum, Café/Bistro) und ein Pflegestützpunkt. Rund 8 Millionen Euro sollen in die 1600 Quadratmeter Nutzfläche investiert werden.

Das »Dorfwohnzimmer«

Ein zentrales Element ist das sogenannte Dorfwohnzimmer – ein Treffpunkt für alle, der zum Reden, Lachen, Kulturleben, Austauschen und gegenseitigen Helfen dienen soll. Es soll durch die Nutzer in Selbstverwaltung betrieben werden und für alle Interessierten offen sein.

Entstanden ist das Projekt aus der unzureichenden Versorgung älterer Menschen im Roetgener Gemeindegebiet, die in der Politik kontrovers diskutiert wurde, als es um die Erweiterung des örtlicen Seniorenzentrums ging. Es bildete sich ein Arbeitskreis »Älter werden in Roetgen« und daraus eine Arbeitsgruppe zum Thema Wohnen und Pflegen. Das Projekt soll als eingetragene Genossenschaft organisiert werden - gegründet werden soll bereits im Mai. Die Gebäude werden von der Genossenschaft finanziert und damit dem Spekulationsmarkt entzogen. Und schon jetzt kann jede und jeder Teil dieser Geschichte werden: Mit einer Einlage ist es möglich, Mitglied der Gemeinschaft und nach der Gründung Mitglied der Genossenschaft zu werden. Wer nicht nur zuschauen, sondern mitgestalten möchte, kann sich frühzeitig beteiligen. Informationen zu den Voraussetzungen und Beteiligungsmöglichkeiten erhalten Interessierte über die Kontaktadresse der Initiative.

»Gemeinschaft leben in Roetgen ist mehr als ein Bauprojekt. Es ist der Versuch, Antworten auf Fragen zu geben, die viele Menschen bewegen: Wie wollen wir im Alter in Roetgen leben? Wie bleiben Ortskerne lebendig? Und wie kann Nachbarschaft wieder näher zusammenrücken?«, so die engagierten Ehrenamtler, die schon bald zu Genossen werden. Weitere Infos gibt es unter https://gemeinschaft-leben-in-roetgen.de/

»Die Gemeinde ist Eigentümer des Grundstücks und hat der Initiative einen Pachtvertrag in Aussicht gestellt«, lobt Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss das Engagement. Man wolle auch in den Neubaugebieten an der Greppstraße und im Wiedevenn sozialen Wohnungsraum schaffen. Aber dieses Projekt bleibe einzigartig.